Es ist ja oft so: hört man einen Song einer Band, dann kann man sich ungefähr vorstellen, wie die anderen klingen. Es gibt natürlich Variationen, aber die Atmosphäre ist oft klar umrissen.

Das hat natürlich Vorteile. Hat mich eine Band mit ihrem Sound am Haken, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass ich mich auch für ihre anderen Songs interessiere. Und bei jedem neuen Album rede ich dann davon, dass sie sich nicht wirklich weiterentwickelt hätten, aber insgeheim bin ich froh darum.

Wolf Alice spielen dieses Spiel allerdings nicht mit. Die Londoner Band veröffentlichte vor zwei Jahren mit My Love Is Cool ihr vielfältiges und erfolgreiches Debütalbum, welches ihnen sogar eine Nominierung für den Mercury Prize einbrachte. In den vergangenen zwei Jahren haben Wolf Alice fleißig an neuer Musik gearbeitet.

Das neue Album Visions Of A Life ist rumplig, sperrig und eingängig zu gleich. Die vorab veröffentlichten Songs hinterließen ein verwirrenden Eindruck: das wütende Yuk Foo wollte so gar nicht zum poppigen Beautifully Unconventional passen. Das verträumte Don’t Delete The Kisses mit seinen gesprochenen Parts klang wiederum anders als das shoegazige Heavenward.

Das klingt jetzt wie ein Widerspruch, aber dem ist nicht so. Ellie Rowsell erklärte den eigenen Ansatz gegenüber dem Musikblog mit folgenden Worten:

„Rock, Pop, Shoegaze, Punk, Grunge: Die Einflüsse kommen aus den verschiedensten Richtungen. Ich glaube, dass es aufgrund unserer musikalischen Vorlieben ganz normal ist, dass wir so klingen wie wir klingen. Alles andere wäre nicht authentisch.“

Authentizität ist also das Zauberwort. Dieses vielschichtige zweite Album bietet abwechslungsreiche, originelle und mitreißende Songs. Mir fiel es zwar am Anfang schwer, das Album als Ganzes wahrzunehmen, aber ich kämpfte mich durch das Dickicht der flirrenden Melodien, dicken Soundteppiche und wuchtigen Gitarrenriffs.

Denn ich war mir von Anfang an sicher: auch wenn Wolf Alice mit meinen Erwartungen spielen und mich des Öfteren vor den Kopf stoßen würden, enttäuschen würden sie mich mit Sicherheit nicht. Was soll ich sagen? Ich habe mich nicht getäuscht.


4 KOMMENTARE

  1. am meissten hat mich erstaunt das dieses stück nur 2:17 dauert… ein dezentes „I am the Walrus“ Gefühl. Sehr spannend, gleich mal in den Rest reinhören.
    Danke für den Tipp 🙂

    • dieser Song ist auch vielschichtig aufgebaut und hat dabei eine bemerkenswert kurze spielzeit.. aber wenn ich genauer drüber nachdenke ist „Happyness ia A Warm Gun“ ein viel treffenderes Beispiel

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