Jetzt, wo mein Umzug nach Österreich nicht einmal mehr drei Wochen entfernt ist, kommen die Erinnerungen hoch. An die Stadt Berlin, die tollen Zeiten, die unvergesslichen Erlebnisse. Und da es hier auf nicorola.de nicht nur um Musik, sondern auch um mich geht, dachte ich mir, ich lasse euch ein wenig an meinem Rückblick teilhaben.

Berlin: ein Rückblick. Teil 1.
Berlin: ein Rückblick. Teil 2.

Von der Arbeitslosigkeit, der eigenen Musik und den Anfängen als Blogger

Nach der Insolvenz war die Luft raus. In meiner Erinnerung wurden zwar noch diverse Rettungsversuche unternommen, aber die scheiterten. Die Projekte der Firma waren zwar visionär, aber brachten zu wenig Geld. Mitte November wurden wir bis zum Ende des Jahres freigestellt. Mein Mitbewohner/Kollege und ich hatten dann noch die undankbare, aber finanziell lukrative Aufgabe, sämtliche Daten auf allen Rechnern zu löschen. Das war schon ein wenig gespenstisch, so zu zweit in einem Schloss den ultimativen Schlussstrich unter eine Firma zu setzen.

Ich brauchte eine Pause. Da ich genug gearbeitet hatte, gönnte ich mir auf Kosten der Allgemeinheit ein halbes Jahr Arbeitslosigkeit. Ganz untätig war ich freilich nicht, ich beendete noch ein Projekt für die Stella AG, welches wir bei der echtzeit angefangen hatten. Aber ich ließ mir dann bis zum Sommer Zeit, um mir zu überlegen, was ich jetzt gerne machen wollte. Ich vertiefte meine Kenntnisse in der Musiksoftware Reason und produzierte viele Songs und Skizzen.

Foto: Robert Agthe, CC-Lizenz
Bersarinplatz, Foto: Robert Agthe, CC-Lizenz

Im Sommer 2002 zog ich dann mit meiner Freundin zusammen. Sie wohnte in der Rigaer Straße direkt am Bersarinplatz, und da ihre Mitbewohnerin (die bereits erwähnte gute Freundin, dessen Bruder mein Mitbewohner war) gerade ausgezogen war, lag nichts näher, als zu ihr zu ziehen. Unsere Wohnung war knapp 80m² groß und besaß zwei große Räume. Durch den verbindenden Balkon konnte man den ganzen Tag im Kreis laufen. Rund um den Bersarinplatz war es ziemlich trostlos. Aber wir hatten mit der Tram 20 (jetzt Partytram M10) und der U5 am Frankfurter Tor eine sehr gute Verkehrsanbindung. Und die Rigaer Straße hatte einen Ruf und ehemals ein paar besetzte Häuser. Das war es dann aber auch. Wir fuhren im Sommer in den Friedrichshainer Volkspark, gingen ins Kosmos (das war seinerzeit noch ein Kino), fuhren nach Mitte zum Shoppen.

In etwa dieser Zeit suchte ich mir auch einen neuen Job. Das lief genau so ab: ich dachte mir “Kannst dir ja mal wieder einen Job suchen.” und schlug die Zitty auf. Denn dort waren zu der damaligen Zeit noch gute Jobangebote inseriert. Ich fand genau eine passende Anzeige, bewarb mich und wurde genommen. Das Leben kann so einfach sein! Ab sofort war ich Grafiker bei der product+concept GmbH. Die Abteilung war recht groß, zu Spitzenzeiten waren wir zu siebt. Wir betreuten die Online-Shops für BP und Aral und auch diverse Versuche, mit Medien und Elektronikartikeln in den Tankstellen Fuß zu fassen. Nachdem der Erdölkonzern ausstieg, stand eine Verkleinerung und ein Umzug der Firma an. Übrig blieben drei Grafiker. Einer davon war ich.

Wir arbeiteten dann in Mitte für Kunden wie die Telekom, Fujitsu Siemens oder Vobis. Insgesamt beruflich eine gute Zeit. Ich produzierte weiter eigene Musik und landete damit auf dem Leipziger Netlabel one bit wonder. Eine aufregende Zeit für mich, denn es gab viel positives Feedback. Mein persönliches Highlight: irgendwann spielte Johnny Häusler einen meiner Songs im Radio, in der Sendung Trackback auf Radio Fritz. Ich machte allerdings nichts aus diesen Anfängen, denn meine Fähigkeiten waren nur eingeschränkt und ich bin mit Sicherheit keine Rampensau oder ein Selbstvermarkter.

Allerdings richtete ich ebenfalls zu dieser Zeit meine eigene Domain ein. Sie sollte vor allem als Plattform für meine Songs dienen. Anfangs noch strikt auf HTML und CSS basierend wechselte ich bald zu WordPress, mit dem ich und mein ehemaliger Mitbewohner schon unter der Domain flimmerzimmer.de (richtig, die alte URL unserer ehemaligen Firma) gute Erfahrungen gemacht hatten. Im Juni 2004 entdeckte ich dann allerdings das Potential dieser Software und den Spaß am Bloggen. Nicorola in seiner jetzigen Form war geboren. Zu Anfang schrieb ich zwar nur mehr oder weniger belangloses Zeug, und auch die Frequenz war eher bescheiden, aber nach ein paar Monaten war ich angefixt und nahm richtig Fahrt auf.

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