Lee Ranaldo auf Solo Acoustic Tour. Klingt nicht sonderlich spektakulär. Wenn man allerdings weiß, wer da die akustische Gitarre malträtiert, dann ändert sich die Wahrnehmung. Berühmt wurde der New Yorker Gitarrist nämlich mit Sonic Youth.

Mit der legendären Band schrieb Ranaldo gut 30 Jahre lang Musikgeschichte. Auf insgesamt 16 Studioalben loteten sie gemeinsam die Grenzen der Genres Postpunk, Avantgarde und Art-Rock aus. Nach der Scheidung von Kim Gordon und Thurston Moore war allerdings Schluß. Das war vor ein paar Jahren, und seitdem ist Ranaldo solo unterwegs.

Seit dem Ende von Sonic Youth veröffentlichte er zwei Alben, “Between the Times and the Tides” und “Last Night on Earth”, auf Matador. Ein Album mit ausschließlich akustischen Interpretationen seiner Stücke folgte auf Primavera Recordings.

Diese akustischen Interpretationen wollte ich mir gestern im Salzburger Rockhouse nicht entgehen lassen. Das Konzert war zu meinem Erstaunen bestuhlt, was sich aber im Laufe des Abends als ganz angenehm heraus stellte.

Im Vorprogramm spielte die Salzburger Formation Dos And Dust sanften Folk mit Ukulele, Glockenspiel und Kontrabass. Ich sah insgesamt nur drei Songs, aber die wussten durchaus zu überzeugen.

Aufgrund des spärlichen Bühnenaufbaus war die Umbaupause erfreulich kurz und Lee Ranaldo betrat entspannten Schrittes die Bühne. Ich muss zugeben, dass ich mich mit seinem Solowerk in der Vergangenheit kaum befasst habe, und aus diesem Grund bin ich kein Experte. Außerdem spielte er viele neue Songs von seinem kommenden Album.

Ich war also mehr ein interessierter Beobachter als begeisterter Fan. Der Kontrast zum behutsamen Umgang mit der Akustikgitarre, wie ihn Dos And Dust zeigten, konnte nicht größer sein. Die zwei (oder drei?) wechselnden Gitarren wurden elektrisch verstärkt und mit allerlei Effekten virtuos bespielt.

Schon nach den ersten Minuten war klar, dass der Mann hinter der Gitarre kein Interesse an perlenden Folk-Songs mit Strophe/Refrain-Aufbau hat. Das hatte ich aber auch nicht erwartet. Mit der Kraft und der Energie, die Ranaldo entfesselte, hatte ich allerdings auch nicht gerechnet. Die Songs wirkten roh und ungeschliffen, aber die schwingenden und scheppernden Saiten standen im wundervollen Kontrast zum eher trockenen Gesang.

Es gab Feedback, Echo, Hall und mit einem Bogen gestrichene Saiten. Und es gab viel Beifall für einen legendären Musiker, der genau heute 60 Jahre alt wird. Herzlichen Glückwunsch! Und danke für dieses intensive Erlebnis.

Lee Ranaldo spielt heute Abend noch im Wiener Schauspielhaus, Beginn: 20 Uhr. 

Lee Ranaldo HAMMER BLOWS Official Video from Lee Ranaldo on Vimeo.

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