Es ist Mitte Dezember und Weihnachten ist nur noch eine Woche entfernt. Zeit für den Jahresrückblick. Ich habe lange überlegt und abgewogen und mich am Ende selbst überrascht.

Denn oft hat es eine Platte trotz meiner Schwärmerei und einer hohen Wertung nicht in diese Liste geschafft. Das liegt einfach daran, dass ich mich auf die Alben konzentriert habe, die mir in diesem Jahr wirklich etwas bedeutet haben. Die mich unterhalten haben, mich zum nachdenken, träumen oder mitsingen animiert haben.

Ich muss allerdings zugeben, dass mir die Zusammenstellung in diesem Jahr schwer gefallen ist. Denn in der Rückschau war das Jahr 2016 musikalisch durchwachsen.

Wirkliche Highlights waren in den letzten 12 Monaten Mangelware. Und auch viele Platten, die ich in meinen Quartals-Rückblicken lobend hervor hob, sind zwar nach wie vor toll, aber eben nicht wirklich wichtig für mich.

Ich habe mit mir gerungen, aber am Ende habe ich es geschafft, meine Alben des Jahres zu definieren. Hier sind die zehn Longplayer, die das Jahr 2016 für mich geprägt haben.


Radiohead – A Moon Shaped Pool

Wenn Radiohead eine Platte veröffentlichen, dann ist diese für die Top Ten gesetzt. Natürlich bestand die Gefahr eines zweiten King Of Limbs, aber mit A Moon Shaped Pool ist meinen Helden ein ganz großes Album gelungen.

Die Musik ist mehr eine Zusammenfassung des bisherigen Schaffens als ein neues Kapitel. Eine Menge altbekannter Songs sind enthalten, die immer mal wieder in anderen Versionen oder Fragmenten bei Livekonzerten auftauchten.

A Moon Shaped Pool ist ein düsteres und atmosphärisches Album, sowohl musikalisch als auch textlich. Und auch wenn diese düstere Hoffnung phasenweise beliebig und erdrückend zu werden droht: ich fühle mich nach wie vor großartig mit dieser Platte.

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Preoccupations – Preoccupations

Auf ihrem zweiten Debüt haben die Preoccupations ihren aufregenden Stilmix noch weiter verfeinert und hauen uns einen verdammt großartigen Song nach dem anderen um die Ohren.

Fiebrig, monoton und beklommen.  Auch auf diesem Album gibt  es Post-Punk-Gitarren, krautige Schlagzeugschleifen und düstere Goth-Elemente zu hören. Aber die Songs klingen fokussierter und besitzen jetzt auch einen unwiderstehlichen Popappeal.

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Nick Cave & The Bad Seeds – Skeleton Tree

Nick Cave und seine Bad Seeds waren mitten in den Aufnahmen zum Album, als im Juli letzten Jahres sein 15-jähriger Sohn Arthur tödlich verunglückte. Er experimentierte mit Drogen und fiel in der Nähe des Elternhauses von einer Klippe. Die Trauer um sein Kind veränderte den Musiker.

Skeleton Tree wirkt of skizzenhaft und unfertig. Das Album ist schwer zu ertragen, vor allem als Vater. Hier schwingt verdammt viel Unausgesprochenes mit. Wenn ich mich so richtig auf diese acht Songs einlasse, dann habe ich einen Kloß im Hals. Und Tränen in den Augen. Auch nach vielen Durchläufen noch.

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Jamie Lidell – Building a Beginning

Da hat es der alte Haudegen Jamie Lidell doch tatsächlich geschafft, sich in meine Alben des Jahres zu schleichen. Und zwar mit einem lupenreinem Soul-Album.

Auf Building a Beginning gibt es keine Experimente und keine Angeberei, sondern gefühlvolle Songs. Es handelt sich hier um eines dieser Alben, welches im Hintergrund läuft und sich im Lauf der Zeit immer mehr ins Bewusstsein eingräbt. Jamie, du alter Schlawiner!

