Es ist Mitte Dezember und Weihnachten ist nur noch ein paar Tage entfernt. Zeit für den Jahresrückblick. Ich habe lange überlegt und abgewogen und mich am Ende selbst überrascht.

Denn oft hat es eine Platte trotz meiner Schwärmerei nicht in diese Liste geschafft. Das liegt einfach daran, dass ich mich auf die Alben konzentriert habe, die mir in diesem Jahr wirklich etwas bedeutet haben. Die mich unterhalten haben, mich zum Nachdenken, Träumen oder Mitsingen animiert haben.

Ich habe mit mir gerungen, aber am Ende habe ich es geschafft, meine Alben des Jahres zu definieren. Hier sind die zehn Longplayer, die das Jahr 2017 für mich geprägt haben.


Cigarettes After Sex -Cigarettes After Sex

Im Zentrum dieses zutiefst romantischen Albums stehen die androgyne Stimme, die tröstenden Gitarren, die schlurfenden Bassläufe und die dezenten Synthies. Irgendwo im Hintergrund sorgt das Schlagzeug sanft für den Zusammenhalt.

Mit ihrem Goth-Pop pinseln Cigarettes After Sex nicht meinen Bauch, sondern meine Seele. Und nach dem dritten, aus den tiefsten Regionen meines Körpers stammenden Seufzer war mir klar, dass ich mich Hals über Kopf in diese Musik verliebt habe. Cigarettes After Sex fordern nichts, im Gegenteil. Sie bieten mir Romantik, Melancholie, Herzschmerz, Hoffnung. Ein berauschendes und zugleich entspannentes Gefühlschaos.

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Caspian Sea Monster – Caspian Sea Monster

Weitläufiger Indie-Rock trifft hier auf wuchtigen Post-Rock. Hier und da streut die Band aus Chemnitz auch cineastische Sounds im Stil von Get Well Soon ein. Mit ihrem Debüt haben Caspian Sea Monster ein vielschichtiges, mitreißendes und emotionales Werk allererster Güte abgeliefert. Für mich eines der überzeugendsten Debüts seit langem.

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The National – Sleep Well Beast

Das komplette Album Sleep Well Beast ist zu Beginn befremdlich. Neben Gitarrensoli gibt es noch programmierte Beats, Samples und Loops zu hören. Aber mit jedem Durchlauf verdichtet sich der Sound, die ungewohnten Geräusche werden absorbiert.

Zu Beginn war ich baff, aber die Wiederholung brachte Gewöhnung und Begeisterung. Was mir besonders gut gefällt ist die Vielfältigkeit. Natürlich entfernt sich die Band auch auf ihrem siebten Studioalbum nicht meilenweit von ihrem erarbeiteten Schema, aber sie reichern die Stücke mit den bereits erwähnten Zutaten an. Am Ende liefern The National wieder einmal 12 wunderschöne Songs mit ein paar zukünftigen Klassikern.

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Belgrad – Belgrad

Das Debütalbum von Belgrad klingt nach Post-Punk, New Wave, Hamburger Schule und Post-Rock. Hier und da flackert sogar ein wenig EBM und NDW auf. Die Band aus  Berlin, Dresden und Hamburg trägt ihre Stücke ernsthaft und ohne Augenzwinkern vor. Im Osten wird gekämpft und gestorben, der verheißungsvolle Westen entpuppt sich als Fata Morgana, es wird geweint und geträumt.

Was mich an diesem Album am meisten begeistert sind die Melodien, die sich immer wieder ohne Vorwarnung aus der instrumentalen Tristesse erheben und den Liedern ein wenig mehr Dringlichkeit und manchmal sogar Hoffnung verleihen.

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Lana Del Rey – Lust For Life

Die Musik auf dem neuesten Album Lust For Life ist wieder edel und anmutig, die Texte bewegen sich zwischen Nostalgie, Glamour und Verzweiflung. Allerdings färbt das strahlende Lächeln des Covers auch auf die 16 Lieder ab: sie klingen schwungvoller und optimistischer, zumindest in Nuancen.

Zum ersten Mal hat Lana Del Rey auch ein paar Gäste eingeladen. A$AP Rocky ist gleich auf zwei Stücken vertreten; The Weeknd, SEAN ONO LENNON und Stevie Nicks sind ebenfalls mit von der Partie.

Diese Kollaborationen sind grundsolide, aber verzichtbar. Die stärksten Stücke des Albums sind für mich diejenigen, auf denen ich Lana pur geboten bekomme. Lust For Life ist das nächste rundum gelungene Album von Lana Del Rey – trotz der verzichtbaren Gäste. Schillernder Pop in Zeitlupe, nostalgisch und opulent.

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Broken Social Scene – Hug of Thunder

Auf Hug Of Thunder sind wieder unzählige Musiker am Werk: Amy Millan und Evan Cranley von den Stars, Emily Haines und James Shaw von Metric und natürlich die im Titelsong singende Feist.

Die in gemeinsamen Jam-Sessions erarbeiteten Songs sind groß, emotional mitreißend und hymnisch. Teilweise sogar überwältigend. Das zappelige Schlagzeug treibt die Songs an, die Gitarren funkeln im zu erahnenden Sonnenlicht und die Melodiebögen sind stellenweise von ergreifender Schönheit.

