Aus Hamburg stammen die Electric Ocean People, und sie spielen wundervolle Musik: elektronische Loops und Klangkollagen gepaart mit Elementen von Trompeten und Klavier und dazu die bezaubernde Stimme von Julia Weber. Das bei dieser Musik schon Vergleiche mit Björk und The Notwist gefallen sind, ist absolut nachvollziehbar. Am 25. April 2014 veröffentlichen Electric Ocean People ihr zweites Album „Foam“, und damit sie den Musikliebhabern unter uns auch ein haptisches Erlebnis bieten können, haben sie eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um eine Vinylpressung zu finanzieren. Da ich ihre Musik wie gesagt ganz wundervoll finde, bin ich natürlich auch daran interessiert, welche Sicht die Hamburger Musiker auf die aktuelle Lage der Musikindustrie haben. Viel Spaß bei diesem sehr interessanten Einblick!

Electric Ocean People

Wohin führt der Weg der Musikindustrie? Stirbt die CD? Stirbt das Album? Ist das Streaming der Tod oder die Beatmungsmaschine der Industrie? Und ist es heutzutage unmöglich, mehr als nur ein kurzatmiges Youtube-Phänomen zu sein, um dann wieder in der Versenkung zu verschwinden?

Wir wollen nicht meckern. Nein.

Die Thematik des Seitenwechsels ist insofern für uns interessant, da wir in dieser Hinsicht wohl, wie viele andere auch, Grenzgänger/innen sind. Wir hören und machen Musik gleichermaßen. Können nicht davon leben, aber arbeiten daran, dass sich dieser Zustand irgendwann einmal ändern könnte. Man muss aber offen zugeben, dass die Entzauberung von Musik mit jedem Schritt in Richtung Professionalität immer rascher vorangetrieben wird. Irgendwo zwischen Deluxe-Editionen mit Bonus-DVD, Print und Online Promotion, Facebook, Twitter, Instagram, dem Kauf von Anzeigen im Magazin XY, um ein Interview zu bekommen und einem Free-Download eines Non-Album-Tracks für Leute, die deinen Newsletter abonniert haben, stellt sich irgendwann die Frage : „Warum?“ Und „Wie?“ Und überhaupt: „Was soll das Ganze?“

Fragen über Fragen.

Es wird gern über den Untergang der Musikindustrie gesprochen, doch bis heute hat sie immer noch mehr Einfluss als einem die (theoretisch) unabhängigen Blogs weismachen möchten. Vor kurzem fragte ein Freund von uns auf dem Blog seiner Band einen anderen Blogger, wie viele Promomails er denn so bekäme. Antwort: „Pro Tag sind wohl so um die 100. Das ist toll und doof zugleich.“

Das zeigt deutlich, in welche Richtung sich die Musik und ihr Markt entwickelt. In diesem Wust an Informationen noch etwas zu finden, hinter dem man wirklich steht, ist nicht leicht. Ein Gefühl, eine Szene, irgendwas.

Als reiner Fan hätten wir manchmal gerne die Zeiten erlebt, in der unsere Eltern intensiv Musik gehört haben. Wo sich ganze Cliquen trafen, um „Electric Ladyland“ gemeinsam zu hören oder man die ganze Nacht am Radio saß, um den neuen Song von Pink Floyd, den Beatles oder im schlimmsten Fall von den Bay City Rollers auf Tape mitzuschneiden.

Als Band sehnen wir uns allerdings weniger nach diesen Zeiten. Wird doch im Nachhinein klar, dass viele Musiker/innen der 60er und 70er nur Marionetten waren und mit Knebelverträgen all ihrer Recht beraubt wurden, aus denen sich nur die wenigsten befreien konnten. Heute ist es möglich, dass Menschen aus Mexiko deinen Song auf Youtube abfeiern, während in deiner Heimatstadt grad mal 3 Leute kommen.

„Poste auf Facebook bloß keine Message ohne Bild!“

Die Definition und Bestätigung hat sich verschoben. Du fängst an dafür zu bezahlen, damit einige Menschen sehen, was du postest.

Manchmal sitzen wir vor unseren Rechnern, aktualisieren unsere Social Media-Profile und stellen uns die Frage: „Warum liken jetzt nur 5 Leute, dass wir ein neues Album rausbringen?“. Und uns wird klar, dass hier etwas schiefläuft. Die Definition und Bestätigung hat sich verschoben. Du fängst an dafür zu bezahlen, damit einige Menschen sehen, was du postest. Du bezahlst, damit du 40.000 Soundcloud Plays hast. Du bezahlst, damit ein Youtube-Bot dein Video auf 1.000.000 Klicks bringt. Du bezahlst für eine prominentere Platzierung deiner Band in einem Magazin. Alles schiebt sich in den Vordergrund und die eigentliche Intention verblasst.

Es ist absurd. Aber nicht neu. Musik war schon immer ein Business, in dem Menschen mit Geld, Einfluss und Macht definieren, was Erfolg bedeutet und versuchen, den maximalen Erlös zu erzielen. Es ist leicht, sich als Musiker/innen zum Opfer zu machen. Alle sind schlecht und die armen Musiker/innen werden ausgenutzt. Das ist natürlich Quatsch. Wir machen es mit. So läuft das Geschäft.

„Keiner wartet auf dich und deine Musik.“

Die Suche nach Anerkennung lässt einen früher nie denkbare Hürden erklimmen (siehe Delxue Edition, Remix-Album für Menschen die uns ihre E-Mail Adresse schicken, oder Anzeigenkauf in Printmedien). Man legt mehr offen, versucht mit Menschen in den Netzwerken zu kommunizieren. Der Kontakt zur Aussenwelt ist heute als Band nur eine Mail entfernt.

Die Chance, ohne Plattenfirma und große Agentur im Rücken trotz aller Umstände Gehör zu finden, ist heute eher gegeben als in den 70er Jahren, als die Musikindustrie mit ihren mafiösen Seilschaften vielleicht noch weniger Subkultur und Eigenständigkeit zuließ als heute.

„Das Album ist tot.“

Wir sind als Hörer/innen und als Musiker/innen immer mit Alben sozialisiert und konfrontiert worden und glauben auch an dieses Konstrukt. Die Krise des Albums scheint eher zu sein, dass vielen Bands nicht mehr die Zeit gegeben wird, ein gutes Album zu schreiben und die wenigsten finanziell unabhängig genug sind, um ihre Ideen auch verwirklichen zu können.

„3 Jahre Pause ohne Output und ihr seid weg vom Fenster.“

Was für uns aber das eigentliche Erlebnis am Musikerdasein ist, ist das Konzert. Hier erfährt man mehr als in sozialen Netzwerken oder Magazinen, wie Musik wirkt und wo man steht. Wir sind gerne unterwegs und nehmen Touren als eine Auszeit vom Alltag.

Das Tourleben ist meistens die unbeschwerteste Zeit für uns als Band, weil eben das gesamte Drumherum keine Bedeutung mehr hat und nur die Musik im Mittelpunkt steht. Wir haben das Privileg ,unsere Musik vor mehr als nur unseren Eltern und genervten Freunden vortragen zu dürfen. Wie viele Menschen können das schon von sich behaupten?

Wir wollen nicht meckern. Nein.

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