Kritik: Jamie T – Carry On The Grudge

Jamie T ist zurück. Nach dem grandios vor sich hin rumpelnden Debüt mit seinen unzähligen Samples und vielen kleinen Hits folgte mit “Kings & Queens” der zweite Streich. Auch dort haute er uns ein Sample nach dem anderen um die Ohren, packte eine großartige Melodie dazu und trug in seiner schnoddrigen Art seine Lebensweisheiten vor. Das klang zwar nicht mehr ganz so erfrischend und unbedarft wie auf dem Debüt, war aber immer noch einnehmend und mitreißend. Knappe fünf Jahre meldet er sich mit Album Nummer drei zurück. Auf “Carry On The Grudge” ist die lieb gewonnene Schnoddrigkeit fast vollständig verschwunden. Statt Songs, welche mit kräftigem Cockney-Akzent und Sprechgesang vorgetragen werden, gibt es hier gebügelte Popsongs und Balladen mit Streichersätzen und richtigem Gesang. Die wenigen Uptempo-Songs wie etwa “Zombie” kommen dann leider etwas kalkuliert daher. Jamie T hat hier auf jeden Fall einen kleinen Ohrwurm gezaubert, aber die nonchalante Lässigkeit des Vortrags wirkt leider aufgesetzt.

Ich hätte wahrscheinlich immer so weitermachen können, und wäre dann am Ende mit einem Verriss um die Ecke gekommen, der meinem Gefühl beim Hören der neuen Platte aber überhaupt nicht entsprochen hätte. Denn ich fühle mich äußerst gut unterhalten, pfeife hier und da mit oder nicke mit dem Kopf. Das erwähnte “Zombie” ist trotz Kalkül ein toller Song, “Trouble” und “Rabbit Hole” reißen mich mit und “The Prophet” ist eine schmucklose, aber großartige Ballade.

Es gibt zwar auch einige Ausfälle wie zum Beispiel das nervende “Peter” oder das arg kitschige “They Told Me It Rained” (heavy heavy monster sound, WTF?) zu vermelden, aber das tut meinem Genuss keinen großen Abbruch. Ich mag den neuen, poppigen Jamie T sehr gerne. Ich hätte mit zwar ein paar subversive Elemente und ein wenig mehr Dreck und Rotz gewünscht, aber wenn er dieses Kapitel auf den ersten beiden Alben abgeschlossen hat, dann kann ich damit leben.

7/10