DIIV – Is There Is Are

DIIV---Is-The-Is-Are

Nachdem DIIV im Jahr 2012 ihr Debütalbum Oshin veröffentlichten, war das Leben von Frontman und Gründer Zachary Cole Smith eine Achterbahnfahrt.

Die Band hat die Läuterung ihres Frontmanns in einen wundervollen Klangteppich mit großartigen Bassläufen, unvergleichlichen Gitarrenmelodien und hypnotischen Instrumentalpassagen verpackt. Das ist manchmal etwas langatmig, aber immer schön anzuhören.

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Holy Esque – A Hope’s Ravine

Holy-Esque-A-Hope-s-Ravine

Holy Esque kreieren einen mitreißenden Mix, der sich in etwa aus dem rauen Sound von The Pains Of Being Pure At Heart, den verspielten Melodien von Bloc Party und dem Pathos der Editors zusammensetzt.

Ich hatte die Befürchtung, dass die Musik der Schotten auf Albumlänge nicht funktionieren würde. Aber diese Befürchtung stellte sich zu meiner Freude als grundlos heraus.

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Damien Jurado – Visions Of Us On The Land

Damien-Jurado

Damien Jurados aktuelles Album ist ein neuer musikalischer Höhepunkt im bisherigen Schaffen des Songwriters aus Seattle. Die leichtfüßigen Folk-Arrangements verzieren Jurado und Swift mit glitzerndem Ornament, welches Visions of Us On The Land zu einem Erlebnis macht.

Nicht eine Sekunde ist langweilig oder gar zu viel. Damien Jurado hat die Welt von Maroqopa nach drei großartigen Alben hinter sich gelassen, aber es gibt noch viele andere Welten, die er erschaffen kann und hoffentlich auch erschaffen wird. Bis dahin fühle ich mich in der aktuellen Welt verdammt wohl.

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Emma Ruth Rundle – Marked For Death

Die in Los Angeles Emma Ruth Rundle beackert auf ihrem zweiten Solo-Album ihre leidende Akustikgitarre. Sie baut Gitarrenwände auf und reißt sie wieder ein. Unterstützt wird sie hier und da von Bass und Schlagzeug, aber im Zentrum stehen immer Gitarre und Gesang.

Die Protagonistin dieser Musik ist eine gequälte Seele, die leidet, kämpft, aufgibt und wieder aufsteht. Als Hörer kann ich in diese dunkle Gefühlswelt mit ihren wuchtigen Gitarren eintauchen oder ich bleibe an der Oberfläche und verstehe die Vehemenz einfach nicht.

Es gibt wenig sofort zündende oder gar radiotaugliche Songs. Dennoch (oder gerade deswegen) eine wichtige und wuchtige Platte.

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Peter Doherty – Hamburg Demonstrations

Mit Hamburg Demonstrations ist zum Ende des Jahres tatsächlich noch einmal ein richtig gutes und berührendes Album erschienen. Herzschmerz oder Politik: Peter Doherty klingt immer noch wie Doherty. Der schnoddrige und sensible Songwriter zeigt sich auf seinem zweiten Solo-Werk von seiner besten Seite.

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The Slow Show – Dream Darling

Weltschmerz und dezente Verzweiflung, das sind die Themen von The Slow Show. Die Stimme von Frontmann Rob Goodwin erinnert nach wie vor an Kurt Wagner von Lambchop und er erzählt seine Geschichte eher, als dass er singt. Aber zu diesen traurigen und zugleich herzerwärmenden Songs kann es keine bessere Interpretation geben als diesen markanten Bariton.

Ich war während der ersten Durchgänge allerdings ein wenig ernüchtert. Aber diese Ernüchterung ist verschwunden, denn The Slow Show verfolgen ihren auf dem Debüt eingeschlagenen Weg konsequent weiter.

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Natürlich gibt es auch in diesem Jahr eine Spotify Playlist mit allen 10 Alben.

