In meiner Jugend war ich dem Heavy Metal verfallen. Meine bevorzugten Spielarten waren Death- und Thrash Metal, möglichst aggressiv und mit heruntergestimmten Gitarren. Auch heute unternehme ich immer wieder einmal Ausflüge in diese düstere Welt, auch wenn ich sie heute natürlich anders wahrnehme. Mit einer Spielrichtung konnte ich allerdings nie so recht etwas anfangen: Black Metal.

Doch dann kamen Deafheaven vor zwei Jahren mit ihrem Album „Sunbather“. Auch auf diesem Album gab es Blastbeats und Gekrächze, aber auch verdammt großartige Kompositionen. Denn Deafheaven spielen keinen lupenreinen Black Metal, sondern kreuzen diesen auf geniale Weise mit Post Rock- und Shoegaze-Elementen. Und sie schaffen es trotz aller Härte gefühlvoll zu klingen, so albern das jetzt auch klingt.

Vielleicht war dies auch der Grund dafür, dass sie sich aus dem Kreis der Black Metal Fans so einiges anhören mussten. Wie konnten sie zu dieser wundervoll aggressiven Musik nur Shoegaze-Elemente hinzufügen! Hipster! Außerhalb dieser konservativen Szene wurde das Album allerdings sehr positiv aufgenommen. Blackgaze hieß dann auch das schnell aus dem Hut gezauberte Genre.

Zwei Jahre später liefert die Band um Hauptsongwriter Kerry McCoy wieder einen Brocken mit dem Titel „New Bermuda“. Und es handelt sich nicht um „Sunbather 2“, soviel wird relativ schnell klar.

Auf “Sunbather” ging es inhaltlich darum, dass man im Leben etwas erreicht hat, aber unfähig ist, mit der erreichten Position irgendetwas anzufangen. In „New Bermuda“ geht es um das Erkennen dieser Situation und den Aufbruch in das Unbekannte. Immer mit der Hoffnung, nicht völlig auf die Fresse zu fallen.

Musikalisch geht es hier kompromissloser als auf dem Vorgänger zu. Die Shoegaze- und Post-Rock-Passagen wurden reduziert. Natürlich bricht immer wieder einmal die Sonne durch die schwarze Wolkendecke (grandios: die letzten Minuten von „Come Back“), aber insgesamt ist hier alles sehr viel gradliniger.

In den fünf jeweils fast zehnminütigen Songs geht es also richtig zur Sache. Das ist immer noch ziemlich beeindruckend, aber mir persönlich gefielen die ausschweifenden Kompositionen auf „Sunbather“ eine ganze Ecke besser.

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