chateua

Nach etwas längerer Pause wieder ein interessanter Seitenwechsel. Diesmal stammt der Text von allen vier Mitgliedern der Berliner Band Château Laut, die vor Kurzem ihr Debüt veröffentlicht hat. Ihre Musik pendelt irgendwo zwischen Indie, Postrock und einem sehr experimentellem Ansatz. Viel Spaß bei diesem sehr interessanten Einblick!

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Stefan, Andrew, Steno, Max (Château Laut):

Wir sitzen auf der gleichen Seite. Wir hören auch Musik umsonst. Wir kaufen ebenfalls die ein oder andere Platte oder bezahlen für einen Download. Wir gehen auf Konzerte, kaufen Merchandise-Artikel – wir sind auch Fans. Wir lesen Blogs, wir kennen die Hype Machine und diverse Onlinemagazine. Wir sind da nicht anders.

Wir sehen uns nicht wirklich als Teil der Musikindustrie. Wir kennen nicht die Leute, die jahrzehntelang über ihre Verhältnisse gelebt und produziert haben. Die Werbeetats verabschiedet haben, mit denen man einen Bundestagswahlkampf finanzieren könnte. Und die zu stolz waren, die Entwicklung der digitalen Medien zu beachten. Wir sehen uns eher als Teil dessen, was da nicht beachtet wurde. Wir produzieren nicht komplett an der Musikindustrie vorbei, aber die Grenzen zwischen Musikanbietern und Musikern selber sind heute stark fließend und flüchtig. Promoter sind heutzutage auch Musiker, Musiker sind heute auch zunehmend autonom in ihrer Musikverbreitung, haben eigene Labels und promoten/vertreiben sich auch selber. Die einzige Anbindung an die „Industrie“ ist in unserem Fall der Fakt, das wir auf einem Label (bluNoise) veröffentlichen und mit al!ve einen Vertrieb haben. Das sind aber auch dann die einzigen Berührungspunkte mit dem Musikbusiness. Wir sehen uns nicht als Teil der ganzen Maschine, obwohl wir in manchen Momenten aber auch mit ihr konfrontiert werden.

Wir sind schon vor dem Entstehen der Band Freunde gewesen, haben einfach aus der Leidenschaft, Musik zu machen, angefangen eine Band zu gründen. Wir haben nicht auf Messageboards nach geeigneten Musikern gesucht. Wir haben uns auch nicht aufgrund unserer musikalischen Fähigkeiten zusammengeschlossen. Vielmehr steht der Spaß, etwas gemeinsam entstehen zu lassen im Vordergrund. Wir haben unsere normalen Jobs und finanzieren uns komplett selber, sowohl die Produktionskosten für die Tonträger, als auch den Merchandise und oft auch die Herstellung der Konzertposter und -flyer. Es ist letztlich halb so schwer, eine in sich stimmige kleine Welt aufzubauen, in der wir entscheiden, wie unsere Videos aussehen, wie unser Album aufgebaut ist und wo wir gerne hin möchten. Man braucht ein Ziel, Energie, Geduld und manchmal Glück. Unsere Begeisterungsfähigkeit für die Musik ist unsere treibende Kraft, wie es auch bei allen Künstlern der Fall sein sollte. Außer man will Lady Gaga sein, dann braucht man als treibende Kraft den Willen durch Teetassen und Haarschleifen aus Haar aufzufallen. Uns treibt die Leidenschaft zur Musik. Und wenn es dabei auch noch anderen Menschen außerhalb unseres Freundeskreises gefällt, sind wir glücklich.

So spannend die Entwicklung des Musikbetriebes allgemein ist, wie das Zukunftsmodell für Musiker ausschauen wird, ist weitgehend unklar. Obwohl alles mehr in Richtung Web zu gehen scheint, wird die physische Präsenz von Musik wieder zunehmend wichtiger, Verpackungen werden wieder exklusiver und hochwertiger gestaltet, totgeglaubte Tonträger erleben eine Renaissance, fernab vom virtuellen Grabbeltisch. Deshalb kann man nicht sagen: so und so wird die Zukunft. Es ist nicht nur auf der einen Seite die ausgeleierte Mär der verfallenen Massenmusikindustrie und auf der anderen das Internet. Man muss weiter für sich heraus finden, was für einen selber funktioniert. Das klappt manchmal und manchmal geht’s in die Hose. Aber so bleibt es doch interessant.

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Infos zu Château Laut:

MySpace-Seite der Band
Last.fm
Video: „When sound is light“ (YouTube)
„Song for Ape Sue“ (MP3, zshare):

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Was soll das hier? Wir sitzen auf der einen Seite. Wir hören Musik umsonst, bei Streaming-Anbietern wie last.fm, Spotify, roccatune. Wir kaufen die ein oder andere Platte oder bezahlen für einen Download. Wir gehen auf Konzerte, kaufen Merchandise-Artikel und bezeichnen uns als Fans. Wir lesen Blogs, wir kennen die Hype Maschine und diverse Onlinemagazine. Und, wenn wir ehrlich sind, dann laden wir auch das eine oder ander Musikstück illegal herunter. Das ist unsere Seite.

Und auf der anderen Seite sitzen die Musiker. Denn die Musikindustrie ist genau genommen nur der Vermittler. Sicherlich ein wichtiger Vermittler, der eine Menge falscher Entscheidungen getroffen hat und trifft, und den man mitunter auch verachten kann. Aber auf der anderen Seite sitzt meines Erachtens der Künstler. Und dessen Meinung zur aktuellen Lage der Industrie geht in meinen Augen sehr oft einfach unter. Dabei wäre es doch gerade interessant zu erfahren, wie Musiker heutzutage leben, womit sie ihr Geld verdienen, wieviel Herzblut mit jedem nicht verkauften Album verloren geht, wie anstrengend das dauernde Touren ist, woher das Durchhaltevermögen kommt, warum man sich das überhaupt antut.

Und aus diesem Grund möchte ich die Musiker fragen. Ich bitte ausgesuchte Künstler, auf meinem Blog ihre Meinung kundzutun. Ihre Meinung zu Fans, zu illegalen Downloads, zu ihrem Arbeitsumfeld, ihrer Lebenssituation, der Musikindustrie, dem Musikerdasein. Dabei sind sie in Form und Inhalt völlig frei. Ob das nun ein kurzes Statement ist oder ein Kurzroman, ich mache keine Vorgaben.

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