Artikel in Kritik
03. September 2010
Cooperative Music (Universal)
Wertung: 








Das ist es also. Das letzte Werk mit Carlos Dengler, der die Band nach den Aufnahmen verliess. Der Schmerz über diesen Verlust ist spürbar. Das vierte, selbstbetitelte Album ist ein Brocken, der bei den ersten Durchläufen Probleme hat, Eindruck zu hinterlassen. Erst mit der Zeit kristallisieren sich Höhepunkte wie der fulminante Opener “Success” oder auch das stampfende “Memory Serves” heraus.
Das Album hat neben den beiden Eröffnungsstücken noch weitere große Momente zu bieten: “Barricade” erinnert mit seiner prägnanten Basslinie daran, wie schmerzlich der Verlust Denglers für die Band sein dürfte. “Lights” brodelt unterschwellig und schleicht sich unvermeidlich zum epischen Höhepunkt und “Always Malaise (The Man I Am)” schlängelt sich bedrohlich um den düsteren Refrain.
Was sofort auffällt: Produzent Alan Moulder hat der Band auf diesem Album einen großartigen Sound verpasst, vielleicht sogar den besten ihrer bisherigen Laufbahn. Ich habe allerdings den Eindruck, das die Band sich etwas zu sehr auf den Sound konzentriert hat und dabei ein wenig die Songs vergessen hat. Oftmals besitzen die Songs eine Grundidee, mal mehr oder weniger packend, und das war’s dann. “Safe Without” besitzt zum Beispiel eine Gitarrenfigur, die einfach von vorne bis hinten durchgespielt wird. Abwechslung oder gar Dramaturgie? Fehlanzeige. Aber der Sound ist großartig.
Interpol klingen auf ihrem neuen Werk gleichzeitig vertraut und seltsam distanziert, das ganze Album schlingert gewaltig. Zwischen tollen Momenten und vor sich hindümpelnder Monotonie. Die besseren Songs erinnern an die bisherigen Großtaten und machen wehmütig. Die schwächeren lassen mich etwas ratlos und oft gelangweilt zurück. Sehr durchwachsen.
Highlights: “Success”, “Memory Serves”, “Always Malaise (The Man I Am)”
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The Wave Pictures – “Sweetheart EP”
3. September 2010, Moshi Moshi
Wertung: 








Ich mag den Witz und den Esprit dieser drei Jungs ja schon seit ihrem 2008er Werk “Instant Coffe Baby”. Diese EP ist allerdings zumindest in Deutschland eine etwas seltsame Veröffentlichung, da alle 6 Songs auch auf dem wohl ursprünglich nur auf LP erschienenem Album “Susan Rode The Cyclone” enthalten sind. Natürlich sind die Songs deswegen nicht schlecht, ganz im Gegenteil. Unterhaltsam, witzig und charmant spielen sich die Wave Pictures durch ihre Alltagsbeobachtungen, wie immer mit einem Augenzwinkern und musikalisch schlicht, aber auf den Punkt. Ich würde euch allerdings zum Kauf des kompletten Albums raten, sei es auf CD oder als MP3-Download, denn dort bekommt ihr für weniger Geld (MP3s) bzw. 2 Euro mehr (CD) 5 Songs mehr.
3 Anspieltipps: “Sweethearts”, “Kitten”, “Cinnamon Baby”
“Susan Rode The Cyclone” bei Amazon
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Casiokids – “Topp Stemning Pa Lokal Bar”
27. August 2010, Moshi Moshi
Wertung: 








Es kommt in meinem Musikkosmos eher selten vor, das ich kein Wort von dem verstehe, was gesungen wird. Ok, Sigur Ros jetzt mal ausgenommen. Für mich hat es also immer etwas exotisches, wenn da auf einer mir völlig unverständlichen Sprache gesungen wird. Die Casiokids stammen aus Norwgen und spielen auf alten analogen und trashigen Keyboards ihre ganz eigene Vorstellung von Popmusik. Irgendwo zwischen den Ankerpunkten New Wave und Space-Disco. Das hat Charme und macht durchaus Spaß. Mich erinnert das zwar teilweise etwas zu sehr an Dr. Snuggles und einige House-Beats bereiten mir eher Sorgen als gute Laune, aber im Großen und Ganzen: gelungen!
3 Anspieltipps: “Grønt lys i alle ledd”, “Min siste dag”, “Verdens største land”
“Topp Stemning Pa Lokal Bar” bei Amazon
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Magic Kids – “Memphis”
20. August 2010, Matador/Beggars Group
Wertung: 








