The Notwist – News From Planet Zombie

The Notwist gehören zu den wenigen Bands, die sich über Jahrzehnte hinweg immer wieder verändern und dabei trotzdem sofort erkennbar bleiben. Auch auf „News From Planet Zombie“ funktioniert dieses Prinzip erstaunlich gut.

Fast vier Jahrzehnte nach ihrer Gründung sind Markus und Micha Acher immer noch der Kern der Band. Vieles hat sich im Laufe der Jahre verschoben, erweitert oder neu sortiert. Vom frühen Gitarrenlärm bis zu den elektronisch geprägten Alben der späteren Jahre hat sich der Sound immer weiter geöffnet. Das neue Werk schlägt nun eine andere Richtung ein. Zum ersten Mal seit Mitte der neunziger Jahre wurde ein Notwist Album wieder weitgehend live eingespielt.

Der Aufnahmeort spielt dabei eine wichtige Rolle. Statt eines abgeschotteten Studios entstand die Platte im Münchner Kulturzentrum Import Export. Ein Raum, der gleichzeitig Kantine, Veranstaltungsort und Treffpunkt ist. Freunde und Musiker kamen vorbei, spielten mit, hörten zu. Dieser offene Rahmen prägt den Klang des Albums deutlich. Vieles wirkt unmittelbarer, weniger kontrolliert und gleichzeitig erstaunlich warm.

Der Opener „Teeth“ setzt gleich den Ton. Eine ruhige, leicht schwebende Stimmung, Markus Achers fragile Stimme im Mittelpunkt, umgeben von Klarinetten, Percussion und warmen Synthflächen. Vieles wirkt vorsichtig und tastend, als würde sich die Musik erst langsam entfalten.

Mit „X-Ray“ zieht das Tempo dann spürbar an. Nervöse Gitarren, leicht schiefe Flötenlinien und ein Rhythmus, der ständig in Bewegung bleibt. Einer der lebendigsten Songs des Albums, der auch live hervorragend funktionieren dürfte.

Überhaupt lebt „News From Planet Zombie“ stark von diesen kleinen Verschiebungen. „The Turning“ entwickelt einen überraschend treibenden Groove, während Stücke wie „Snow“ oder „Projector“ deutlich ruhiger bleiben und eher auf Atmosphäre setzen. Immer wieder tauchen ungewöhnliche Instrumente auf und erweitern den Sound der Band auf subtile Weise.

Überraschend sind auch zwei Coverversionen. „Red Sun“ von Neil Young fügt sich mit seiner bläserreichen Instrumentierung erstaunlich selbstverständlich in den Sound des Albums ein. „How The Story Ends“, ursprünglich von der Folkband Lovers, wirkt etwas kantiger und sorgt kurz vor Schluss noch einmal für Unruhe.

Insgesamt bewegt sich „News From Planet Zombie“ meist im mittleren Tempo. Große Ausbrüche sind selten. Stattdessen entsteht Spannung durch Details im Arrangement.

Was dieses Album letztlich so stark macht, ist seine Offenheit. Nach Jahren, in denen The Notwist ihre Musik oft sehr sorgfältig im Studio zusammengebaut haben, wirkt „News From Planet Zombie“ deutlich unmittelbarer. Man hört den Raum, die Instrumente, das Zusammenspiel.

Vielleicht ist genau das auch die eigentliche Botschaft der Platte. In einer Zeit, in der vieles digital und isoliert passiert, setzen The Notwist auf etwas sehr Einfaches: Menschen, die gemeinsam in einem Raum Musik machen.

Und genau deshalb fühlt sich dieses Album trotz aller Melancholie erstaunlich lebendig an.


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