Gestern war es heiß. Nicht unerträglich, das nicht, aber doch sehr heiß. Da half nur viel trinken und nach der Arbeit kurz ins Freibad. Auch abends waren die Temperaturen unerbittlich, und so standen mir selbst um 21 Uhr noch die Schweißperlen auf der Stirn.

So saß Tyson Vogel hinter seinem Schlagzeug und sagte: „Es ist heiß heute, sehr heiß, wir haben gehört der heißeste Tag bisher. Also genießt euer Wasser, solange es noch welches gibt!“

Das geschah nach ungefähr vier oder fünf Songs. Es war inzwischen ungefähr 22 Uhr, und es war immer noch heiß. Ich habe die Two Gallants noch nie live gesehen, aber ich habe mir immer vorgestellt, dass die Musik auf der Bühne noch eine Spur intensiver ausfallen würde.

Intensiver Vortrag

Ich hatte mich nicht getäuscht. Adam Stephens presste die Songs mit Hochdruck durch seine Stimmbänder und machte den Eindruck eines unter Dampf stehenden Kochtopfes. Wobei er körperlich erstaunlich ruhig blieb, die ganz Spannung passierte im Kopfbereich und vor allem im Gesicht. Sehr eindrucksvoll.

Er ging in der Musik auf, und vielleicht war er deswegen auch ein wenig kurz angebunden. An mehr als ein paarmal „Thank you“ kann ich mich nicht erinnern. Aber wirklich stören tat mich das nicht, denn dafür stimmte die Intensität, mit der er die Songs intonierte.

Sein Partner redete ein wenig mehr, aber vor allem drosch er auf sein Schlagzeug ein. Man merkte in jeder Minute dieses Abends, dass die beiden sich bereits seit ihrer Kindheit kennen und schon als Zwölfjährige zusammen musiziert haben. Ihr blindes Verständnis und das perfektes Timing beeindruckten mich. Dazu ein wahnsinnig druckvoller Sound.

(Was ich übrigens mal sagen wollte: im Rockhouse in Salzburg habe ich noch keine Band erlebt, die einen schlechten Sound hatte. Respekt dafür. Und danke!)

Die Songs

Ich bin mit der Musik der Two Gallants nur durch die beiden Alben „What The Toll Tells“ und „We Are Undone“ vertraut. Zur Setlist kann ich also nicht sehr viel sagen. Hier die Songs, die ich erkannt habe:

  • We Are Undone,
  • Some Trouble
  • Fools Like Us
  • Incidental
  • Invitation to a Funeral
  • Las Cruces Jail
  • Steady Rollin’
  • My Madonna

Nach ungefähr neunzig Minunten ging ein schweißtreibendes Set zu Ende. Adam Stephens hat gesungen, erzählt und gelitten, und sein Partner Tyson Vogel hat gestreichelt, geschlagen und gedroschen. Nach dem Abgang hallte minutenlang Applaus durch das Rockhouse, und nach einer gefühlten Ewigkeit ließen sich die beiden zu einer Zugabe überreden.

Dieses bestand aus drei Songs, die ich nicht kannte. Angeblich waren sie neu, aber das kann ich nicht einschätzen. Als dann eine Viertelstunde später das Licht anging und der Applaus langsam verebbte, ging ich mit den anderen Besuchern verschwitzt aber begeistert nach Hause.

Solltet du dir noch nicht ganz sicher sein, ob du dir die Two Gallants ansehen solltest: geh’einfach hin und lass dich mitreißen!

Two Gallants – We Are Undone Tour 2015

  • 08.07.2015 – Linz, Posthof
  • 09.07.2015 – Dornbirn, Conrad Sohm
  • 11.07.2015 – Phono Pop Festival, Opel-Altwerk
  • 13.10.2015 – Erlangen, E-Werk
  • 27.10.2015 – Dresden, Beatpol
  • 28.10.2015 – Osnabrück, Waldsee

Die Vorband: Shoshin

Im Vorprogramm spielten übrigens Shoshin, welche ich vorher noch nicht kannte. Die Band kommt aus Großbritannien und spielt eine interessante Mischung aus Rock, Hip-Hop, Metal und Indie. Das klang dann mal nach Rage Against The Machine, Red Hot Chili Peppers, Radiohead oder auch The Police. Was auf dem Papier ein wenig wie wild durcheinander gemischt klingt, entpuppte sich auf der Bühne als überzeugendes Konzept.

Shoshin bezeichnen sich selbst als Guerilla-Straßenband, und in der Vergangenheit der Band tauchen Lärmbelästigung, Verhaftungen, Gefängniszellen, Bußgelder, beschlagnahmte Verstärker, Straßenkonzerte in den unterschiedlichsten Länder und fast 20.000 selbstgebrannte und verkaufte CDs auf.

Jetzt versuchen sie es scheinbar auf dem althergebrachten Weg. Interessante Band.

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