10 KOMMENTARE

  1. „Wirkliche Highlights waren in den letzten 12 Monaten Mangelware. Und auch viele Platten, die ich in meinen Quartals-Rückblicken lobend hervor hob, sind zwar nach wie vor toll, aber eben nicht wirklich wichtig für mich.“ Genauso geht es mir auch mit 2016 – zum Glück gibt’s ja immer Musik, die einen entertaint, aber Meilensteine (oder zumindest -steinchen) gab es für mich in diesem Jahr praktisch gar keine… Unsere Top 10 werden übrigens keine Überschneidungen haben, das kann ich schon mal verraten. 🙂

  2. Moin,

    bin seit längerem Lurker hier und dachte ich kommentiere mal deine Alben des Jahres. Du hast eine sehr persönliche Herangehensweise für deine Liste gewählt und auch wenn ich deinen Ansatz sehr valide finde, so reibe ich mich an der Aussage mit den wenigen Highlights ein bisschen. Hier eine Auswahl von meiner Meinung nach Alben, die man schon als Highlights sehen kann.

    – getragen vom Mercury Prize hiefen Skepta den Grime in den Mainstream
    – Kate Tempest erzählt/rapt Geschichten von „4:18am“ und schafft damit eine Zustandsbeschreibung für die postmoderne Welt des Jahres 2016
    – David Bowie schafft es sogar seinen eigenen Tod in einem Album zu einer Inzenierung werden zu lassen
    – Ahoni verpackt so viel Politik in glizerndes Pop-Song-Papier, dass es fast weh tut dieses Album zu hören
    – A Tribe Called Quest veröffentlichen sozusagen das erste Post-Trump-Album
    – Bon Iver denkt sich „Fuck it“ mit einfachen Folk-Songs und deskonstruiert sich selbst um sich direkt wieder neu zusammenzusetzen.
    – Josh Homme produziert Iggy Pop in die Gegenwart
    – JaKönigJa machen ein Album für den hippen Größstädter, der sich heimlich die „Landlust“ kauft.
    – Isolation Berlin lässt einen an die späten Scherben und die frühen Blumfeld zurückerinnern.

    wie gesagt ich finde deine persönliche Herangehensweise genauso valide.
    besten Gruß

    • Hallo Karsten, danke für deinen Kommentar. Deine Auflistung ist fundiert und dein Einwand absolut berechtigt. Aber es geht ja eben um meine persönliche Auswahl, wie du ganz richtig bemerkst. Und für mich hörte sich 2016 eher mau an. Zumindest was das Albumformat angeht.

  3. Hey Nico, vielen Dank für deine Artikel und Reviews. Gibt es von dir eine Playlist oder so, der ich folgen kann? Das würde es mir viel einfacher machen, deiner empfohlenen Musik zu folgen bzw. schnell mal reinzuhören. Liebe Grüße und danke! Merle

  4. Hallo Nico, habe lange über Deiner Liste gebrütet, bis ins Neue Jahr rein, und hinsichtlich The Slow Show und Emma Ruth Rundle bin ich auch ganz bei Dir! Aber, auch wenn Du letztes Jahr an ihrer Platte etwas rumgemäkelt hast, ist für mich – ganz persönlich – der einsame Diamant weit oben im Universum „Painting Of A Panic Attack“ von Frightened Rabbit. Ich sehe da eine deutliche Weiterentwicklung im Vergleich zu ihrem vorigen Album, das hymnische der Songs wird in ungeahnte Höhen geführt. Eine Band, die ich schmerzlich in Deinedr Aufstellung vermisst habe, ist Bear’s Den mit ihrem Album „Red Earth & Pouring Rain“. Aber klar, alles ganz subjektiv, und das ist ja auch gut so! Herzlichen Dank bei dieser Gelegenheit für viele Stunden guter Musik! Arvid

    • Hallo Arvid, vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe leider einfach zu wenig Zeit, um mir alle interessanten Platten mit der nötigen Muße anzuhören. Deswegen ist die Bear’s Den leider völlig an mir vorbei gegangen. Und „Painting Of A Panic Attack“ habe ich mir nach meiner Kritik kaum noch angehört. Ich finde das teilweise auch sehr schade, aber mit Familei und Beruf ist da alleine leider nicht mehr drin 🙂

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