Apple hat sich lange geweigert, beim Game Of Streams mitzumachen. Jetzt aber dröhnen die Trompeten und die Pauken donnern.

Ich habe gestern ­­­Abend etwas gemacht, was ich seit Ewigkeiten nicht mehr getan habe: ich habe den Livestream der Worldwide Developers Conference (kurz: WWDC) von Apple angeschaut.

Das ganze Gerede über die neuesten Betriebssystemversionen hat mich nicht sonderlich interessiert. Was mich interessierte: Apple Music. Sony Chef Doug Morris verkündete den Streaming-Dienst von Apple schon einen Tag zuvor, deswegen war ich neugierig, was die Firma im Angebot hat.

Während der ganzen Präsentation dachte ich nur dummes Zeug und war ziemlich unbeeindruckt. Apple Music kann Musik spielen. Und bietet Radio. Im Jahr 2015! Ob das einen der Nutzer da draußen ernsthaft interessieren wird?

Apple Music wird sich durchsetzen

Nach einiger Überlegung und einigen gelesenen Artikeln bin ich allerdings der Überzeugung, dass sich Apple Music auf breiter Front durchsetzen wird. Und das die Konkurrenz, allen voran natürlich Spotify, sich unheimlich viel warme Kleidung zulegen sollte.

Sicherlich hat Apple gestern Abend nicht wirklich etwas Bahnbrechendes präsentiert. Und sie sind verdammt spät dran in Sachen Streaming. Dennoch werden sie  (leider) Erfolg haben.

Dafür sehe ich folgende Gründe:

  • 800 Millionen potentielle Kunden, die bei Apple ihre Kreditkarten- oder Bankdaten hinterlegt haben. Sollten sich nur 2 Prozent für ein bezahltes Abo entscheiden, hätte Apple aus dem Stand mehr zahlende Abonnenten als Spotify.
  • Integration in das Betriebssystem und in die eigene Musikbibliothek. Keine Installation einer weiteren App, kein umständliches Werkeln mit zwei Bibliotheken und lokalen MP3s.  Der Nutzer hört und kauft Musik in einer App, er verwaltet seine Bibliothek. Und er folgt seinen Lieblingskünstlern via Connect.
  • Apple ist nicht von seinem Musikangebot abhängig und hat unglaubliche Summen zur Verfügung. Mit Sicherheit wird eine Menge Geld in die Werbung fließen. Und Apple hat genug Reserven, um lange durchzuhalten. Das sieht bei der Konkurrenz anders aus. Spotify macht noch immer Verluste, und wenn Nutzer zu Apple abwandern sollten, könnte das der schwedische Pionier in Sachen Streaming nicht so locker wegstecken. Deezer will sich gerüchteweise aus einigen Märkten wieder zurückziehen.

Ich habe gestern gezweifelt. Aber inzwischen bin ich leider der Überzeugung, dass sich Apple Music durchsetzen wird. Folgendes Szenario halte ich nicht für abwegig:

Auf deinem iPhone genügt in Zukunft ein Klick auf Apple Music. Sofort steht dir das Streaming zur Verfügung. Wenn es dir gefällt, lässt du das Abo einfach laufen. Nach den drei Probemonaten bucht Apple über deine hinterlegte Kreditkarte automatisch monatlich 10$ ab. Klingt einfach? Ich denke, das ist es auch.

Wie siehst du das? Wird sich Apple durchsetzen? Sollte sich die Konkurrenz fürchten? Wirst du zu Apple Music wechseln? Oder findest du Streaming sowieso scheiße?


 

Aktuell: Apple Music: 10 Millionen Abonnenten in 6 Monaten, 2017 bereits Marktführer?

23 KOMMENTARE

  1. Apple ist groß, Apple ist mächtig, keine Frage. Aber wenn Google schon mit seinem Store die Musikwelt nicht aus den Angeln gehoben hat, warum soll es jetzt das Apple Streaming tun. Warum man beim Streaming einfach auf keinen grünen Zweig kommt, liegt an den mächtigen Playern Universal, Warner und Co. Da gibt es viele Interessen, wenig gemeinsamen Nenner und daran wird auch Apple zu knabbern haben. Apple wird sicher seine Abonnenten finden, aber ich sehe da kein Monopol dräuen. Vielleicht auch weil Streaming schlicht kein Geschäft ist. Irgendwer verliert immer: Entweder der Dienst oder die Plattenfirmen oder die Musiker. Meist alle. Bei den jetzigen Preisen bzw. werbegestützten Modellen kommt schlicht nicht genug herein. Und da wird sich auch mit Apple nichts verändern.

