Fast zwanzig Jahre ist es her, dass Konstantin Gropper mit Get Well Soon das erste Mal auf meinem Radar auftauchte. Seit dem grandiosen Debüt „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“ ist viel passiert. Gropper wanderte durch opulenten Kammerpop, düsteren Indie und cineastische Klangwelten.
Mit seinem neuen Album „Minus The Magic“ blickt er nun aber keineswegs nostalgisch zurück – er bricht vielmehr mit einer alten Tradition: Zum ersten Mal in der Projektgeschichte entstand eine Platte weitgehend live im Studio mit einer kompletten Band.
Dafür hat sich Gropper ein verdammt spannendes Konzept überlegt: Er hat sich seine düstere, unterschätzte „The Lufthansa Heist“-EP aus dem Jahr 2014 geschnappt und alle fünf Songs davon (darunter „The 4:3 Days”, „Sci-Fi Gulag“ und „Staying Home“) zusammen mit neuen Stücken im staubigen Rockband-Gewand komplett neu eingespielt.
Und genau diese Energie atmet jeder einzelne Song. Die Stücke wirken offener, weniger am Reißbrett konzipiert und unheimlich körperlich. Die Gitarren dürfen laut sein, das Schlagzeug drängt nach vorn und vieles bleibt sympathisch ungeschliffen.
Trotzdem verliert Gropper nie seine unverkennbare Handschrift: Seine tief melancholischen Melodien, die gewohnt distanzierte, beruhigende Stimme und der Hang zu den ganz großen Spannungsbögen tragen mich nach wie vor durch das Album.
Schon der Opener „The 4:3 Days“ gibt mit verzerrten Gitarren und treibendem Rhythmus unmissverständlich die Richtung vor. Da blitzen plötzlich Erinnerungen an den Indie-Rock und Post-Punk der Neunziger auf – unaufgeregt, aber mit einer Energie, die man bei Get Well Soon lange nicht mehr so deutlich gespürt hat. Auch Songs wie das druckvolle „OK“ oder das fast schon nervös-treibende „When They Cheer You’re Wrong“ gehen sofort ins Blut.
Dazwischen blitzen sie aber natürlich immer wieder auf, die cineastischen Momente, für die ich das Projekt so liebe. „A Night At The Rififi Bar“ verzaubert mit warmen Bläsern und einer herrlich nächtlichen, fast filmischen Atmosphäre, während das düstere „Sci Fi Gulag“ mit tiefem Gesang eine wunderbar dunkle Farbe ins Spiel bringt.
Ein echtes Highlight ist die Re-Interpretation eines meiner Lieblingslieder, „The Pope Washed My Feet In Prison“, das sich hier meditativ aufbaut und wie das perfekte Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart wirkt.
Konstantin Gropper versucht auf „Minus The Magic“ nicht, den monumentalen Pathos zu reproduzieren. Er nutzt die Songs der alten EP als Spielwiese für eine bewusste Neuorientierung hin zu mehr Rohheit und echtem Bandgefüge. Und genau diese Reduktion steht Get Well Soon verdammt gut. Ein intensives, ehrliches Album, das laut gehört werden will.










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