Wo bitte liegt den Zeven? Im Landkreis Rotenburg (Wümme) in Niedersachsen. Und da gibt es auch Musiker? Aber sicher! Zum Beispiel Daniela, Göran, Antoine, Adam und Phillip. Diese fünf schlossen sich 2008 zu der Band The Dahwoods zusammen. Ende letzten Jahres veröffentlichten sie die EP „Loony Bin“ mit fünf tollen Indiepop-Songs; zum Beispiel „It’s Like A Drug“ (YouTube). Nach einem ersten E-Mail-Kontakt fragte ich Antoine, den Schlagzeuger der Band, ob er nicht Lust hätte, einen kleinen Beitrag zu meiner Seitenwechsel-Reihe zuschreiben. Hatte er. Viel Spaß bei diesem sehr interessanten Einblick!

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Antoine (The Dashwoods):

Band vs. Banddasein

oder „Die Leiden des jungen Werter im 21. Jahrhundert“

Eigentlich sollen wir ja über den Zerfall der Musikindustrie fachsimpeln und unsere Meinung hier kundtun. Machen wir auch, teilweise, wollen uns aber auch lieber auf die Erfahrungen stützen und den Zerfall der Musikbranche ein bisschen praktischer darstellen!

Strategische Überlegungen, Labels, Vertriebe, Verlage etc. alles Dinge, mit denen man sich als Musiker nicht auseinandersetzen möchte. Nicht nur, weil man selber ja eigentlich „nur“ Musik und ein paar Konzerte spielen will, sondern auch, weil der Dschungel und das Geflecht in der Industrie immer undurchsichtiger und unüberschaubarer wird.

Doch welch traumhafte Wunschvorstellung das ist „nur“ Musik zu machen, wissen wohl alle Bands und Künstler, die mit uns in einem Boot sitzen. Und wer denkt, mit einer Plattenrelease oder einem Label im Rücken ist man auf der sichern Seite, der wird sowieso eines Besseren belehrt.

Das Album (im „Idealfall“schon das Zweite), welches man in mühsamer Arbeit und etlichen Stunden zusammengeschraubt, hat findet in den ersten beiden Wochen „regen“ Absatz. Es gehen 30 – 40 Alben an Eigenbedarf, Familie, Freunde und Bekannte weg. Zwei oder drei Exemplare finden dann über einen Onlinevertrieb irgendwie den Weg zu einem Konsumenten, der die Band aber auch eher nur aus Zufall anklickt. Nach den ersten Wochen passiert dann gar nichts mehr. Ist das Sinn der Sache?

Konzerte in irgendwelchen abgeranzten Schmuddelclubs mit weniger als zehn Gästen gibt es weiterhin und der absolute Höhepunkt ist dann erreicht, wenn nicht mal eine Person der Gästeliste auf dem Konzert vorbeischaut. Ist das Sinn der Sache?

Wer sich über einen Support einer anderen Band freut und sich dadurch erhofft, vor mehr Publikum zu spielen, hat meistens Recht, Ausnahmen bestätigen die Regel. Wer aber denkt „Supports, das wäre doch eine Win-Win- Situation“ ist auch total falsch. Wir raten euch, nehmt gute Nerven mit und ein großes Schutzschild, denn auch dort gibt angenehme Intriegen, Machtkämpfe, und den ein oder anderen Dolchstoß. Als Support 20min für Aufbau (Anmerkung: kein Backlinesharing) und Soundcheck zu bekommen, da der Hauptact mehr als 2h rumeiert, die Lichtanlage nur auf der Grundeinstellung zu nutzen oder bewusst leiser gemischt zu werden als der Mainact sind nur einige Beispiele die u.a. auch uns wiederfahren sind. Ist das Sinn der Sache?

Besprechungen der LP oder Bandvorstellungen in irgendwelchen Provinzblättern finden gar nicht bis mäßig statt und wenn, dann so amateurhaft, dass man es auch gleich bleiben lassen könnte. Da sind falsch abgeschriebene (!) Tourtermine noch das geringste Übel. Das Einzige, was man dem dann noch irgendwie abgewinnen kann, ist der Humor dieser sogenannten Redakteure. „The Dashwoods spielten live am 01.05. in CD – Release.“ Da fragt man sich doch auch, ob so eine Texter es überhaupt nur ansatzweise Wert ist, die LP zum Besprechen zu bekommen. Oder? Sogar die 1,45 Briefmarke und der Gang zum Briefkasten oder zur Post sind schon zuviel Aufwand für so einen Quatsch! Und – ist das Sinn der Sache?

Dies sollte als kleiner Einblick von uns genügen, bis hierhin. Wir wissen, dass ihr es auch wisst. Die, die sich durch das Statement angesprochen fühlen, bitteschön, denen, die es nicht so sehen, bitteschön!

Und jetzt kommt ihr!

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The Dashwoods: Homepage | MySpace | Last.fm | Facebook

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Was soll das hier? Wir sitzen auf der einen Seite. Wir hören Musik umsonst, bei Streaming-Anbietern wie last.fm, Spotify, Simfy. Wir kaufen die ein oder andere Platte oder bezahlen für einen Download. Wir gehen auf Konzerte, kaufen Merchandise-Artikel und bezeichnen uns als Fans. Wir lesen Blogs, wir kennen die Hype Maschine und diverse Onlinemagazine. Und, wenn wir ehrlich sind, dann laden wir auch das eine oder ander Musikstück illegal herunter. Das ist unsere Seite.

Und auf der anderen Seite sitzen die Musiker. Denn die Musikindustrie ist genau genommen nur der Vermittler. Sicherlich ein wichtiger Vermittler, der eine Menge falscher Entscheidungen getroffen hat und trifft, und den man mitunter auch verachten kann. Aber auf der anderen Seite sitzt meines Erachtens der Künstler. Und dessen Meinung zur aktuellen Lage der Industrie geht in meinen Augen sehr oft einfach unter. Dabei wäre es doch gerade interessant zu erfahren, wie Musiker heutzutage leben, womit sie ihr Geld verdienen, wieviel Herzblut mit jedem nicht verkauften Album verloren geht, wie anstrengend das dauernde Touren ist, woher das Durchhaltevermögen kommt, warum man sich das überhaupt antut.

Und aus diesem Grund möchte ich die Musiker fragen. Ich bitte ausgesuchte Künstler, auf meinem Blog ihre Meinung kundzutun. Ihre Meinung zu Fans, zu illegalen Downloads, zu ihrem Arbeitsumfeld, ihrer Lebenssituation, der Musikindustrie, dem Musikerdasein. Dabei sind sie in Form und Inhalt völlig frei. Ob das nun ein kurzes Statement ist oder ein Kurzroman, ich mache keine Vorgaben.

1 KOMMENTAR

  1. Das ist ja mal ein interessanter Post. Bands sagen viel zu wenig dazu.
    Was ist mit alternativen Musik- und Bandmodellen (Geschäftsmodellen)?
    Könnte man z.B. vom Plattenverkauf ganz wegkommen und z.B. Merch und ‚Modelabel‘ werden? Die Idee dahinter: Jedem Fan kann man nur eine Platte verkaufen, aber 1-5 T-Shirts, oder mehr… Eine CD/mp3 bringt keine Publicity im Ohr des IPods, aber ein Band T-Shirt eben schon… usw.
    Ich habe hierzu auch einen Blogbeitrag geschrieben, wen es interessiert, hier: http://www.monstermerch.de/
    Der Beitrag wird Montag, 5.9.2011 veröffnetlicht.
    Ich bin gespannt.
    Monster-Grüße,
    Max

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