Artikel zum Schlagwort: Musikindustrie
Ich habe vor 2 Tagen doch glatt diesen wundervollen Rant von René verpasst: Die Veröffentlichung eines Musikvideos auf einem Blog oder auf Youtube hat denselben Effekt, wie das Mitschneiden eines Songs im Radios auf Tape, den man dann seinen Leuten vorspielt. „Hör Dir das an, geiler Scheiß!“ Diese Veröffentlichung hat heute zwar eine andere Qualität, da sie meistens mit Video kommt und im besten Fall von mehr als ein paar Leuten gehört wird, dieser Unterschied spielt allerdings kulturell keine Rolle.
Der Punkt ist: Kultur hat schon immer so funktioniert, über das Teilen, Sharing!, von Kultur… die Weitererzählung einer Geschichte am Lagerfeuer, die zu Mythen wurden. Die Gesänge der Sklaven auf den Baumwollfeldern, aus denen der Blues wurde. Das ist der natürliche Viraleffekt: Gute Songs, gute Storys werden weitererzählt, das ist essentieller Bestandteil aller Kultur und hat erstmal wenig mit Filesharing oder Downloads zu tun, sondern mit Youtube und auch deren Embed-Funktion. [...]
Ich bin es leid. Im Grunde müsste man sämtliche Labels bei der GEMA, die dieses Spiel spielen, boykottieren. Ich bin es leid, auf Youtube-Links zu klicken um dann lesen zu müssen, dass ich im falschen Land lebe. Ich bin es leid, mit diesem Scheiß meine Zeit zu verschwenden und auch wenn Proxies und Schlagmichtot eine Krücke dafür wären, so blieben sie Krücken. Ich gehe nicht gerne auf Krücken nur weil ein paar verfickte Bürokraten meinen, ich dürfte hierzulande nicht laufen. Und wenn die Songs, die Musik, nicht viel wichtiger wären, als all diese Deppen zusammen, dann würde ich diesen Boykott auch durchziehen. Kann ich aber nicht, weil ich da auch nicht rauskann. Ich bin gefangen in einer wundervoll klingenden Kultur, die geknebelt ist von Rechtsabteilungen und der Song ist es, der zählt. Nicht wie er geregelt ist. Ein Dilemma für das ich in absehbarer Zukunft keine Lösung sehe.
Und heute ergänzt René das Ganze noch mit diesem wirklich tollen Song des Liedermachers Sid:
Fuck Sony Entertainment by Sid
Ich weiß, man sollte die ganze Thematik immer schön differenziert betrachten, aber spätestens nach der fünften Landesschranke in einem Youtube-Video am Morgen platzt einem der Kragen.
Sehr interessanter Einblick hinter die Kulissen: Der Musikmarkt schrumpft, die Branchenriesen jammern – aber was spürt die Independent-Szene eigentlich von der Krise? SPIEGEL ONLINE fragt unabhängige Musiker, Booker und Labelgründer, die nach dem Krisenjahr 2003 begonnen haben.
Musikbranche im Internet
“Downloads sind die Peitsche für den Künstler”
Musiker Olli Schulz
“Ich will nicht hauptberuflich Geschäftsmann sein”
Einmann-Label Audiolith
“T-Shirts kannst du nicht einfach runterladen”
Indie-Label Tapete
“Tausend verkaufte Newcomer-Alben – das ist ein Erfolg”
Digital-Vertrieb Finetunes
“Das Musikgeschäft war noch nie besser”
Booker Artur Schock
“Gut finden und kaufen steht in keinem Verhältnis”
Sehr lesenswerter Artikel zum Veröffentllichungsvorgang einer CD und warum dieser in den heutigen Zeiten nicht mehr funktioniert.
“Three months before release, reps sent the single to radio stations for promotion. If the record label needed big hit that quarter, favors were exchanged with Disc Jockeys to guarantee extra rotation. Shortly after, they over spent on a music video and shipped it off to MTV. About a couple phone calls and a few more ‘personal favors’ later, elaborate press kits were sent to big media outlets and select music publications. Even though no one had even heard the album, it arrived under the assumption that a favorable review would be given. Meanwhile, a huge marketing push, consisting of guest appearances and interviews would build anticipation and prepare the album for its Tuesday release. [...]
Contrary to popular belief, the CD isn’t dead. What’s fundamentally changed is the way that we think about how to build sustainable careers and promoting music. For aspiring artists, the question used to be, how do I get on radio, a video on MTV, or a write up in The Rolling Stone? The answer was simple, but the pursuit to actually get signed to a major label wasn’t. Today, the question is: How do I get on that person’s iPod? The problem is that if individual relies on the Internet to find and listen to new music then record labels can’t use multi-million dollar marketing campaigns to help you answer that question.”
