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Die Spex. Die neue.

spex

Das ist schon so eine Sache mit mir und der Spex. Kennengelernt habe ich sie 1995, durch meinen damaligen Mitbewohner. In seinem Zimmer lagen eigentlich überall rund um das alte, abgewetzte Sofa herum alte und neue Ausgaben der Musikzeitschrift.
Anfangs habe ich immer nur geblättert, später habe ich die eine oder andere Plattenkritik überflogen und versucht, sie zu verstehen. Ganze Artikel habe ich erst nach und nach gelesen, und grösstenteils fand ich einfach keinen Zugang zum Inhalt.

Nach der Auflösung der WG verlor ich die Spex aus den Augen. Ich interessierte mich mehr für elektronische Musik, und die passierte mir dort zu wenig. Irgendwann vor ein paar Jahren, kurz bevor ich mit diesem Blog startete, entdeckte ich die Visions für mich. Eigentlich bot und bietet sie für meinen Geschmack alles was ich von einer Musikzeitschrift erwarte. Die Spex war mir eher egal, nur wenn ich sie im Kiosk beseite räumen musste, um an die Visions zu kommen, dann hat sie mich eher gestört.

Vor ein paar Wochen dann der Neuanfang. Die Redaktion ist nicht mehr die alte, die Räume jetzt in Berlin. Durch die Berichte über den Umzug war auf einmal mein Interesse geweckt. Die erste Ausgabe: Maximo Park auf dem Cover, ein völlig misslungenes Editorial, viel zu wenige und unzureichende Plattenrezensionen, gewöhnungsbedürftige Typografie, der ein oder andere gelungene Artikel, viel uninteressantes. Für mich war hier die Nervosität, der Umzug, der Wechsel und der gewagte Neuanfang auf jeder Seite spürbar. Eine Ausgabe auf wackeligen Beinen. Durch den neuartigen Erscheinungsrhythmus hatte ich nun 2 Monate Zeit, meine Eindrücke sacken zu lassen. Ich entschloss mich, der folgenden Ausgabe noch eine Chance zu geben.

Um es kurz zu machen: viel besser. Zwar sind die Rezensionen immer noch unbefriedigend, aber das ist so gewollt. “Mit weniger Rezensionen, die sich auf rund dreißig relevante Veröffentlichungen konzentrieren, möchten wir den Leserinnen und Lesern die Möglichkeit geben, sich intensiver mit einer Platte beschäftigen zu können. (Editorial)” Schade. Ich liebe es, immer wieder durch Plattenrezensionen zu blättern, hier und da hängen zu bleiben und vielleicht die ein oder andere Neuveröffenlichung zu entdecken, die ich vorher übersehen habe.

Nun gut. Trotz dieses Mankos bleiben für mich eine Menge interessanter Artikel. Die Ausgaben der Kölner Redaktion habe ich nie in den Händen gehabt, ich kan also keinen Vergleich anstellen. Was besser oder schlechter ist, welche Werte verloren gingen oder wie umfangreich und gut geschrieben die Plattenkritiken bisher waren, all das kann ich nicht beurteilen. Eines aber weiss ich: ich lese die neue Spex gerne. Zwar werde ich kein Abonnent, aber zumindest wird man mich alle 2 Monate am Kiosk beim Durchblättern beobachten können.