Ilgen-Nur – Power Nap

Lässig gespielte Gitarren, druckvolle Drums und die immer im Zentrum stehende Stimme sind die Zutaten für die unaufgeregten Hymnen, die nur ein paar Durchläufe brauchen, um hängen zu bleiben.

Nachdem Ilgen-Nur, deren Wuzeln im Stuttgarter Raum liegen, nach Hamburg gezogen ist, ging alles ganz schnell. Die erste EP No Emotions erschien 2017. Bald danach spielte sie schon als Vorband von Tocotronic. Auf dieser Tour durfte ich die Musikerin auf der Bühne sehen, und ich war von ihren Songs durchaus angetan, auch wenn es mir immer ein wenig schwer fällt, Live-Songs beim ersten Hören einzuordnen.

Dieser positive Eindruck verstärkte sich in den folgenden Monaten, denn die Singles In My Head und Easy Way Out überzeugten mich. Für ihr Debütalbum hat Ilgen-Nur mit Produzent Max Rieger (Die Nerven) zusammengearbeitet. Auf Power Nap verbindet sie spielend lässigen Indiepop mit Slacker-Rock-Attitüde und DIY-Ästhetik. Musikalisch erinnert das an Snail Mail, Courtney Barnett, Pavement oder Kurt Vile.

Aber das sind nur grobe Referenzen für diese wundervollen Songs. Zwischen dem treibenden Bass des Openers In My Head und dem letzten Piano-Akkord von Deep Thoughts passiert viel. Lässig gespielte Gitarren, druckvolle Drums und die immer im Zentrum stehende Stimme sind die Zutaten für die unaufgeregten Hymnen, die nur ein paar Durchläufe brauchen, um hängen zu bleiben.

Ilgen-Nur singt von ihren Gefühlen, ihren Ängsten und Wünschen. Es ist halt einfach kompliziert, erwachsen zu werden. Wie verarbeitet man am besten Liebeskummer? Sollte man besser eine Zeit lang mit sich selbst verbringen oder doch die Gemeinschaft suchen? Vor dem Fernseher abhängen oder lieber ausgehen?

Alltägliche Fragen, vorgetragen mit Dringlichkeit und verpackt in wundervolle Melodien: Power Nap ist ein rundum gelungenes Debüt.


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