Money – Suicide Songs (Review)

Am Ende des Jahres 2013 schaffte es eine Newcomer-Band völlig überraschend, sich an die Spitze meiner Jahrescharts zu setzen. Die Rede ist von Money und ihrem „The Shadow of Heaven“.

Die Musik der Jungs aus Manchester klang für mich wie eine Mischung aus Foals, Vampire Weekend, Wild Beasts, James Blake und den alten Arcade Fire. Spärlich instrumentiert und herzzerreißend schön.

Etwas über drei Jahre nach ihrem Debüt veröffentlichen Money den Nachfolger „Suicide Songs“. Mit „You Look Like A Sad Painting On Both Sides Of The Sky“ gab es daraus Ende Oktober 2015 bereits den ersten Vorgeschmack.

„Suicide Songs“. Ein düsterer Titel. Neben der Liebe (siehe das neue Album von Get Well Soon, welches am gleichen Tag erscheint) ist der Tod wohl das Thema, mit welchem sich Künstler und Musiker in den vergangenen Jahrhunderten am intensivsten beschäftigten.

„I wanted the album to sound like it was ‚coming from death‘ which is where these songs emerged. The record is morbid and bleak, and never resolves itself. The only real kind of triumphant realisation is being able to express the morbidity of the situation I found myself in.“ (via)

Der epische Eröffnungstrack „I Am The Lord“ gibt den melancholischen Grundton des Albums vor. Lee singt von bösen Träumen und dem Gefühl der Andersartigkeit und der Isolation.

You are not the same as me, I’m up there in the clouds
I don’t want to be God, I just don’t want to be human

Die Instrumentierung klingt dabei völlig anders als auf dem Debüt. Herrschten dort noch kühle Eleganz und Reduktion vor, so klingen die neuen Lieder erdiger, verspielter und organischer. Im Zentrum steht dabei fast immer die Akustikgitarre, es gesellen sich Pianoakkorde, Bläser und Streicher dazu, die immer wieder einen Hauch Orient in die Songs einfließen lassen.

Im Zentrum der neuen Stücke steht aber die Stimme des Frontmanns. Sein Vortrag ist intensiv; kraftvoll und verletzlich zugleich. Um diese Intensität nachzuvollziehen, muss man ein wenig seine Geschichte kennen: während des Aufnahmeprozesses zog er zurück nach London, denn in Manchester zogen ihn Selbstzweifel und Alkohol in eine ungesunde Spirale.

„Suicide Songs“ wirkt wie ein Befreiungsschlag. Jamie Lee schwankt und leidet, aber er singt gegen die üppige Instrumentierung an und geht am Ende als zitternder Sieger aus diesem Kraftakt hervor.

Aus diesem Grund ist „Suicide Songs“ nicht einfach nur ein weiteres melancholisches Gitarrenalbum; es ist vielmehr eine emotionale Achterbahnfahrt, an dessen Ende der Hörer überwältigt und geläutert aussteigt. Ein zerbrechliches und strahlendes kleines Wunder, welches noch lange nachwirkt und das Zeug zu einem Klassiker hat.

„Suicide Songs“ erscheint am 29.01.2016

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Wertung
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