„Four“ ist nicht der erhoffte Befreiungsschlag, sondern ein durchwachsenes Album, auf welchem sich die Band ein wenig unschlüssig präsentiert.

Vier Jahre ist es her, das Bloc Party mit „Intimacy“ ihr durchwachsenes drittes Album veröffentlichten, auf dem sie versuchten, Dance-Elemente in ihren fiebrigen Gitarrensound zu integrieren und dabei scheiterten. Rund ein Jahr später machten Trennungsgerüchte die Runde, es folgten der Soloausflug von Frontmann Kele und das Seitenprojekt Pin Me Down von Gitarrist Russell Lissack. Dann im Mai die positive Meldung: es geht weiter. Der Albumtrailer zum schlicht „Four“ betitelten Werk verbarg mehr als er offenbarte, und so mussten wir bis zum ersten Song „Octopus“ warten, um einen Eindruck von Bloc Party 2012 zu bekommen. Zerhackte Gitarren, brummelnder Bass und treibende Drums bestimmen den Song, der als einziges Manko einen etwas schwachen Refrain besitzt. Man durfte also gespannt sein.

Fast trotzig beginnen sie dieses Album: „Ihr wolltet Gitarren? Könnt ihr haben!“ „So He Begins To Lie“ besitzt ein wuchtiges Riff und einen tonnenschweren Refrain. Russell Lissack macht seine Arbeit offensichtlich wieder Spaß. Letztlich fehlt dem Opener allerdings die zündende Idee. Auch auf „3×3“ dominieren die Gitarren und erzeugen mit der Rythmussektion eine ständige Spannung, die aber zu keiner Zeit gekonnt aufgelöst wird. Warum Kele hier Imitationen von Mike Patton (Strophe) und Bruce Dickinson (Refrain) abliefert, bleibt ungeklärt. Spannender wird der Song dadurch nicht. Zum Glück packt die Band das bereits oben erwähnte und vorab bekannte „Octopus“ an die dritte Stelle, und so kann ich erst einmal tief durchatmen.

„Real Talk“ bietet uns bei getragenem Tempo wenig Ideen und mit einem Banjo eines der unpassendsten Instrumente der bisherigen Bandgeschichte. Dann wieder Gitarren. „Kettling“ versucht sich ein wenig an Helmet-Riffing und weiß durch eine gewisse Dringlichkeit zu gefallen. Bis zu diesem Punkt ist immerhin schon eine Viertelstunde vergangen, und richtig überzeugend war keiner der bisherigen Songs.

Die zweite Albumhälfte ist aber zum Glück ein wenig besser. Eingeleitet durch das wirklich schöne und zum Ende hin raumgreifende „Day Four“ folgen hier ein paar Songs, die andeuten, was Bloc Party in ihren Anfangstagen ausmachte. „V.A.L.I.S“ zum Beispiel, ein klassisches Bloc Party-Stück. Treibendes Schlagzeug, spartanische aber effektive Gitarrenarbeit, gelungener Spannungsbogen. Leider ist der Refrain ein wenig beliebig. Oder „Truth“: auch wenn Kele hier lyrisch nur ein paar Gemeinplätze präsentiert, so ist er gesanglich perfekt in den Song integriert und trägt ihn. Beide Songs hätten zu „Silent Alarm“-Zeiten sicher tolle B-Seiten abgegeben. Bei „Coliseum“ und „We Are Not Good People“ wird allerdings wieder Vollgas gegeben, ungeachtet der Tatsache, das ein wuchtiges Riff noch keinen guten Song macht.

Was bleibt? Ein durchwachsenes Album, auf welchem sich die Band ein wenig unschlüssig präsentiert. In welche Richtung soll es gehen? Einen Schritt vor, zwei zurück? Oder doch ein wenig die ausgetrampelten Nebenpfade entlang? Leider ist „Four“ nicht der erhoffte Befreiungsschlag, aber: sie sind zurück! Darüber freue ich mich. Und jetzt: Silent Alarm!

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