Das Debütalbum „Strange House“ der Londoner The Horrors hat mich 2007 nicht im Geringsten interessiert, denn die kurzen Hörproben überzeugten mich damals nicht. Und das, obwohl das Video zu “Sheena is a Parasite” von keinem Geringeren als Chris Cunningham stammte. Damals war mir das zu viel Stil und zu wenig Substanz. Ganz anders sah die Sache aber beim Nachfolger „Primary Colours“ aus. The Horrors hatten sich offensichtlich hingesetzt und darüber nachgedacht, wie sie wirklich klingen wollten und wer sie eigentlich sind. Herausgekommen ist eine nach wie vor große Platte, ganz in Tradition des Postpunk, inspiriert von Bauhaus und Joy Division. Dazu eine ordentliche Portion Shoegaze und eine alles andere als glatte Produktion. Dieses Album hat mich eine ganze Zeit lang begleitet und begeistert.

Seltsamerweise habe ich den Nachfolger „Skying“ nie wirklich gehört, und ich weiß ehrlich gesagt nicht, woran das lag. Mir fehlt also ein Meilenstein, um ihre Entwicklung zu dem neuen Sound auf diesem Album nachvollziehen zu können. Wobei ich das gar nicht muss, denn auch so kann ich mich durchaus begeistern. Knappe drei Minuten dauert das dem Opener vorgelagerte Intro, es flirrt, pluckert und trommelt, bevor der Vorhang gelüftet wird und ich mich – BÄHM! – direkt in die Neunziger zurückversetzt fühle. „Chasing Shadows“ erinnert mich an die selige Zeit, als Jesus Jones, Pop Will Eat Itself oder auch 25th Of May meinen Alltag bestimmten. Zwar klingt das vierte Album von The Horrors zeitgemäßer, aber die transportierte Stimmung ist sehr ähnlich. Bereits die beiden Vorboten „I See You“ und „So Now You Know“ deuteten an, was dieses Album bieten würde: Mut zu längeren Instrumentalpassagen, eine Wall of Sound, eine neue Zugänglichkeit.

Der Sound weiß zu überzeugen, sorgt bei den ersten Durchläufen allerdings auch dafür, das die Songs durchflutschen und kaum greifbar sind. Hier und da sind die Songs zu ausufernd und zugekleistert; es hätte an einige Stellen ruhig ein wenig straffer und luftiger zugehen können. Es braucht seine Zeit, bis Melodien hängen bleiben oder sich einzelne Passagen im Hirn wie von selbst singen und wiederholen. Sobald dieser Punkt allerdings erreicht ist, ist es unheimlich schwer, sich diesem Album zu widersetzen (ich hatte zumindest meine Probleme). „Luminous“ ist in der Tat ein strahlendes Album, auf welchem die Band weiter ihren Klang erforscht, ihre Möglichkeiten auslotet und an ihrer Eigenständigkeit feilt.

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