The xx – I See You (Review)

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Als sich die vier Londoner von The xx Anfang 2009 mit ihrem Song Crystalised ins Licht der Öffentlichkeit wagten, war das Interesse groß. Noch größer wurde es mit Erscheinen des Debütalbums im August des gleichen Jahres.

Wer waren diese schüchternen, schwarz gekleideten, knapp zwanzigjährigen Musiker, welche es schafften, aus karger Instrumentierung, gelangweilt-lasziven Gesang und kleinen Melodien einen unwiderstehlichen Sog zu entfalten?

The xx – ein unerwarteter Erfolg

Ihr Debüt hatte unbestreitbar etwas Einzigartiges – diese beiden Stimmen, die Vermischung von R’n’B und Indie, die Produktion. Die Platte mit dem schlichten Cover verkaufte sich mehr als eine Million Mal.

Die Zuneigung der Kritiker und Fans wurde umso größer, je weiter sie sich den Mechanismen des um Aufmerksamkeit schreienden Business verwehrten. In der Folgezeit schrumpften sie auf ein Trio, gewannen den Mercury Prize und Jamie xx machte sich als Produzent einen Namen.

Das zweite Album Coexist war ein noch ruhigeres Album. Vielleicht lag es daran, dass sich die drei Bandmitglieder ohne Ablenkungen in ein Studio im Norden von London zurückgezogen hatten.

Viel hatte sich im Klangkosmos des Londoner Trios nicht getan, es klang immer noch nach Reduktion und Unterkühlung, nahe am Nullpunkt der Instrumentierung.

Ein anderer Arbeitsprozess

Für ihr drittes Album I See You öffneten The xx ihren Arbeitsprozess. Das Album entstand an fünf verschiedenen Orten: New York, Marfa, Reykjavik, Los Angeles und in London.

Freunde, Familie und Weggefährten waren eingeladen bei der Produktion vorbeizuschauen, Musik wurde geteilt und alle hatten eine gute Zeit. Diese neue Offenheit hört man schon im ersten Song Dangerous.

Eine ungewohnte Fanfare empfängt den Zuhörer, bevor Jamie xx den Song selbstbewusst mit einem Beat unterfüttert. Auch das vorab veröffentlichte On Hold verströmt eine unbekannte Lockerheit, welche vor allem vom Sample (Hall And Oates I Can’t Go For That (No Can Do), 1981) getragen wird.

Im Kern hat sich die Band allerdings nicht gewandelt. Ihre Kompositionen fußen immer noch auf dem zärtlichen Zusammenspiel der beiden Stimmen von Romy Madley Croft und Oliver Sim und der reduzierten Instrumentierung. In diese Grundzutaten mischt Soundtüftler Jamie xx aber vermehrt seine Dancesounds.

Die drei Freunde

So entstehen intensive und wundervolle Tracks wie das perkussive Lips, das liebevolle Performance oder das hingebungsvolle Brave For You. Ich komme mir beim Hören der zehn Tracks allerdings immer ein wenig außenstehend vor. Ich belausche diese drei eingeschworenen Freunde während sie sich Erinnerungen, Wünsche und Zugeständnisse zuraunen.

Aber das stört mich überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. I See You ist ein schillerndes und intimes Popalbum; der pefekte Soundtrack für die komplexe Wirklichkeit.


You say something loving
It’s so overwhelming, the thrill of affection
Feels so unfamiliar
You say something loving
Without hesitation it hits me, hits me
It feels so unfamiliar

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