The Death of the CD-Release Complex – Teil 1
The Death of the CD-Release Complex – Teil 2

So ein Sch…. Werde euch vermissen.
Dear Fabchannel viewer,
After nine passionate and beautiful years of sharing the most amazing concert recordings with you, Fabchannel is stopping. A great number of record labels still won’t allow us to record their artists. This prevents us from offering what we need to keep Fabchannel alive. We want to sincerely thank you for all support through the years! It has been an amazing time, but unfortunately this is where it ends. With a bleeding heart we’re pulling the plug of our online archive Friday 13th of March. Until that time, enjoy your favorite concerts and who knows
we’ll meet again.
Justin Kniest, CEO
via E-Mail
Nachtrag: Hier die etwas ausführlichere deutsche Pressemitteilung:
Pressemitteilung: FABCHANNEL STELLT UNTERNEHMENSTÄTIGKEIT EIN
Die als Steueroase bekannte Isle Of Man (Wikipedia) möchte als Vorreiter in Sachen Kulturflatrate in die Geschichte eingehen.
Die Regierung der Isle of Man will sich als Pionier einer Kulturflatrate profilieren. Das verkündete auf der Musikmesse Midem in Cannes Ron Berry aus der Abteilung E-Business des Finanzministeriums der 80.000-Einwohner-Insel. Gegen einen zusätzlichen Aufschlag auf die Monatsgebühr für ihren Breitbandanschluss sollen die vom Königreich unabhängigen Insulaner dann nach Herzenslust legal Musik aus dem Netz herunterladen können. “Wir haben den Vorteil, dass wir 100 Prozent Breitbandpenetration haben,” sagte Berry. [...] “Der Aufpreis muss nicht mehr als ein Euro oder vielleicht auch nur 50 Cent betragen”, sagte Berry gegenüber heise online. Die ersten Reaktionen aus der Musikbranche seien positiv.
Das wäre mit Verlaub eine kleine Sensation, und wenn die Industrie mitspielt ein sehr interessanter Testballon.
via Heise
Die IFPI hat neue Zahlen zum letzten Jahr veröffentlicht.
Auch im Jahr 2008 hat sich nichts am allgemeinen Trend geändert, wenn man den Zahlen der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) Glauben schenkt: Die CD-Umsätze sind weiterhin rückläufig, Bezahl-Downloads legen dafür kräftig zu, und das Gros der Leute, die sich Musik aus dem Internet holen, bedient sich aus illegalen Quellen jenseits von DRM.
Somit legten die legalen Downloads zwar um 25% auf insgesamt 3,7 Milliarden US-Dollar zu, weiterhin wird für 95% der Downloads aber kein Geld bezahlt. Und natürlich wird wie jedes Jahr in dasselbe Horn geblasen: “There is a momentous debate going on about the environment on which our business, and all the people working in it, depends.Governments are beginning to accept that, in the debate over ‘free content’ and engaging ISPs in protecting intellectual property rights, doing nothing is not an option if there is to be a future for commercial digital content.” (John Kennedy, Chef der CEO IFPI)
Sorry, aber der Weg über die Regierungen und die ISPs ist der falsche. Den richtigen Weg für eine Industrie, die ihre Hauptumsätze immer noch mit einem aussterbendem Medium macht, den kenne ich allerdings auch nicht.
via The Inquirer

Zur angeblich ziemlich beeindruckenden Lights In The Sky-Tour von Nine Inch Nails sollte ursprünglich ein Konzertmitschnitt auf DVD/BluRay erscheinen. Allerdings gab es da wohl ein kleines Problem, denn die Distributionsrechte vieler Songs liegen bei Universal Music. Was macht man also, wenn man Trent Reznor heißt und einen sagen wir mal gewissen Groll auf die Musikindustrie hegt?
“The internet is full of surprises these days.
I was contacted by a mysterious, shadowy group of subversives who SOMEHOW managed to film a substantial amount (over 400 GB!) of raw, unedited HD footage from three separate complete shows of our Lights in the Sky tour. Security must have been lacking at these shows because the quality of the footage is excellent.
If any of you could find a LINK to that footage I’ll bet some enterprising fans could assemble something pretty cool.
Oh yeah, you didn’t hear this from me.”