Seltsam, bei dem Cover, den Bandfotos und dem Gesamteindruck hätte ich die Band ganz klar in die Indie- / Garage-Ecke gestellt. Umso verwunderter war ich ob der breitwandigen Popklänge, die mir da entgegenschlugen. Inspiriert von den Sechzigern perlt das Musikverständnis von Brian Wilson oder auch E.L.O. aus den einzelnen Songs. Die 11 Stücke kommen in knapp 30 Minuten Gesamtlänge schnell auf den Punkt und klingen nach Sonne, Strand, guter Laune und unbekümmerter Kindheit. Wenig tiefgründig, aber so was von unterhaltsam.
3 Anspieltipps: “Candy”, “Phone”, “Hey Boy”
20. August 2010
Polydor (Universal)
Wertung: 








Angeblich war diese Platte schon einmal fertig. Der Plattenfirma Polydor war das Ergebnis allerdings wohl etwas zu abgefahren. Sie lehnte das zweite Album der Band in dieser Form ab. Das zweite Album ist in der Karriere einer Band ja traditionell schon schwer genug, und dann das. Nun hätten die Klaxons mit dem Mercury Prize im Rücken natürlich diplomatisch den Mittelfinger zücken und ihrer Wege gehen können*. Taten sie aber nicht; sie gingen wieder ins Studio.
Jetzt liegt “Surving The Void” auf dem Tisch. Und hört man den Opener “Echoes”, dann möchte man der Plattenfirma fast dankbar sein und die Band bewundern, denn dieser Song knüpft fast nahtlos an das Erfolgsdebüt an. Leider merkt man bereits am ungelenken zweiten Song “The Same Space” das hier etwas nicht stimmt. Und dieses Gefühl bestätigt sich leider im Laufe der folgenden acht Songs. Seltsam schwachbrüstig, oftmals diffus wirken die Stücke. Einige wirken zudem arg zerstückelt, es mag sich kein klarer Zusammenhang zwischen Strophe, Brige und Refrain ergeben. Es klingt mitunter so, als ob die Band versucht hätte, Achtziger-Pop mit Slayer zu kombinieren. Das das eigentlich nicht so recht funktionieren kann, sollte klar sein.
Dabei bleibt positiv festzuhalten, das die Klaxons immer noch tolle Refrains schreiben können. “Valley Of the Calm Trees” besitzt zum Beispiel so einen. Der Song ist an sich zwar auch eher eine Achterbahnfahrt, aber der Refrain, der bleibt hängen. Aber auf dem Album sind eben auch solche Totalausfälle “Extra Astronomical”. Oder solche Nervensägen wie “Flashover”, ich meine dieses “Myriads of silver dicsc…”
So brillant ihr Debüt auch gewesen sein mag, ihr zweites Album haben sie in den Sand gesetzt. Zu wenig tolle Songs, zu wenig Gefühl, zu wenig Euphorie. Unter Druck zusammengeschraubter Frust statt kreativer Höchstleistung.
Highlights: “Echoes”, “Valley Of The Calm Trees”
*ob ein Vertrag sie darin hinderte, ist mir jetzt egal
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Juniper Leaf – “Broom, Briars, Torches From The Fire”
30. Juli 2010, Snowhite (Universal)
Wertung: 








Chikinki-Frontmann Rupert Brown macht auf englischen Folk in Kombination mit Sechziger-Psychedelica. Seine Stime bleibt charakteristisch, passt aber in das teilweise herrlich schräge Soundgewand. Folk mit Freakfaktor, einer handvoll klassischer Riffs und einigen kleinen Perlen.
3 Anspieltipps: “Witch’s Book”, “Lighthouse”, “Left Outside The Loop”
“Broom, Briars, Torches From The Fire” bei Amazon
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Dogs – “We Are The Dogs” EP
30. Juli 2010, Universal
Wertung: 








Kleine, aber feine EP, die instrumental mitunter an Placebo erinnert (“The Floor Fell Away”) und auch sonst gekonnt in der Geschichte der jüngeren Indierock-Geschichte wildert. Knapp drei Jahre nach ihrem letzten Studioalbum knüpfen sie an “Tall Stories From Under The Table” an und haben wieder ein paar kleine Hymen im Gepäck. Den einen, ganz großen Song, den verwehren sie uns allerdings. Aber der kommt mit dem nächsten Album, da bin ich mir sicher.
2 Anspieltipps: “The Floor Fell Away”, “Cost Of Loving”
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Peter Piek – “I Paint It On A Wall”
18. Juni 2010, Noisedeluxe Records
Wertung: 








