mary in the junkyard – Role Model Hermit

Das Londoner Trio mary in the junkyard hat sich in den vergangenen Jahren mit EPs und unzähligen Konzerten einen Namen gemacht. Nun erscheint das erste Album, und es klingt, als hätte die Band schon deutlich länger nach genau diesem Sound gesucht.

Eine eindeutige Schublade gibt es dafür allerdings nicht. Art Rock trifft es nur bedingt. Folk, Grunge, Kammerpop und Indie Rock kommen mir ebenso in den Sinn wie Math Rock und Post Rock.

Das Erstaunliche dabei ist, wie selbstverständlich all diese Elemente ineinandergreifen. Nichts wirkt verkopft oder beliebig. Stattdessen entwickelt das Album einen ganz eigenen Sog.

Schon der Opener „Mantra III“ setzt den Ton. Handperkussion, Viola und Clari Freeman Taylors eindringliche Stimme kreisen um eine einzige Zeile, die sich immer weiter festsetzt. Viel passiert zunächst nicht, und doch zieht einen der Song unmittelbar hinein. Er macht deutlich, dass „Role Model Hermit“ kein Album für schnelle Höhepunkte ist. Es lebt von Atmosphäre, Geduld und kleinen Verschiebungen.

Mit „Blood“ und „Seek And Destroy“ nimmt die Platte anschließend Fahrt auf. Die Gitarren werden kantiger, das Schlagzeug drängender, während Freeman Taylors Gesang zwischen Zerbrechlichkeit und eruptiver Kraft pendelt. Immer wieder entstehen dabei Melodien, die sich wie selbstverständlich aus dem dichten Geflecht aus Streichern, Gitarren und Rhythmus herausschälen.

Zu den Höhepunkten gehört „New Muscles“. Der Song verbindet einen beinahe tanzbaren Groove mit ungewöhnlichen Percussionideen und einer Basslinie, die sofort hängen bleibt. Noch beeindruckender gelingt „Crash Landing“. Streicher, Harmonium und Gitarren bauen eine fast filmische Spannung auf, während sich der Song langsam entfaltet. Hier zeigt die Band ihr Gespür für Dynamik und Arrangement besonders eindrucksvoll.

Überhaupt liegt eine der großen Stärken des Albums in seiner Balance. Auf die größeren, beinahe überwältigenden Momente folgen immer wieder reduzierte Stücke wie „Candelabra“, das fast ausschließlich von Stimme und akustischer Gitarre getragen wird. Gerade diese Ruhe verleiht dem Album zusätzliche Tiefe.

Auch gegen Ende verliert „Role Model Hermit“ nichts von seiner Spannung. Das düstere „Thou Shalt Sprout“ greift Motive aus alten Volksmärchen auf, während „Mouse“ das Album mit weit geöffneten Klangflächen und beinahe postrockiger Größe abschließt. Die Musik wächst hier immer weiter, ohne jemals ins Pathetische abzurutschen.

„Role Model Hermit“ ist eines der beeindruckendsten Debüts der vergangenen Jahre. Weil mary in the junkyard nicht versuchen, möglichst vieles gleichzeitig zu sein, sondern all ihre Einflüsse zu einem erstaunlich geschlossenen Ganzen verbinden. Das Ergebnis ist experimentell, zugänglich und voller Ideen. Ein Album, das sich nicht beim ersten Hören erschließt, dafür aber mit jedem Durchlauf weiter wächst.


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