Naked Lunch – Lights (and a Slight Taste of Death)

Naked Lunch stammen aus Klagenfurt in Österreich, einer Stadt, die auf den ersten Blick nicht nach Musikmetropole klingt. Doch gerade aus dieser Abgeschiedenheit hat die Band seit den frühen Neunzigern eine unverwechselbare Sprache entwickelt.

Zwölf Jahre hat es nun gedauert, bis sich Naked Lunch mit einem neuen Album zurückmelden. Lights (and a Slight Taste of Death) ist mehr als ein spätes Lebenszeichen. Es ist ein wuchtiges Bekenntnis und ein Werk über das Überleben selbst. Oliver Welter, inzwischen einzig verbliebenes Gründungsmitglied, hat in dieser Zeit viel erlebt: Krankheit, Vaterwerden, Neuanfänge. All das klingt hier mit, mal laut, mal leise, immer schonungslos.

Der Auftakt To All and Everyone I Love ist ein großes „Ich bin noch da“. Klavier, Bläser und ein hymnischer Refrain, der die Arme ausbreitet und die Welt umarmen will. Eine Liebeserklärung an das Leben, die Kunst und die Menschen. Überbordend, aber aufrichtig.

We Could Be Beautiful denkt diese Idee weiter. Der Song beginnt mit Dissonanz, fast gebrochen, bis sich eine trügerische Hoffnung Bahn bricht. Licht fällt durch die Wolken, aber Welters Stimme bleibt müde, als traue sie dem Frieden nicht ganz.

Zwischen diesen Polen bewegt sich das Album. Go Away entfaltet sich wie ein Sturm. Donnerndes Schlagzeug, fiepende Elektronik und eine Energie, die sich am Ende selbst verschlingt. Blackbird zieht sich enger zusammen, baut Spannung auf und wirkt zugleich verletzlich und unruhig.

Doch Lights (and a Slight Taste of Death) kennt auch Stille. Only Hollow dauert kaum zwei Minuten, ein fast skizzenhaftes Stück aus Hall, Stimme und Zerbrechlichkeit. Noch stiller wird es in Come Into My Arms, einer offenen Ballade mit Orgel und Zeilen, die so direkt sind, dass sie fast wehtun.

In If This Is the Last Song You Can Hear entlädt sich schließlich alles, was sich zuvor aufgestaut hat. Das kreischende Saxofon klingt, als würde jemand Munchs „Schrei“ in Musik verwandeln. Dazwischen tauchen immer wieder kleine Brüche, jazzige Ausreißer und elektronische Störungen auf. Es ist Musik, die keine Angst vor Übertreibung hat.

Am Ende steht Going Underground. Ein Abschied und eine Rückkehr zugleich. Der Orpheus-Mythos wird zum Sinnbild: Wer hinabsteigt, darf vielleicht nicht alles behalten, kommt aber verändert zurück.

Naked Lunch gelingt mit Lights (and a Slight Taste of Death) ein Album voller Widersprüche. Es ist wuchtig und zart, dunkel und hell, erschöpft und lebendig. Manchmal zu viel, manchmal fast zu nah, aber immer echt.


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