Zweites Soloalbum des Malers, Schrifstellers und Musikers aus Leipzig. Mit ungewöhnlich hoher Stimme präsentiert er Indierock der gehobenen Sorte, schafft es hier und da Akzente zu setzen und weiß durchaus zu gefallen, wie zum Beispiel im auch in deutsch gesungenen “Underwater Death Song”, dem Höhepunkt des Albums mit Klavier und Saxophon. Auf gesamter Länge fehlt es den Songs allerdings an Feinschliff, zu gewöhnlich kommt das Songwriting um die Ecke.
3 Anspieltipps: “Underwater Death Song”, “Tree”, “Meteorite Float”
30. Juli 2010
City Slang (Universal)
Wertung: 








Vielleicht ist eine Autofahrt mit Kind nicht unbedingt die beste Kulisse, um das erste Mal in eine neue, zumal wie in diesem Fall heißersehnte neue Platte reinzuhören. So blieb erwartungsgemäß auch nicht viel hängen, nur die bis dahin bekannten vier Songs drängten sich in den Vordergrund. Seltsam schüchtern verhielt sich das restliche Dutzend Songs. Was vielleicht auch in der neuen Reduziertheit begründet liegen könnte. Sicher, die Band hat das Potential zum Festival-Gassenhauer nicht verloren, man nehme nur einmal das großartige “Ready To Start”.
Aber wo sind die Streicher und Glockenspiele von “Funeral”, wo die schweren, religiösen Orgeln von “Neon Bible”? Dieses Album ist aufgeräumt, zumindest in der Instrumentierung. Auch die Arrangements klingen bis aufs Wesentlichste reduziert. Arcade Fire haben das Talent, aus Versatzstücken der bisherigen Rockgeschichte etwas eigenes, im besten Falle aufregendes zu schaffen. Die Vorgänger sind voll von überkandidelten Song und großartigen Melodien. Auf ihrem neuen Werk wird allerdings ein ums andere Mal deutlich, wo die Inspiration herkommt.
Das stört allerdings wenig, denn die so entstandenen Songs überzeugen in ihrer betörenden Schlichtheit. Weiterhin ist es der Band gelungen, das Album als Gesamtkunstwerk so auszubalancieren, das ein graziles Gebilde auf den Hörer wartet. Ein Vorspulen zu viel, ein Herauspicken der besten Momente: das würde dieses Kartenhaus zusammenfallen lassen.
Dieses Album ist eines der ganz großen in diesem Jahr. Auch wenn andere hier stilistische Inkonsequenzen sehen oder zuviel Kitsch heraushören. Was mich von der Höchstwertung abhält: die Discoreminiszenz “Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)” und die Wiederholung des Suburbs-Themas am Ende sind überflüssig wie der sprichwörtliche Kropf. Bleibt ein Album mit 14 großartigen Songs, die unbedingt ohne Pause gehört werden sollten.
Highlights: “Ready To Start”, “Suburban War”, “City With No Children”
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23. Juli 2010
City Slang (Universal)
Wertung: 








