Ich habe der ersten Begegnung mit diesem vierten Album von The Twilight Sad entgegengefiebert. Denn ich wusste tief in meinem Herzen, dass sie wieder ein großartiges Album abliefern würden. Und ich wusste auch, dass ich wahrscheinlich wie beim Vorgänger skeptisch und erst nach mehreren Anläufen glücklich sein würde. Nach dem Weggang von Keyboarder Martin Doherty, der sein (meiner Meinung nach zweifelhaftes) Glück jetzt mit CHVRCHES sucht, fürchtete ich ein wenig um den Fortbestand und die zukünftige Richtung der Band.

Aber als Trio sind sie 2014 ganz bei sich und ihren Stärken. Vielleicht ist es am Ende sogar gut, das die elektronischen Elemente hier wieder ein wenig reduzierter sind als auf dem Vorgänger. Ihre shoegazige Wall Of Sound klingt mächtiger als je zuvor, und die Synthies und Drumsounds sind nicht vollkommen verschwunden, sondern fügen sich viel besser in das Klangkonzept ein.

Das heißt jetzt aber nicht, dass dieses vierte Album von Beginn an wie ein triumphaler Siegeszug über mich hinweg fegte. Denn so richtig zugänglich ist eigentlich nur die Single „Last January“, und auch die brauchte ein paar Anläufe, um richtig bei mir zu zünden. Die Songs auf „Nobody Wants To Be Here And Nobody Wants To Leave“ sind viel eher große Gefühlswelten, die von der Band mit allerlei Magie und unter Zuhilfenahme der mächtigsten schottischen Zaubersprüche in größter Mühe zusammengehalten werden. Nicht nur zusammengehalten, sondern verdichtet.

Ich brauchte Zeit und viele Durchläufe, um zum Kern dieser kraftvollen Kompositionen vorzudringen. Aber am Ende habe ich es geschafft. Ich habe die Melodien entdeckt, die sich anfänglich vor mir zu verstecken suchten, bin dem Pathos erlegen und habe mich von der Wucht einiger Songs wegreißen lassen. „Nobody Wants To Be Here And Nobody Wants To Leave“ ist das bisher beste Album von The Twilight Sad und eines der der besten des Jahres.

9/10

3 KOMMENTARE

DEINE MEINUNG?

Please enter your comment!
Please enter your name here