Car Seat Headrest – Making A Door Less Open

Ein überraschendes Album, auf welchem die außergewöhnlichen Qualitäten des Songwriters Toledo auf elektronische Bassdrum und den Sägezahn treffen.

Im Jahr 2010 begann der Teenager Will Toledo Songs aufzunehmen und sie unter dem Namen Car Seat Headrest bei Bandcamp zu veröffentlichen. Dort erschienen in knapp 18 Monaten sieben Alben, von denen das letzte Twin Fantasy hieß.

Gerade letzteres verschaffte dem jungen Musiker viele neue Fans. Toledo veröffentlichte zwei weitere Alben, und dann unterschrieb er bei dem legendären Indie-Label Matador. Dort erschien dann Teens Of Denial, welches großartige Kritiken erhielt und Toledo zu einer Art Indie-Star machte.

Nachdem er Twin Fantasy mit ein wenig Geld noch einmal aufnahm und 2018 veröffentlichte, erscheint mit Making A Door Less jetzt eine Sammlung, welche die ersten neuen Songs seit dem 2016er Album Teens Of Denial liefert.

Die Tracks entstanden in den letzten vier Jahren als Kollaboration zwischen Car Seat Headrest und 1 Trait Danger, einem elektronischen CSH-Nebenprojekt, bestehend aus dem CSH-Drummer Andrew Katz und Toledos Alter Ego Trait.

So wurde das Album letztlich doppelt aufgenommen: einmal live in voller Bandbesetzung mit Gitarren, Schlagzeug und Bass und einmal in einer MIDI-Version, nur mit synthetisch erzeugten Sounds. Durch den Mix wurden die beiden Ansätze dann miteinander verflochten und um zusätzliche Aufnahmen ergänzt. (Die physischen und digitalen Versionen der Platte unterscheiden sich auch in Mix und Titelliste geringfügig; diese Rezension befasst sich hauptsächlich mit der digitalen Veröffentlichung). 

Das Ergebnis ist ein überraschendes Album, auf welchem die außergewöhnlichen Qualitäten des Songwriters Toledo auf elektronische Bassdrum und den Sägezahn treffen. Das in dieser Hinsicht wohl gelungenste Stück ist Deadlines (Thoughtful).

Ich mochte den Song am Anfang überhaupt nicht. Mir war das zu platt, ich habe so etwas von Car Seat Headrest einfach nicht erwartet. Ein stumpfer Beat, ein nerviger Synthie und mein Geduldsfaden… eine schlechte Kombination. Aber nach knapp einer Minute setzte ein Sound ein, der mich an Captain Future erinnerte, und ich gab dem Stück noch eine Chance.

Es ist schon erstaunlich, wie Toledo mit seinem Gesang und der Melodie auch diesem elektronischen Gerüst seinen Stempel aufdrückt. Das abschließende Oh, compassion It’s transforming me into, begleitet von einem digitalen Fingerschnippen, bleibt dann fast unweigerlich hartnäckig im Ohr hängen. Das dann direkt im Anschluss die rein akustische “Ballade” What’s With You Lately folgt, ist nicht nur ein großer Bruch, sondern auch großes Kino. 

Aber es gibt auch Songs, die eher nach den bisherigen Alben von Car Seat Headrest klingen, nur eben mit elektronischen Versatzstücken. Life Worth Missing oder Can’t Cool Me Down sind dafür perfekte Beispiele.

Der große Hit des Albums aber ist Martin. Mit seinem stolpernden Schlagzeug und dem packenden Gitarrenspiel erinnert es an den frühen Beck, bietet einen tollen Refrain und zum Ende sogar eine Trompete und eine Gesangsmelodie, die ich so schnell nicht wieder los werde.

Von ganz anderem Kaliber ist There Must be More Than Blood, das mich ein wenig an Black Rebel Motorcycle Club erinnert. Ein stoischer Song, über 7 Minuten lang, keine davon langweilig. 

Making A Door Less Open kehrt dem wunderbar stimmungsvollen Indie-Rock der vergangenen Car Seat Headrest-Alben ein wenig den Rücken, aber die stärkere Konzentration auf elektronische Elemente stellt eine interessante stilistische Weiterentwicklung der Band dar. Und Will Toledos Songwriting bleibt so stark und überzeugend wie eh und je.


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