“Mines” beginnt verhalten, fast schüchtern. Man könnte meinen, hier ein weiteres Album der Gorillaz oder Blur in den Händen zu halten; der Gesang erinnert mitunter an Damon Albarn. Bereits mit Song Nummer 2 verschwindet dieser Eindruck allerdings wieder, hier wird gerockt, geknarzt, gegniedelt, geartrockt. Fast so fett, wie es die Großbuchstaben des Songtitels “TAOS” vermuten lassen. Bereits in dieser frühen Phase der Platte wird deutlich, was Menomena auf ihrem neuen Werk ausmacht. Der unbedingte Wille zum Loslassen. Die Songs brechen immer wieder auseinander, werden von der Band nur schwer zusammengehalten. Das erwähnte “TAOS” mag hier als Referenz herhalten. Ab Minute zwei fällt hier eigentlich alles auseinander, das Schlagzeug verweigert den Dienst, die Gitarren verstummen, vorher ungehörte Bläser verschaffen sich Platz; einzig die Gesangslinie schafft es, ein wenig Kontinuität zu wahren.
So geht es munter weiter. “Killemall” besitzt zwar eine klare Struktur mit einem tollem Bass-Fundament und einer wundervollen Gesangslinie, aber auch hier bricht der Song immer wieder unvermittelt ab, Orgeln tauchen wie aus dem Nichts auf, stoppen ab, nehmen Fahrt auf….. schließlich macht der Song da weiter, wo er aufgehört hat.
Spätestens jetzt sollte ich aber jegliche Befürchtungen vom Tisch wischen. Das klingt bisher wenig begeistert, ist voller negativer Assoziationen und lässt Böses ahnen. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Spätestens mit dem folgenden “Dirty Cartoons”, einem der einfachsten Songs des Albums, haben euch Menomena am Haken – da bin ich mir sicher. Dieses Bass-Riff im Refrain, dann noch dieses Pfeifen in den Strophen (welches in dieser Take Away Show großartig umgestzt ist), die Steeldrum, die Achtziger-Gedächtnis-Drummfills. Ihr merkt schon, die Songs sind nicht einfach zu beschreiben. Da passiert einfach in jedem Song so unglaublich viel, daraus basteln andere Musiker komplette Alben.
Und trotzdem gelingt es der Band aus Portland, ein mitreißendes, wundervolles, lebendiges, atmendes, sich windendes Monster von einem Album abzuliefern. Welches sich auch nach dem zwanzigsten Durchlauf nicht abnutzt, sondern ganz im Gegenteil immer wieder neue Schichten offenlegt. Und mit “Tithe” ist einer meiner absoluten Lieblingssongs des Jahres enthalten. Immer wenn ich diesen Song höre, kann sich mein Körper nicht entscheiden: weinen, schmunzeln, lachen, niederknien, Gänsehaut kriegen.
Highlights: “Tithe”, “Dirty Cartoons”, “Queen Black Acid”
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25. Juni 2010
Matador/Beggars Group
Wertung: 








Wieder so eine Platte, die hier ewig rumlag, von mir völlig unbeachtet. Dann war der Tag der Veröffentlichung verstrichen, ich habe wieder einmal nur kurz reingehört. Und dann stolpere ich über dieses Video und denke: eigentlich tolle Musik.
Die nur auf einem Klavier vorgetragene Musik schwelgt dabei in Melancholie, tröpfelt leise und zart vor sich hin, perlt aus den Boxen, lässt jeglichen Anspruch an HiFi vermissen. Das Gefühl im Mittelpunkt. Das müssen die Zuhörer nicht immer verstehen; nachvollziehen schon gar nicht. Mitunter ist man peinlich berührt, so als lausche man einem fremden Gespräch oder schnüffele in der Wohnung eines Unbekannten.
Selbst das flotteste (flott im Sinne von: am wenigstens langsam) Stück “Mr. Peterson” ist ganz großes Drama.
He made me a tape of Joy Division
He told me there was part of him missing
When I was 16 he jumped off a building.
Wenn ich Mike Hadreas etwas vorwerfen muss, dann ist es sein unglückliches Händchen für den richtigen Zeitpunkt. Fehlendes Timing nennt man das auch. Denn Im Sommer wirkt seine Musik mitunter so deplatziert wie ein paar Schlittschuhe. Aber wenn es dann wieder beginnt zu stürmen, die Regentropfen langsam die Scheibe herunter rinnen und der Tee in der Tasse dampft, spätestens dann offenbart sich das Genie.
Highlights: “Mr. Peterson”, “Learning”, “Gay Angels”
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25. Juni 2010
City Rockers (EMI)
Wertung: 