    • Du hast sicherlich recht, aber Googles Umsetzung ist nicht sonderlich gelungen. Google Music musste ich immer extra installieren. Es gibt Musik, die sich als MP3 auf meinem Smartphone befindet, es gibt meine Sammlung in der Cloud, die ich wieder herunterladen kann und es gibt den komplette Katalog im Abo. Das ist alles so unübersichtlich, dass es meiner Meinung nach nicht richtig funktioniert.

      So wie ich das gestern gesehen habe, hat Apple das eleganter umgesetzt. Aber das muss man wahrscheinlich selber ausprobieren, um hier abschließend zu urteilen.

      Ob Streaming ein Geschäft ist, wird sich noch zeigen müssen. Aber wenn einer der größten Player im Downloadbereich jetzt ebenfalls auf dieses Modell setzt, scheint es aktuell wohl keine gute Alternative zu geben.

  2. Ich bin eigentlich kein Streaming-Freund, ich will meine Musik besitzen und immer und überall abspielen können wo und wann ich will. Dafür bin ich mp3-Sammler. Streaming-Typen sind für mich das, was früher Radio-Hörer waren: Nebenbei-Hörer, Hintergrund-Berieseler, keine Musik-Freunde.

    Aber Appel Music werde ich wohl die ersten 3 Monate kostenlos testen. Eben, genau wie du schriebst, weil es so einfach ist. Weil ich dann in einer Musik-App alles hab, meine eigene Musik plus dazu passende Empfehlungen, die ich, wenns mir gefällt, mit ein, zwei Klicks kaufen kann.

    Mit dem alten iTunes-Genius hab ich beste Erfahrungen gemacht, zwar immer nur aus meiner eigenen Musiksammlung, aber wenn man da einen Titel markiert, basteln die eine wirklich passende gute Playlist zusammen. Jetzt kommt eben die ganze Apple-Bibliothek dazu. Wenn mir was nicht passt, wirds geskippt, und das merkt der sich. Hört sich nicht schlecht an.

    Der ganze soziale Kram und die Radio-Stationen interessieren mich nicht. Aber wenn das eigentliche Musik-Dingens gut gemacht ist, wer weiß, vielleicht werd ich dann auch zahlender Kunde. Kommt allerdings auch auf meinen Mobil-Anbieter an, ob ders wie Spotify in der Grund-Traffic mit aufnimmt. Trotz schlechtem Gewissen wegen Netzfreiheit…

    • Ich glaube, das ist genau das Ding. Du testest erst einmal, und dann bleibst du hängen. Mit den Mobilfunkanbietern wird Apple sicherlich auch noch eine Vereinbarung treffen.

  3. Ich stimme absolut zu! Ein weiteres Argument ist für mich die Familienlizenz. Als Vater von 2 Kindern bin ich da sofort dabei anstatt insg. für alle 4 x 9,99€ zu zahlen 🙂
    Die Frage ist aber der Traffic: Viele (auch ich) haben zB Spotify über die Telekom oder Deezer über Vodafone (in DE) gebucht. Diese Hürde muss Apple nehmen. Denn sonst ist jeden Monat der Traffic ganz schnell weg.

    • Ich denke, da wird es noch Deals mit den Mobilfunkanbietern geben. Aber ein Frage: lädst du dir die Songs nicht übers WLAN herunter?

  4. Mich hat schon Spotify nicht interessiert, warum sollte mich jetzt das Apple-Dings interessieren? Wenn ich Musik hören will, greife ich auf meine eigene, stetig wachsende Sammlung an Tonträgern zurück. Und zum Kennenlernen neuer Musik gibt es genug kostenlose Quellen. Aber davon ganz abgesehen, wird sich das Ding durchsetzen, weil zum einen Streamingdienste an sich wunderbar ist für Leute, die sich lieber berieseln lassen wollen, statt sich ernsthaft mit dem Thema Musik zu beschäftigen. Und zum anderen kommt noch die komplette Apple-Vertriebspower dazu – das kann eigentlich gar nicht scheitern. Aber wie gesagt, für mich ist das nix. Ich mache mir lieber meinen eigenen Kopf statt mir von einem Algorithmus vorschreiben zu lassen, was mir gefällt oder nicht.

