Ich war mir nicht sicher, ob ich das dritte Album von The War On Drugs überhaupt brauche – bis ich es hörte. Es dauerte allerdings ein paar Durchläufe, bis ich überhaupt begriff, was an diesem Werk so außerordentlich überzeugend ist: es klingt wehmütig, hoffnungsvoll, unbefangen und belebend.

Das besondere Können der Band besteht darin, einen Song so einfach wie möglich zu halten, um diesen dann mit schmuckvollen Kleinigkeiten zu verzieren. Schon im fulminanten Opener „Under The Pressure“ wird dies deutlich. Das Stück beginnt mit klappernden Becken und wabernden Gitarrenakkorden, bevor das Schlagzeug einsetzt und mich mit seinem gradlinigen Rhythmus auf die knapp neunminütige Reise mitnimmt. Variiert wird hier kaum, nur ausgeschmückt und voran getrieben. Warum mich dieser Song packt, wird mir nicht klar. Hier muss eine Art Magie am Werk sein. Sogar das Saxofon verzeihe ich ihnen, obwohl mir doch eine tiefe Abscheu gegen dieses Instrument innewohnt.

Christoph macht Einflüsse von Bruce Springsteen, Mark Knopfler, Tom Petty und Bob Dylan aus. Was auf dem Papier für einige von euch vielleicht grauenhaft klingen mag, ist in der Interpretation von Mastermind Adam Granduciel allerdings eine hinreißende Angelegenheit. Denn dieses Album formt seine offensichtlichen Einflüsse in der bestmöglichen Art. Es lässt mich nie an die alten Heroen denken, sondern haucht ihren hinlänglich bekannten Ideen neues Leben ein und verleiht ihnen zugleich eine ganz persönliche Note.

Oder um es mit Christophs Worten abzuschließen: Auf dem Fundament allerlei Inspirationen der Musikgeschichte hat Granduciel ein originäres Fühlen, eine nach vorn gerichtete, sachte Melancholie entwickelt – und dies alles mit großer Bescheidenheit. Es steht daher außer Zweifel, dass The War On Drugs mit diesem Werk in die Annalen der Musik eingehen werden. Und das keinesfalls als Randnotiz.

1 KOMMENTAR

DEINE MEINUNG?