Gleich zu Beginn ein Geständnis: ich habe Die Heiterkeit bisher völlig ignoriert. Obwohl sie vor vier Jahren eine Split-EP mit Ja, Panik herausbrachten.

Die Hamburger Formation um Stella Sommer musizierte in den letzten Jahren immer am Rande meiner Wahrnehmung. Ich habe zwar von ihnen gewusst, aber ich habe nicht einen Song von ihnen bewusst gehört.

Das hat sich nun geändert. Ich stürzte mich völlig unvorbereitet in das neue Werk Pop & Tod I+II und war verwirrt. Die glasklaren Gitarrenpopsongs mit mehrstimmigen Gesang, spartanischen Texten und Männerchören ließen mich ratlos zurück.

Zu dieser Ratlosigkeit gesellte sich allerdings eines der wichtigsten Gefühle, wenn es um neue oder unbekannte Musik geht: Neugier. Und das, obwohl die reinen Daten für einen Erstkontakt wahrlich abschreckend wirken: 20 Songs, 66 Minuten Spielzeit. Ein Doppelalbum, wenn ich denn mit alten Fachbegriffen arbeiten würde.

Wenn ich das richtig verstehe, dann hat Stella Sommer vor diesem dritten Album die komplette Band ausgetauscht und sich ein wenig von der eher schrammeligen Verweigerungshaltung der beiden Vorgängeralben Herz aus Gold und Monterey verabschiedet.

Dunkelheit wird niemals zu Licht

Herausgekommen ist ein funkelndes Album, welches sowohl in instrumentaler als auch in textlicher Hinsicht bis zur Notwendigkeit reduziert wurde. Hier werden die düsteren Gemütszustände mit sonorer und tiefer Stimme besungen.

Allerdings klingt das bei Die Heiterkeit nicht nach Resignation, sondern viel eher nach Umarmung. Und immer schwingt da ein unhörbares Sha-La-La mit.  Die Band nähert sich furchtlos dem Themenkomplex Liebe, Verzweiflung und Langeweile und erschafft mit scheinbarer Leichtigkeit düstere und zugleich schillernde Popsongs.

Mit den Worten „Hier kommt die Kälte“ beginnt dieses Album, mit „Sind wir jetzt alle zufrieden?“ endet es. Ich für meinen Teil bin immer noch überrascht. Wenn Musik es schafft, mich zum Lächeln zu bringen, während ich gleichzeitig meine Tränen unterdrücke, dann bedeutet sie mir eine ganze Menge. Bin ich also zufrieden? Ja, und wie!


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