      • Ja klar, und das ist ja auch prinzipiell in Ordnung. Ich mache mir allerdings tatsächlich ein bisschen Sorge um die musikalische Vielfalt. Wenn Streaming DER Vertriebskanal der Zukunft ist (und davon ist auszugehen), dann könnte es sein, dass viele kleine und mittlere Acts komplett auf der Strecke bleiben. Denn die verdienen so gut wie nichts über diesen Kanal. Siehe dazu auch diesen Beitrag von Damon Krukowski (Ex-Galaxie 500): http://pitchfork.com/features/articles/8993-the-cloud/

        • Ja, solche Auswertungen von Künstlern gibt es einige, und sie alle sehen nicht gut aus. Ich befürchte auch, dass sich die Situation verschlimmern wird und es unbekannte Künstler schwerer haben werden.

          • Klar ist Streaming für kleine Künstler finanziell nicht attraktiv und auch das Argument: „Da haste die Chance entdeckt zu werden“ ist für 99% der Künstler eher nicht der Fall. Aber um eben wie hier in einer Playlist zu landen, muss die Musik auch auf Spotify/Deezer etc. vorhanden sein.
            Ich bin gespannt, wie es mit Abomodel von Bandcamp wird. Das soll ja so ein Patron Ding sein, wo man exklusives Material bekommt. Ich bin mir nicht sicher, ob sich das für einzelne Künstler, die eben einen nicht so hohen Output haben lohnt, aber das wird auf jeden Fall spannend.

  5. Ich kann mir leider ganz gut vorstellen, dass Apple mit seinem Streaming-Angebot erfolgreich sein wird. Wie Du ja schon geschrieben hast, Nico: Sie machen es ihren wahnsinnig vielen iTunes Kunden sehr einfach, das ganze mal auszuprobieren. Und leider sind wir Menschen alle so faul und bequem, dass sicher einige „hängen bleiben“, wenn sie mal gemerkt haben, wie unkompliziert Streaming über Apple Music ist.

    Denn auch wenn ich mir den Live Stream gestern nicht angeschaut habe, bin ich sehr sicher, dass Apple eine sehr conveniente und nutzerfreundliche Lösung finden wird.

    Und … um auf das „leider“ aus dem ersten Satz zurück zu kommen: Ich finde Streaming grundsätzlich problematisch – egal, von wem es angeboten wird. Denn Künstler verdienen damit nicht genug.

    • Ich bin mit dir einer Meinung, das Streaming in seiner derzeitigen Form keine Lösung für die Künstler ist. Ich hoffe, dass sich das irgendwann ändern wird.

  6. Apple wird eins richtig machen. Den Nutzer abkassieren und ihn nicht mit Werbung abspeisen. Das ist positiv für Apple, die Künstler und letztendlich auch wiederum für den Nutzer. Ich vergleich das immer mit öffentlich rechtlichen Radiosendern. Diese bieten wesentlich mehr an Service und musikalische Abwechslung, als die grauenhaften privaten Dudelsender.
    Und so lieblos wie bei Spotify die Künstlerseiten angelegt sind und es auch keine bzw. kaum Künstler-Nutzer-Kommunikation gibt, ist Spotify für mich leider nur ein besseres Radio bei dem ich bestimmen kann was gespielt wird.

    Grundsätzlich bin ich aber der Meinung: Was nichts kostet, ist auch nichts wert. Und das merkt man bei Spotify leider an vielen Ecken.

    • Hallo Matthias, wenn ich deinen Kommentar richtig verstehe, hast du bisher nur die kostenlose Variante von Spotify benutzt, oder?

      Wo ich dir Recht gebe: die Künstler-Seiten sind nicht der Rede wert, und auch die Kommunikation mit ihnen findet eigentlich nicht statt.

      Apple fokussiert sich mit seinem neuen Dienst auf die Musik und die Musiker und deren Fans. Das ist meiner Meinung nach der richtige Weg. Spotify geht gerade in Richtung Fitness, Podcasts und Videos. Es wird sich zeigen, ob sich das auszahlt.

      Jetzt fehlt nur noch der Start von YouTube Music Key, und dann dürfte sich eine Menge im Markt bewegen.

  7. Mal von Für und Wider von Streaming gegenüber Vinyl abgesehen: Apple Music wird schon daran scheitern, dass es vermutlich auf iOS fixiert sein wird. Sterbende, technisch überholte Plattform. Integration ist nicht alles, Google Play Music scheitert ja ebenfalls.

