topoftheblogs

Der Tom von blogpartei und die Ariane von den White Tapes hatten eine Idee. Wie wäre es, wenn nicht nur jedes deutsche Musikblog seine Top 10 des Jahres 2009 vorstellt, sondern auch eine gemeinsame Jahresbestenliste erstellt wird.

„Während in Frankreich eine ähnliche Idee funktioniert hat, gab es eine Art gemeinsamer Jahrescharts in Deutschland nicht. Also haben sich 14 deutsche Blogs mit insgesamt über 30 Bloggern zusammengesetzt, um die Top10 der Alben des Jahres 2009 zu finden. 107 Alben wurden vorgeschlagen und gewertet, am Ende stehen diese 10 an oberster Stelle. Neben den bereits früh als Knaller identifizierten Alben sind so jedoch auch einige Überraschungen aufgekommen; oder wer hätte ohne Überlegung Slow Club, Editors oder We Were Promised Jetpacks in die Top10 gepackt? Wer Interesse hat, kann sich das auch genaue Ranking bis Platz 109 anschauen. (ods-Datei)“

Von meinen Einreichungen haben es leider nur Grizzly Bear in die Top Ten geschafft, und The XX haben ein solides Album abgeliefert, aber mit Sicherheit nicht das beste des Jahres, aber das ist nur meine Meinung. Jetzt wisst ihr also, was die Musikblogger dieses Landes so hören. Was ihr in diesem Jahr so richtig gut gefunden habt, das wird sich morgen abend zeigen. Denn bis dahin habt ihr noch Zeit abzustimmen.

Platz 10: Fever Ray – s.t.

Platz 10 - Fever Ray - s.t.Das vermeintlich kälteste Album des Jahres, zumindest wenn man die verzerrte Stimme und die dumpfen Synthiesounds die ersten Male auf sich wirken lässt. Doch hinter dem eisigen Wasserfall sind ungeahnte Landschaften zu finden. Ruhig stapft das Album weiter, über afrikanische Steppen hin zum windigen Atlantik. „When I grow up, I want to live near the sea.“ Ein Album, das schnell wächst, mal tanzend, mal geruhsam fortwärtsschreitend, um sich dann auf den Tafelbergen niederzulassen und zur Antarktis zu schauen. „I put my soul in what I do.“ Das glauben wir aufs Wort.

Platz 9: Sunset Rubdown – Dragonslayer

Platz 9 - Sunset Rubdown - DragonslayerDas vierte Werk von Sunset Rubdown droht anfangs missverstanden zu werden, versteckt sich seine Komplexität doch tückisch hinter einer simpel anmutenden Fassade. Wer den Kanadiern berechenbaren Pop nach einem simplen Schema unterstellt, hat nicht richtig hingehört und verpasst Großartiges. Die Mannen hinter Wolf Parade und Handsome Furs fahren hier teils vertraute Stützen wie Spencers gewohnt eilende Stimme auf, doch kribbelt es dahinter mit jedem Hördurchgang immer mehr; es wächst und gedeiht, über das umzäunte Beet hinaus.

Platz 8: Editors – In This Light and on This Evening

Platz 8 - Editors - In This Light and on This EveningWer hätte den Editors diese Wandlung zugetraut, weg von den Indiestrebern hin zu geradezu morbiden 80er-Hommagen. „They took what once was ours“ singt Tom Smith, doch könnte dieser Satz eher von den Geehrten stammen. Die Gitarren treten in den molligen Hintergrund, die Synthies beherrschen die kühle Szenerie, der Smith’sche Gesang trohnt bedrückend über allem. In seiner Entwicklung erstaunlich – und erstaunlich konsequent.

Platz 7: Yo La Tengo – Popular Songs

Platz 7 - Yo La Tengo - Popular SongsWer 25 Jahre voller einflussreicher und beeinflussender Alben hinter hat, muss nichts mehr beweisen. Wenn er es dennoch schafft und eine zeitlose Symbiose von Indie, Pop & Rock dieser Qualität abliefert, hat er eine besondere Gabe. Er kann sich eigentlich bei jeder Gelegenheit hinstellen und sagen: Yo La Tengo.

Platz 6: We Were Promised Jetpacks – These Four Walls

Platz 6 - We Were Promised Jetpacks - These Four WallsNervös, vertrackt, melodiös. Die Glasgower machen einfallsreichen Indierock, der zwar nicht das Rad neu erfindet, aber doch sehr rund rollen lässt. Knackig treiben die Gitarren den schottischen Akzent vor sich her und lassen sich dennoch Zeit für instrumentale Passagen. Sicher ist: Wer dieses Album hört, braucht weder Koffein noch Trombosestrümpfe, aber jemanden, der die Momente mit ihm teilt.

Platz 5: Slow Club – Yeah So

Platz 5 - Slow Club - Yeah SoMelancholisch-poetische Songs, ironische Lyrik, bittersüße Atmosphäre. Das Duo Slow Club bringt den Folk der letzten Jahre auf den Punkt und kn¸pft mit seinen angenehmen Arrangements dennoch an weit Älteres an. Orgel, Rhythmusgeräte wie Löffel oder Gläser, Harmoniegesänge allenthalben regen zum Träumen, zum Tanzen, zum Mitsingen an. Musik für alle Jahreszeiten.

