Deadletter haben keine Lust auf einfache Antworten. Schon der Titel ihres zweiten Albums Existence Is Bliss klingt wie eine Behauptung, die sofort hinterfragt werden will. Existieren reicht nicht, sagen sie. Es geht ums Handeln, ums Aushalten, ums Reiben an einer Welt, die zunehmend widersprüchlich wirkt. Diese Haltung prägt das Album inhaltlich wie musikalisch.
Musikalisch bauen Deadletter auf dem Fundament ihres Debüts Hysterical Strength auf, verschieben den Fokus aber deutlich. Wo früher vor allem rohe Post Punk Dringlichkeit regierte, öffnen sie ihren Sound nun weiter. Saxofon, Synths und verspieltere Strukturen drängen stärker in den Vordergrund, ohne den Kern der Band zu verwässern. Die Songs nehmen sich Zeit, entwickeln sich langsam, wirken oft bewusst sperrig. Das fordert Aufmerksamkeit, lohnt sich aber.
Der Opener Purity I gibt die Richtung vor. Ein nervöser Puls, ein unterschwellig treibender Beat, darüber Zac Lawrences nüchterner, fast beschwörender Gesang. To The Brim gehört zu den zugänglicheren Stücken. Das verspielte Intro täuscht kurz Leichtigkeit an, bevor sich der Song nach unten zieht. Bläser und Rhythmus geraten hier bewusst aneinander, was eine Spannung erzeugt, die den Track trägt.
Überhaupt ist das Saxofon auf Existence Is Bliss mehr als ein Gimmick. Es kommentiert, stört, verstärkt. In Focal Point arbeitet es sich förmlich gegen die Gitarren, reibt sich an ihnen, bis der Song eine fast mechanische Wucht entwickelt. Andere Stücke wie What The World Missed oder Meanwhile in a Parallel sind zurückgenommener, fast balladesk, wirken aber nie gemütlich. Zu groß ist das Unbehagen, das unter der Oberfläche lauert.
Thematisch kreist das Album um Überforderung, Selbstbehauptung und die Frage, wie man inmitten all dessen nicht passiv wird. Lawrence formuliert das nicht plakativ, sondern in dichten Bildern und Beobachtungen, die hängen bleiben. Die Musik spiegelt diese Anstrengung. Sie ist selten sofort greifbar, manchmal bewusst anstrengend, dann wieder überraschend elegant.
Existence Is Bliss fordert Geduld und Bereitschaft zur Auseinandersetzung. Nicht jeder Spannungsbogen sitzt, manche Ideen wirken eher angerissen als ausgespielt. Deadletter wollen nicht gefallen, sondern etwas verhandeln. Genau das macht dieses Album interessant und auf lange Sicht wirkungsvoll.










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