    Ist aber auch nicht schade drum.

  8. Ich bin davon überzeugt, dass sich Apple Music durchsetzt. Viele Gründe wurden bereits genannt, die überzeugendsten sind auch für mich der Marktzugang sowie die bestehende Infrastruktur durch itunes. Spannend wird allerdings die Frage, inwieweit Apple sein bestehendes Angebot durch Streaming kanibalisiert. Wenn es Ihnen nicht darauf ankommt, Musik zu vertreiben, sondern itunes und Apple Music vollends nur als subventionierte Kundenbindungsinstrumente für den Absatz von Hardware dienen, ist das zunächst keine wirklich erfreuliche Perspektive. Einerseits. Andererseits hört man, dass Apple mehr an die Musiker (respektive die Labels) abführen wird als bestehende Angebote. Zumindest werden sie dazu auch mittelfristig in der Lage sein. Das wäre schonmal ein erfreulicher Schritt in die richtige Richtung. Wobei ich ohnehin nicht ganz nachvollziehen kann, dass Streamingangebote zu einem Rückgang der Vielfalt führen oder geführt haben sollen. Dank neuer Kommunikationskanäle und vereifachter Produktionsbedingungen entsteht wöchentlich eine Fülle von neuer und interessanter Musik. Davon wird nur mit einem kleinen Bruchteil nachhaltig Geld verdient, aber das war früher auch nicht anders. Allerdings scheiterte es da schon an einem Deal mit der Plattenfirma, so dass viel weniger Musik überhaupt zu einer professionellen Aufnahne gekommen ist. Meiner Meinung nach hat Streaming also gar nicht so viel verändert, den großen Acts tut es nicht wirklich weh und die kleinen verdienen zwar an den produzierten Liedern weniger als früher, setzen dafür aber auch mehr ab.

    Noch ein Wort zu Apple Music selbst. Ich habe bislang auch Streaming in erster Linie abgelehnt, weil ich „meine“ Musik für mich haben möchte. Meine Regel: Die wirklich guten Sachen hole ich mir auf CD, den Rest als Download (Vinyl besitze ich nicht). In den letzten Jahren bin ich – auch dank dieses Blogs 🙂 – auf immer mehr interessante Sachen gestoßen, so dass sich das Verhältnis aus finanziellen Gründen immer mehr Richtung Download verschoben hat. Viele Songs parke ich zunächst in meiner Liste bei Soundcloud, um zu einem späteren Zeitpunkt über einen Kauf zu entscheiden. Daher wäre Apple Music für mich eine gute Gelegenheit, auf die Nutzung einer externen Liste zu verzichten und alles an einem Ort zu haben. Gute Sachen würde ich dennoch weiter kaufen, wenn auch vermutlich nicht mehr ganz in der Größenordnung wie aktuell.

    • Dank für deinen Kommentar. Ich denke, so wie du es in deinem zweiten Absatz beschreibst, wird es vielen gehen. Denn Apple Music könnte sich bei vielen zur ersten Anlaufstelle und damit zum Zentrum ihres Musikkonsums entwickeln.

  9. Der große Unterschied zu Google ist, dass Apple doch schon lange im Musikbusiness ist. Sie haben schon Verträge mit den den ganz großen Labels und sind einer der Hauptvertriebswege, wenn es um Downloads geht.
    Das sichert Apple gegenüber von Universal und den anderen auch eine gewisse Verhandlungsmacht, die Spotify und Co. nicht vorweisen können.
    Apple Music wird Spotify vielleicht nicht komplett verdrängen, aber einen großen Teil es Marktes erobern und innerhalb kürzester Zeit nicht mehr wegzudenken sein. Vorallem durch die starke Integration von Apple Music in iTunes und iOS.
    Gut finde ich diese Entwicklung auch nicht, da die Musikbranche noch stärker monopolisiert wird, aber dagegen hilft wohl nur das kaufen von richtigen Platten oder CDs im Plattenladen des Vertrauens.

    Liebe Grüße,
    Chris

    • Danke für deinen Kommentar! Ich glaube (leider), dass der Zug für das Kaufen von Tonträgern abgefahren ist. Nicht bei mir oder bei dir oder den anderen Lesern hier, aber in der breiten Masse und der kommenden Generation.

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