Mit Hug of Thunder haben es Broken Social Scene geschafft, eine perfekte Balance zwischen nervöser Energie, zärtlichen Melodien und ausgereiften Refrains zu finden. Die sieben Jahre lange Wartezeit hat sich gelohnt!

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Slowdive – Slowdive

Slowdive klingen auf ihrem neuen Album erstaunlich frisch und gradlinig, mit flirrenden Gitarren und magischen Melodien. Die moderne digitale Produktionstechnik lässt ihren Sound glasklar klingen, zumindest für Shoegaze-Verhältnisse. Auch die Stimmen von Neil Halstead und Rachel Goswell harmonieren immer noch ganz ausgezeichnet.

Slowdive steckt voller magischer Momente. Besonders angetan hat es mir die Beiläufigkeit, mit der die Melodien sich hier aus den Gitarrenwänden herausschälen. Ich bin von diesem Album überwältigt und schwanke während des Hörens zwischen Freude, Melancholie und Euphorie.

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Kraków Loves Adana – Call Yourself New

Melodiöse E­-Gitarren, eine Vorliebe für Horror-Filme und stets ein Hang zur geheimnisvollen Inszenierung. Das Hamburger Duo legt Wert auf einen düsteren, aber dennoch klaren und zeitlosen Klang.

Die warme Instrumentierung steckt voller Details und bildet das perfekte Fundament für das einnehmende, dunkle Timbre von Ängerin Deniz Cicek. Anfänglich war mir ihre Stimme in manchen Passagen zu aufdringlich, aber mit der Zeit relativierte sich dieser Eindruck.

Denn von dieser Stimme geht die Faszination aus, die dieses Album zu etwas Besonderem macht. Ihre Gesangslinien sind durchzogen von Wehmut, Melancholie, Hoffnung, Verzweiflung und Liebe.

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Death From Above – Outrage! Is Now

Sebastien Grainger und Jesse Keeler verzerren immer noch den Bass, treiben ihre verschwitzten Songs kraftvoll voran und drücken auf die Tanzfläche. Doch es klingt alles sowohl kontrollierter als auch vielfältiger.

Vielleicht liegt das in der neuen Lockerheit begründet. Beim Vorgänger spürten sie den Druck, es nach dem stürmischen Debüt noch einmal allen beweisen zu müssen. Die beiden sind jetzt allerdings keine Jungspunde mehr, sondern gestandene Männer, und das befreit scheinbar.

Zum Glück geht diese neue Lockerheit aber nicht zu Lasten der Dringlichkeit. Denn auch wenn die neuen Stücke komplexer und vertrackter klingen, sie sind immer noch derbe zupackend.

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Radiohead – OK Computer OKNOTOK 1997-2017

Ich stelle mir gerade vor, wie du mit den Augen rollst und denkst “Jetzt kommt der feine Herr mit so einer alten Platte daher!”, aber damit kann ich gut leben. Denn auch wenn OK Computer von Radiohead bereits 20 Jahre alt ist, handelt es sich um eines der besten Alben, wenn gar nicht gar um das beste Album, welches ich gehört habe.

Und da diese Neuauflage zum 20. Geburtstag auch noch mit einer Hand voll B-Seiten und den drei bisher unveröffentlichten Stücken I Promise, Man of War und Lift daher kommt, war ein Platz in meinen Top Ten unvermeidlich.


Die Alben des Jahres 2017 – die Playlist

Falls du eines der Alben nicht kennen solltest, habe ich dir eine Playlist zusammengestellt. Hier habe ich meine Alben des Jahres komplett hinzugefügt, damit du dir einen umfänglichen Überblick verschaffen kannst.

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14 KOMMENTARE

  1. Wieder mal eine tolle Zusammenstellung. Auch wieder mit dem einen oder anderen Album, das mir sonst “durchgerutscht” wär.
    Ich bin so frei und werf noch drei, vier Platten in den Raum, die mich 2017 bewegt haben. Ja ich weiß, es geht hier um deine Lieblingsplatten, aber vielleicht ist da ja auch ein missing link für dich dabei:
    King Krule – The OOZ // LCD Soundsystem – american dream // Fotos – Kids // Lea Porcelain – HYMNS TO THE NIGHT // Love A – Nichts ist neu

    • Danke, Markus!
      Sicher geht es um meine Lieblingsplatten, aber mich interessiert natürlich trotzdem, welche Platten du (als mein Leser) gerne gehört hast. Lea Porcelain, LCD Soundsystem und King Krule waren auch bei mir nahe an den Top Ten. Fotos und Love A sind mir irgendwie durchgerutscht.

  2. Eine sehr schöne Liste! Ich wundere mich, dass Manchester Orchestra es gar nicht in die Top 10 geschafft haben – die hattest Du ja doch ziemlich hochgelobt (zu Recht).

    “OK Computer” wäre bei mir, wenn ich es berücksichtigt hätte, Platz 2 geworden. Mir schien es aber etwas dubios, so eine Neuauflage als “richtiges” neues Album zu bewerten. 🙂

  3. Von Deinen Tipps haben mir dieses Jahr auch Lea Porcelein und Manchester Orchestra besonders gut gefallen. Hatte sie ebenfalls auf Deiner Endausscheidungsliste erwartet. 😉
    Für mich war dieses Jahr noch ein Highlight: Balmorhea – Clear Language.

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