Übersetzt heißt das soviel wie: hier ist das komplette HD-Material, jetzt macht damit was ihr wollt! Diese 400 GB sind allerdings ungeschnitten und dürften wohl eher die interessieren, die in der Lage sind, daraus mit einem Schnittprogramm etwas ansehnliches zu zaubern. Ich bin gespannt auf die ersten Bearbeitungen, die aber mit Sicherheit noch etwas auf sich warten lassen, denn 400 GB wollen erst einmal heruntergeladen werden.
via Jeriko
Foto: Al Pavangkanan
Wie man eine grundsätzlich gute Idee wie die Kulturflatrate so umsetzt, das sie von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, zeigt das in Großbritannien startende Portal Datz Music Lounge. Obwohl Flatrate vielleicht etwas hochgegriffen ist, aber es geht zumindest in die Richtung.
EMI, Warner und die Beggars Group (zu der gehören Labels wie XL, 4AD, Beggars und Mo’Wax) haben heute den Start eines neuen Download-Portals in England verkündet. Die Datz Music Lounge bietet unbegrenzten Zugriff auf Teile der Kataloge der Labels, mit 100 englischen Pfund pro Jahr ist man dabei. Die Files werden als DRM-freie MP3s angeboten und verbleiben somit auch nach Ablauf eines Jahres im Besitz der Käufer, sollte das Abo nicht verlängert werden. [...] Die Mitgliedschaft ist aber etwas kompliziert. Um sich auf dem Portal zu registrieren, muss man zunächst eine CD/USB-Stick-Kombi kaufen. Letzterer fungiert als Dongle, der beim Download und während des Kopierens auf MP3-Player im Rechner stecken muss. [...] Und wer sich jetzt einbildet, die 2,5 Millionen Songs, mit denen das Portal startet, einfach so zu laden, hat sich auch geschnitten. Teil der AGBs ist eine “Fair Usage Policy”. Zieht man sich zu viele Songs, kann die Mitgliedschaft vorzeitig beendet werden.
Ich sag mal so: für die Tonne.
via DE:BUG
In Großbritanniene wurde von einigen namhaften Musikern der Interessenverband Featured Artists’ Coalition (FAC) gegründet. Mit an Bord u.a. Radiohead, Iron Maiden, Travis, Robbie Williams, Billy Bragg, Kaiser Chiefs, Klaxons, The Verve.
“Die Featured Artists’ Coalition setzt sich für den Schutz der Rechte von Interpreten und Musikern ein. Wir wollen erreichen, dass alle Künstler mehr Kontrolle über ihre Musik bekommen und fairer an den im digitalen Zeitalter mit ihrer Musik generierten Profiten beteiligt werden. Wir sprechen vereint mit einer Stimme, um den Künstlern zu einem besseren Vertrag mit Plattenfirmen, digitalen Händlern und anderen [...] zu verhelfen.” Gib mir den Rest »
Das Gesetz zur “Verbesserung der Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums” ist seit September diesen Jahres gültig und ermöglicht es Rechteinhabern, “ausschließlich und auf direktem Wege zivilrechtlich gegen sogenannte Internetpiraterie vorzugehen.” Der Auskunftsanspruch besteht allerdings nur, wenn eine Tauschbörsennutzung in “gewerblichen Ausmaß” vorliegt. Dann müssen die zuständigen Internetprovider die Daten ihrer Kunden herausgeben. Wann dieses Ausmaß erreicht ist, haben die Gerichte zu entscheiden. Und da liegt der Knackpunkt. Während viele Richter offenbar meinen, das Herunterladen eines Albums sei ein gewerblicher Vorgang, sieht man das in Frankenthal offenbar anders: hier ist “das gewerbliche Ausmaß erst bei rund 3.000 Musiktiteln beziehungsweise 200 Filmen” erreicht.
Das Landgericht Oldenburg legt wiederum völlig andere Maßstäbe an. Schon allein durch die Benutzung einer P2P-Software Musiktauschbörse ist hier offenbar ein gewerbliches Ausmaß erreicht. “Das LG Oldenburg geht sogar noch einen Schritt weiter und sieht bereits in der Nutzung einer Musiktauschbörse ein Indiz dafür, dass der Rahmen des Privaten “endgültig” überschritten sei. Kennzeichen des Privaten sei es “aber stets, dass nur ein überschaubarer, begrenzter Kreis von Kontaktpersonen angesprochen wird”.”
Ich bin mir ja nicht wirklich sicher, ob sich die zuständigen Richter jemals ernsthaft mit der Materie beschäftigt haben. Vielleicht sollten sie mal mit ihren Kindern beim Abendbrot darüber reden. Sowohl in Frankenthal als auch in Oldenburg dürfte das ganz interessante Diskussionen geben.
via Golem


