lovedrunks

Auf dem aktuellen Album „Light Bulbs Explode“ erwartet euch junger indie-Pop aus Rüsselsheim mit einem Hang zum Country. Mir hat das Album recht gut gefallen, und aus dem Grund fragte ich kurz an, ob die Band Interesse an einem Seitenwechsel hätte. Gitarrist Billy hat eine recht fundierte Meinung zur aktuellen Lage, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Viel Spaß bei diesem sehr interessanten Einblick!

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Billy Karakoulakis (The Lovedrunks):

Meine Mutter erzählt immer die Geschichte, wie ihr ein befreundeter Druckermeister irgendwann Anfang der 80er Konzertkarten für Leonhard Cohen gefälscht hat. Mein Bruder (mittlerweile auch schon 40) hat sich immer LPs in der Bücherei geliehen und dann auf Tape überspielt. Und irgendwann hatte ich meinen ersten CD-Brenner im Computer. Wenn sich einer im Freundeskreis ein Album gekauft hatte, hatten alle anderen kurze Zeit darauf eine Kopie davon. Später folgten dann Napster und andere Filesharing-Plattformen.

Leonhard Cohen wird unter der Kleinkriminalität meiner Mutter nicht gelitten haben, und auch die Jungs von Blink 182, deren Platte damals dank mir die ganze Klasse hatte, wird dadurch kein Zacken aus der Krone gebrochen sein. (Bei MTV Cribs kann man schließlich ihre Pools und Autos bewundern.)

Gefälscht und kopiert wurde schon immer, und den Künstlern scheint es nie geschadet zu haben. Was in meinen Augen die Musikindustrie in Angst und Schrecken versetzt, ist der Wechsel des Mediums.
Als im 18. Jh v. Chr. die ersten tatsächlichen Buchstabenschriften entwickelt wurden, und es einfacher wurde, Lesen und Schreiben zu lernen, fürchteten die Schriftgelehrten Ägyptens und Babylons um ihre Macht. Als fast 3000 Jahre später der Buchdruck erfunden wurde, waren es auch die Gelehrten, die ihr heiligstes in Gefahr sahen. Bücher als Massenprodukt waren damals nicht vorstellbar.

Noch mal 500 Jahre später sind es wieder diejenigen, die Technik und Wissen um das alte Medium halten, die das Neue fürchten. Mit eBook und Mp3 stehen wir vor neuen Medien, deren größter Nutzen es in meinen Augen ist, Vertriebswege und Verpackung zu sparen und somit Umwelt und unser aller Portemonnaie zu schonen. Die großen Verlagshäuser haben diesen Trend nicht verschlafen und so kommen schon seit gut einem Jahr die wichtigsten Neuerscheinungen auch als eBook in die Läden.

Die großen Plattenfirmen hingegen scheinen auch fast elf Jahre nach Napster noch nicht richtig wach. Anstatt das neue Medium mit all seinen Vorteilen zu nutzen, werden sogar jene, die Musik legal downloaden, mit lästigem Kopierschutz und eher mittelmäßiger Soundqualität geplagt, so dass es fast wieder einfacher sein könnte, eine normale CD zu kaufen.

Ich persönlich kaufe meine Musik nur noch online. So kann ich mir wieder getrost zwei Alben in der Woche leisten und muss auch kein schlechtes gewissen haben, wenn ich einmal im Monat bei Rapidshare vorbeischaue. (Einem jeden sei an dieser Stelle eMusic.com ans Herz gelegt. Ist wie der nette Indieplattenladen in der Stadt, aber mit einer Flatrate von 24Songs für 11 Euro im Monat deutlich günstiger.)

Als Musikschaffender ist mir egal, wer meine Musik woher hat. Primäres Ziel meines Schaffens ist nämlich nicht mein Konto zu füllen, sondern mit meiner Musik möglichst viele Menschen zu erreichen. Um dies zu tun, braucht man aber trotz Mp3 und Web 2.0 immer noch Print, Radio und TV. Die Infrastruktur, um über diese drei immernoch wichtig(st)en Medien sein Werk zu promoten, liegt bei den großen Plattenfirmen, und dort wird sie wohl auch noch einige Zeit bleiben. Also wird es leider nicht ohne sie gehen, aber die Verbreitung von geschützten Inhalten können auch sie nicht stoppen!

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billy-lovedrunks

Infos zu the Loverunks:

MySpace-Seite der Band
Indiepedia-Eintrag
Last.fm

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Was soll das hier? Wir sitzen auf der einen Seite. Wir hören Musik umsonst, bei Streaming-Anbietern wie last.fm, Spotify, roccatune. Wir kaufen die ein oder andere Platte oder bezahlen für einen Download. Wir gehen auf Konzerte, kaufen Merchandise-Artikel und bezeichnen uns als Fans. Wir lesen Blogs, wir kennen die Hype Maschine und diverse Onlinemagazine. Und, wenn wir ehrlich sind, dann laden wir auch das eine oder ander Musikstück illegal herunter. Das ist unsere Seite.

Und auf der anderen Seite sitzen die Musiker. Denn die Musikindustrie ist genau genommen nur der Vermittler. Sicherlich ein wichtiger Vermittler, der eine Menge falscher Entscheidungen getroffen hat und trifft, und den man mitunter auch verachten kann. Aber auf der anderen Seite sitzt meines Erachtens der Künstler. Und dessen Meinung zur aktuellen Lage der Industrie geht in meinen Augen sehr oft einfach unter. Dabei wäre es doch gerade interessant zu erfahren, wie Musiker heutzutage leben, womit sie ihr Geld verdienen, wieviel Herzblut mit jedem nicht verkauften Album verloren geht, wie anstrengend das dauernde Touren ist, woher das Durchhaltevermögen kommt, warum man sich das überhaupt antut.

Und aus diesem Grund möchte ich die Musiker fragen. Ich bitte ausgesuchte Künstler, auf meinem Blog ihre Meinung kundzutun. Ihre Meinung zu Fans, zu illegalen Downloads, zu ihrem Arbeitsumfeld, ihrer Lebenssituation, der Musikindustrie, dem Musikerdasein. Dabei sind sie in Form und Inhalt völlig frei. Ob das nun ein kurzes Statement ist oder ein Kurzroman, ich mache keine Vorgaben.

1 KOMMENTAR

  1. Wow, eine in meinen Augen sehr zeitgemäße und realitätsnahe Ansicht 🙂 Und wie der Twitterlink zeigt, sind die Lovedrunks überhaupt auf der Höhe der Zeit. Was ich da gerade bei MySpace höre, gefällt mir ebenfalls sehr gut und sie wandern auf meine eMusic-Merkliste 🙂

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