Platz 4: Grizzly Bear – Veckatimest

Platz 4 - Grizzly Bear - VeckatimestWas „Veckatimest“ zu einem perfekten Vertreter des Jahres 2009 macht, ist, dass ihre Eigenwilligkeit, ihre Eigentümlichkeit nie daran hindert, die Schönheit des Albums zu erkennen. Wo andere Bands möglichst viele Stile inkorporieren, manövrieren sich Grizzly Bear mäandernd zwischendurch, ruhig, voller Spannung. Die unwahrscheinlichste Konsensband des Jahres.

Platz 3: The Pains Of Being Pure At Heart – s.t.

Platz 3 - The Pains Of Being Pure At Heart - s.t.Ein Album, das auf leisen Schuhen daherkommt und, wenn man nicht rechtzeitig die Ohren spitzt, in seiner Leichtigkeit schnell auch vorbeigeht. Denn die Vielschichtigkeit des poppigen Shoegaze lässt einen die wunderbaren Momente von „The Pains Of Being Pure At Heart“ immer wieder entdecken, mal düster, mal eingängig, aber nie belanglos. Der Name ist Programm.

Platz 2: Animal Collective – Merriweather Post Pavilion

Platz 2 - Animal Collective - Merriweather Post Pavilion„No one should call you a dreamer“, das Motto von Animal Collective auf den Punkt gebracht. Das Album, das die verworrensten Songstrukturen mit den schönsten Melodien verbinden kann, das den Hörer in einen flow, einen emotionalen Ausnahmezustand versetzen kann. Er muss sich nur darauf einlassen und das Album lässt sich auch auf ihn ein.

Platz 1: The xx – xx

Platz 1 - The xx - xxEs war das Album, das die Lücke traf, die all die Bands der letzten Jahre gerissen hatten; zurückhaltend und reduziert wie der Folk, dennoch intensiv und mitreiflend wie New Rave und New Wave. Eigenbrödlerisch wie Psychdelic, trotzdem eingängig wie Electronica. Der berechtigte Erfolg von The xx hätte genau ob ihrer Einzigartigkeit ebenso gut ausbleiben können. Unorthodox auch, dass dieses Album mitten im August herauskam. Elf Songs, elf Volltreffer. So klingt 2009.

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Ehrenvolle Erwähnung gemäß weiterer Rangfolge:
Mumford & Sons – Sigh No More
The Rural Alberta Advantage – Hometowns
Port O’Brien – Threadbare
Dirty Projectors – Bitte Orca
Scott Matthew – There Is An Ocean That Divides
Japandroids – Post-Nothing
Soap & Skin – Lovetune for Vacuum
Blacklist – Midnight Of The Century
MONO – Follow The Map
Pet Shop Boys – Yes
Metric – Fantasies
Wild Beasts – Two Dancers
Devin Townsend Project – Addicted
Patrick Wolf – The Bachelor
Simple Minds – Graffiti Soul
Tegan and Sara – Sainthood
Her Name Is Calla – The Her-tage
Micachu – Jewellry
Royal Bangs – Let It Beep
St. Vincent – Actor
Angelika Express – Goldener Trash
Blueneck – The Fallen Host
Antony And The Johnsons – The Crying Light
Helgi Jonsson – For The Rest Of My Childhood
Future Of The Left – Travels With Myself And Another
Evangelista – Prince Of Truth
Fuck Buttons – Tarot Sport
The Twilight Sad – Forget The Night Ahead
Maximo Park – Quicken The Heart
Astronautalis – Pomegranate
Au Revoir Simone – Still Night, Still Light
The Mighty Stef – Downtown
The Felice Brothers – Yonder Is The Clock
Health – Get Color
Passion Pit – Manners

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Teilnehmer: Julia von 49Suns, Uli von Auf ein neues, das Team von AUFTOUREN, Tom von blogpartei, Eike von das klienicum, Therese & Horst von Hey Tube, Matthias von indiestreber, Nico von nicorola, Frank von pretty-paracetamol, das Team von ROTE RAUPE, Peter von Schallgrenzen, Michael von SmÂstad, Daniela von Reling Sichern sowie Ariane, Iain, Jana, Kristina & Manuel von WhiteTapes.

Idee, Konzeption & Redaktion: Ariane von WhiteTapes und Tom von blogpartei.

1 KOMMENTAR

  1. Schöne Idee, vielen Dank! Habt ihr Lust dieses Voting im nächsten Jahr weiter zu pflegen? jahrgangsgeraeusche.de würde sich gern anschließen.

    Happy new ears!
    Dr. Wu

  2. @Dr. Wu: Nachdem das in diesem Jahr sehr spontan alles war (Wochenende vor Weihnachten, wer hat das eigentlich noch Zeit für was?), haben wir Blogs ausgesucht, zu denen wir einen direkten Draht hatten. Und natürlich gefühlte 2 Dutzend dabei übersehen oder noch gar nicht gekannt – so wie deines.

    Im nächsten Jahr gerne wieder – gerne größer! 🙂

  3. Warum ist es in Blogs eigentlich immer so Indie/Alternative lastig? Gibt es keine Blogger mit anderem Geschmack? ich mag das so ja teilweise auch, aber das ist doch nicht alles, Leite?
    Wo sind die Metaller, Progger usw.???

    Tim

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