Lange lag dieses Album hier unbeachtet in einem Stapel. Bis ich folgenden Eintrag bei Peter las: “Grossartiger, pathetischer britischer Indie-Rock mit eine Menge guter Ideen und Melodien die sich in den Gehörwindungen krallen. The Sunshine Underground klingen so, wie ich mir wünsche würde, das Muse klingen würden. Sagen will ich, das Album ist ganz grosses Kino. Anspruchvoller, nicht nervender zeitgenössische Rockmusik. Anders gesagt, beste Unterhaltung ohne peinliche Momente und trotzdem radiotauglich. Ich weiss ja nicht, ob ich mit meiner Meinung total allein auf weiter Flur stehe, aber die mir bisher unbekannten Briten finde ich besser als so angesagtes, artverwandtes Zeug wie Two Door Cinema Club, The Cinematics oder These New Puritans.”
Er steht mit seiner Meinung nicht allein. Ob “Nobody’s Coming To Save You” nun unbedingt besser als die drei erwähnten Bands ist, wage ich zu bezweifeln, denn dafür gibt es ja die Institution des Geschmacks. Aber toll ist das aktuelle Album von The Sunshine Underground in jedem Fall. Völlig unverkrampfter, perfekt unterhaltender britischer Rock, der mal an Muse, mal an die ganz alten Sachen von den Manic Street Preachers erinnert.
Dabei haben sie den Funk- und Dance-Anteil ihre Debüts sehr zu ihrem Vorteil reduziert (Ok,es gibt noch ein paar Ausreisser, “In Your Arms” zum Beispiel). Stattdessen haben sie so einen leicht undefinierbaren Neunziger-Touch entwickelt, den ich persönlich ganz großartig finde. Schwer zu beschreiben, aber mitreißend. Einziges Manko: wenn sie sich auf den Sound ihres Debüts besinnen und den Drumcomputer anschmeissen, dann klingt das so dermassen altbacken, das geht irgendwie nicht (“Warning Sign”).
Highlights: “I’m Coming to Save You”, “Spell It Out”, “In Your Arms”
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The Sunshine Underground – Coming To Save You from Dave Aspinall on Vimeo.
Damien Jurado – “Saint Bartlett”
28. Mai 2010, Secretly Canadian
Wertung: 








Damien Jurado ist seit fast 20 Jahren dabei, hat unzählige Alben und EPs veröffentlicht und hat es dennoch geschafft, von mir unbemerkt zu musizieren. Was für ein Versäumnis meinerseites! Denn das jüngste Album strotzt vor lauter Poesie, reduzierter Schönheit und sanfter Kraft. Alleine die drei Eröffnungsstücke gehören mit zum Schönsten, was ich in diesem Jahr gehört habe. Aber auch das an Neil Young erinnernde “Wallingford” oder das sanft plätschernde “Kansas City” sind Highlights einer ausgewogenen Platte, die eine Stimmung schafft, in der man sich sofort geborgen fühlt, ohne genau zu wissen, um was es in den Songs eigentlich geht.
3 Anspieltipps: “Cloudy Shoes”, “Kansas City”, “Rachel & Cali”
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Jersey Budd – “Wonderlands”
28. Mai 2010, Snowhite
Wertung: 








Bereits bei den ersten Takten des Openers denkt man an New Jersey, Bruce Springsteen, an harte, ehrliche Arbeit. Doch da ist man auf dem Holzweg, denn Jersey Budd kommt aus Leicester in Großbritannien. Was man auf “Wonderlands” zu hören bekommt ist vor allem schnörkellos. Hier hat ein junger Songwriter sichtlich Spaß daran, sich so richtig in seine Musik reinzuknien. Das passt zum Wetter und verbreitet gute Laune. Einziger wirklicher Kritikpunkt: vielleicht ein wenig zu beliebig, um zu berühren.
3 Anspieltipps: “Visions Of You”, “Wonderlands”, “When We Shine”
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You Say Party! We Say Die! – “XXXX”
18. Juni 2010, Snowhite
Wertung: 








Der überraschende Tod ihres Drummers Devon Clifford im April überschattet dieses Werk natürlich. Seitdem er auf der Bühne zusammenbrach und an einer Hirnblutung starb, ist es still geworden um die Band aus Kanada. Ich hoffe, dieser tragische Zwischenfall führt nicht zum Ende der Band, denn mit “XXXX” haben sie endlich einen Sound gefunden, der ihnen gut steht und irgendwo zwischen Bat For Lashes, Metric und The XX angesiedelt ist. Pop im weitesten Sinne, aber mit einer gehörigen Portion Energie, prädestiniert für den Indie-Tanzflur. Die Liebe ist das große Thema der Platte, denn nicht anderes versteckt sich hinter “XXXX”, das nicht nur den Albumtitel stellt, sondern auch in 3 Songtitel vorkommt.
3 Anspieltipps: “Dark Days”, “There Is Xxxx (Within My Heart)”, “Laura Palmer’s Prom”
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Wieso kurz und knapp? Da ich es nicht schaffe, hier zu allen Promos und interessanten Neuveröffentlichungen Einzelkritiken abzuliefern, werde ich in unregelmäßigen Abständen mehrere Platten in einem Beitrag besprechen. Und das kurz und knapp. Nicht so kurz wie in den 140er-Reviews, die ich gerne beibehalten möchte, aber so zwei, drei, vielleicht auch mal vier Sätze sollten genügen. Zusätzlich eine kleine Wertung von 1-10, das war’s.
The Dead Weather – “Sea of Cowards”
21. Mai 2010, Warner
Wertung: 








