Natürlich war es aufregend, als Thom Yorke zusammen mit Nigel Godrich das Bild einer ominösen weißen Vinylplatte auf Tumblr veröffentlichten. Sollte das neue Radiohead-Album bereits fertig sein und kurz vor der Veröffentlichung stehen?

Das Artwork im Hintergrund des Bildes deutete allerdings eher auf ein neues Album von Thom Yorke hin, denn es erinnerte doch stark an das Cover für die erste Soloplatte, welche von Stanley Donwood gestaltet wurde.

Vor vier Tagen gab es dann die Gewissheit: Thom Yorke veröffentlichte via BitTorrent sein zweites Soloalbum mit dem Titel “Tomorrow’s Modern Boxes”. Für einen Preis von knapp unter fünf Euro konnte man sich die acht neuen Stücke auf seine Festplatte laden.

Für den Digitalvertrieb ist diese Art der Distribution kein Neuland, aber immer noch ungewöhnlich. Und so wurde in den letzten Tage auch viel und ausführlich über den Vertriebsweg des Albums gesprochen und über die Zukunft der Musik-Distribution sinniert.

Wie klingt dieses zweite Soloalbum von Thom Yorke?

“Tomorrow’s Modern Boxes” bietet eine Menge Sounds auf hohem technischen Niveau. Da leiert das Piano, da pluckert der Beat, da zischelt die Hi-Hat, da dröhnt der Bass und da sprießen die Sounds. Alles fein säuberlich und ohne ein Gramm überflüssiges Fett zusammengesetzt.

Die meisten dieser Tracks klingen dabei nicht unbedingt nach Songs, sondern eher wie Forschungsergebnisse aus dem klinischen Soundlabor. Selbst die spärlichen Melodien, die den Kern einiger Songs auf dem Vorgänger “The Eraser” ausmachten, suche ich hier mit Lupe und Pinzette.

“Tomorrow’s Modern Boxes” klingt ohne Zweifel ziemlich gut, es dröhnt in den Ohren und der Intellekt wird stimuliert, aber mein Herz berührt das alles nicht.

Bin ich also enttäuscht? Ein wenig schon, aber das liegt eher an meiner Erwartungshaltung als an Yorkes Können. Denn er liefert im Prinzip das, was man von ihm erwarten konnte. Mir persönlich aber gibt es wie gesagt nicht viel.

Wenn auch der letzte Schweißtropfen abgetupft, ausgewrungen und fein säuberlich untersucht wird, was bleibt dann noch?

3 KOMMENTARE

  1. Es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde, das sei nicht kleinlich bzw. ich “würde ja nicht kleinlich sein wollen” (ich bin’s ja doch), aber:

    “Das Artwork im Hintergrund des Bildes deutete allerdings eher auf ein neues Soloalbum von Thom Yorke hin, denn es erinnerte doch stark an die Arbeit von Stanley Donwood. ”

    Er macht doch schon seit jeher das Artwork für Radiohead und Yorke.

    Wiki: “Stanley Donwood is the pen name of English artist and writer Dan Rickwood. Donwood is known for his close association with the British band Radiohead, having created all of their album and poster art since 1994.”.

    So, nun ist aber auch Schluß.

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