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Holy Esque – Television/Sweet (Review)

Holy Esque klingen auf ihrem zweiten Album druckvoller, dynamischer und dramatischer als auf ihrem Debüt.

2012 entdeckte ich die Band aus Glasgow und war sofort fasziniert von ihrer Musik. Vor allem die Stimme des Sängers Pat Hynes hatte es mir angetan: eine Mischung aus Ellery Roberts von Wu Lyf, Adam Stephens von Two Gallants und einem irritierenden Vibrato.

Dieser eigenwillige Gesangsstil wird getragen von einer im Post-Punk verwurzelten Instrumentierung. Gitarren werden eng, ja beinahe radikal mit Synthies verflochten, die Melodien wirken leicht unterkühlt, die Rhythmusarbeit ist gradlinig und der Bass treibend.

Diesen Stil haben sie noch weiter ausgearbeitet und ein paar Facetten hinzugefügt. Die Synthies brechen hin und wieder aus dem Gesamtgefüge aus und überraschen mit geschickten Akzenten (House of Hounds).

Television/Sweet präsentiert sich düsterer und weniger offensichtlich als der Vorgänger. Da wird die Spannung wie bei Give Me Your Stillness auch mal über drei Minuten gehalten, ohne dass sie sich entlädt. Holy Esque brechen hier nicht nur mit der Erwartung, sondern sie verstehen es geschickt, eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen.

Diese Atmosphäre zieht sich durch die 11 Songs. Television/Sweet ist nicht direkt eine politische Platte, aber man spürt, dass sich in den vergangenen zwei Jahren eine Menge verändert hat. Und dass die Band hier viele Eindrücke und Empfindungen verarbeitet.

Wie passen wir uns als Gesellschaft und als Individuen an eine Welt an, welche sich in rasantem Tempo politisch verändert? Die Songtitel sprechen hier eine deutliche Sprache: Modern Tones, Belly Full Of Dread, Filth Or Passion, To The Cage You Go, Anxiety.

Angst, Unsicherheit und Schwarzmalerei also? Ist das nicht eine Spur zu düster? Nun, so hoffnungslos ist Television/Sweet dann nicht. Noch blicken wir nur in den Abgrund, und es ist immer noch genug Platz am Rand der Klippe, um zu tanzen.

Holy Esque ist ein dichtes und dramatisches Zweitwerk gelungen, welches ihr grandioses Debüt in Sachen Intensität übertrifft.


4 Antworten auf „Holy Esque – Television/Sweet (Review)“

Mal wieder eine grandiose Musikempfehlung! Läuft hier jetzt in Schleife.

Mich erinnert die Stimme sehr an eine Mischung aus Isaac Brock und Omar Rodríguez-López. Auf jeden Fall schön schräg.

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