Das ging schnell. Das Projekt um den äußerst kreativen Jack White kommt mit dem nächsten Album um die Ecke. Es ist genauso schmutzig, erdig, zerfranzt und wuchtig wie das Debüt. Allerdings brauchen die Songs diesmal länger, sie sind nicht mehr so zugänglich. Ein wenig mehr Arbeit und Feinschliff wäre vielleicht nicht schlecht gewesen, einige Stücke haben mitunter ein wenig Jam-Charakter. Trotzdem mehr als solide.
3 Anspieltipps: “The Difference Between Us”, “Gasoline”, “Dy By The Drop”
Die By The Drop
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The Drums – “The Drums”
04. Juni 2010, Cooperative
Wertung: 








Ein paar gute Songs, schöne Melodien, ein gewisser Charme. Kleine Ohrwürmer irgendwo zwischen Joy Division und Surf Music, reduziert bis aufs Mark. Aber oft auch das Gefühl, das die Band es ein wenig mit ihrem Stilbewusstsein übertreibt und die Songs mitunter etwas blutleer wirken. Wenn man die Instrumentierung so weit runterfährt, dann brauchen die Songs Substanz. Die fehlt hier und da. Vielleicht hätten sie einfach eine zweite EP hinterherschieben sollen.
3 Anspieltipps: “Forever And Ever Amen”, “Best Friend”, “Skippin’ Town”
Forever And Ever Amen
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Stornoway – “The Beachcomber’s Windowsill”
28. Mai 2010, 4ad/Beggars Group
Wertung: 








Die nächste Folk-Platte von der Insel. Nicht so offensichtlich wie Mumford & Sons, eher ein wenig subtil wie Noah & The Whale. Unglaublich vielfältiges Debüt, hat von beschwingtem Indie-Pop mit Beach Boys-Anleihen (“I Saw You Blink”) über lupenreinen Folk mit Banjo (“We Are The Battery Human”) bis hin zu athmosphärisch dichter Melancholie (“The Coldharbour Road”) eine Menge zu bieten. Komischerweise sticht hier kein Song über die Maßen heraus, trotz der Vielfältigkeit ist “The Beachcomber’s Windowsill” wie aus einem Guss. Und mit “Boats And Trains” hat das Debüt noch einen der besten Rausschmeißer der jüngeren Folk-Geschichte zu bieten. Wundervoll.
3 Anspieltipps: “Zorbing”, “I Saw You Blink”, “Boats And Trains”
I Saw You Blink
“The Beachcomber’s Windowsill” bei Amazon
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Cha-Cha – “‘We Are…”
10. Mai 2010
Pop Noodle Records
Wertung: 








Das Trio aus London ist erfolgreich unter dem Hype-Radar geblieben und hat Anfang Mai sein Debüt bei dem kleinen Label Pop Noodle veröffentlicht. Geboten werden unaufgeregte kleine Indiepop-Perlen, die oft an die Kooks und an Phoenix erinnern. Ich sehe für dieses Album voller potentieller Singleauskopplungen nur ein Problem: der Sommer lässt auf sich warten. Und ohne Sonne mag diese Musik ihr Potential nicht so recht zu entfalten. Aber an lauen Sommerabenden am Strand, in der verschwitzten Indie-Disco oder auf der WG-Einweihungsparty sollten die Songs mehr als gut funktionieren.
3 Anspieltipps: “Sit You Down”, “The Fellowship”, “Phonographic Love”
The Fellowship
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Wieso kurz und knapp? Da ich es nicht schaffe, hier zu allen Promos und interessanten Neuveröffentlichungen Einzelkritiken abzuliefern, werde ich in unregelmäßigen Abständen mehrere Platten in einem Beitrag besprechen. Und das kurz und knapp. Nicht so kurz wie in den 140er-Reviews, die ich gerne beibehalten möchte, aber so zwei, drei, vielleicht auch mal vier Sätze sollten genügen. Zusätzlich eine kleine Wertung von 1-10, das war’s.


