musiker
Foto: INDEED

Wir sitzen auf der einen Seite. Wir hören Musik umsonst, bei Streaming-Anbietern wie last.fm, Spotify, roccatune. Wir kaufen die ein oder andere Platte oder bezahlen für einen Download. Wir gehen auf Konzerte, kaufen Merchandise-Artikel und bezeichnen uns als Fans. Wir lesen Blogs, wir kennen die Hype Maschine und diverse Onlinemagazine. Und, wenn wir ehrlich sind, dann laden wir auch das eine oder ander Musikstück illegal herunter. Das ist unsere Seite.

Und auf der anderen Seite sitzen die Musiker. Denn die Musikindustrie ist genau genommen nur der Vermittler. Sicherlich ein wichtiger Vermittler, der eine Menge falscher Entscheidungen getroffen hat und trifft, und den man mitunter auch verachten kann. Aber auf der anderen Seite sitzt meines Erachtens der Künstler. Und dessen Meinung zur aktuellen Lage der Industrie geht in meinen Augen sehr oft einfach unter. Dabei wäre es doch gerade interessant zu erfahren, wie Musiker heutzutage leben, womit sie ihr Geld verdienen, wieviel Herzblut mit jedem nicht verkauften Album verloren geht, wie anstrengend das dauernde Touren ist, woher das Durchhaltevermögen kommt, warum man sich das überhaupt antut.

Und aus diesem Grund möchte ich die Musiker fragen. Ich bitte ausgesuchte Künstler, auf meinem Blog ihre Meinung kundzutun. Ihre Meinung zu Fans, zu illegalen Downloads, zu ihrem Arbeitsumfeld, ihrer Lebenssituation, der Musikindustrie, dem Musikerdasein. Dabei sind sie in Form und Inhalt völlig frei. Ob das nun ein kurzes Statement ist oder ein Kurzroman, ich mache keine Vorgaben.

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Den Anfang macht Linc von Mueca (Bass/Vocals, MY ENEMIES XII MISTAKES):

Düstere Zeiten hat man den Bands damals schon prophezeit, als man mit Kassetten Songs aus dem Radio aufnahm oder das Musikfernsehen aufkam und die Vormachtstellung der Radios übernahm . Natürlich sind wir Musiker derzeit einer wahrhaft (besonders in finanzieller Hinsicht) schmerzlichen Situation ausgesetzt; besonders wir Newcomer.

Auf der einen Seite steht das Internet als Sprungbrett zur Verfügung, um Kontakte zu knüpfen und auf sich und seine Musik mittels diverser Internetportale aufmerksam zu machen. Auf der anderen Seite, steht die ‘Downloadpiraterie’. Diese erspart dem Konsumenten manchmal geradezu unverschämte Ladenpreise, allerdings bleiben dadurch auch die Taschen der Musiker leer und ohne Refinanzierungsmöglichkeiten kein Merch, keine Tour, keine Promotion, schlimmstenfalls ein Haufen Schulden, eben alles, nur keine Musik, kein Erfolg, keine Überlebenschance.

Doch kann man auch dem (kostenfreien) Downloadverfahren etwas Postitives abgewinnen: Promotion, die Verbreitung der Musik (nicht wirklich kostenlos, weil man ja für sein Werk kein Entgelt erhält) und die so auch die vage Hoffnung, dass sich beim nächsten Auftritt bedeutend mehr Besucher ankündigen, um die Band dann auch mal live erleben zu können. Wenn man sich vor seiner Liveperformance nicht verstecken muss, kann man auch ein nicht unbekanntes Videoportal nutzen, um ebenfalls ins Gespräch zu kommen.

Es ist also nur eine Frage der Perspektive und wie schnell Plattenindustrie, Künstler und auch die Endverbraucher (gemeinsam) einen Lösungsansatz finden. Für einen Song, den man sich downloaden möchte, beispielsweise 0,30€ zu zahlen, tut im Grunde nicht weh. Das bedeutet ein Album kostet dann runde 3,30€. Das ist wesentlich günstiger, als die horrenden Preise in den Plattenläden. Dennoch kommt etwas bei Industrie und den Künstlern an. Wenn wir positiv denken und diese Art und Weise sich derart durchsetzt, dass auf einmal jeder Dritte Deutsche im Alter von 6 – 99 Jahren wieder Platten kauft (und das regelmäßig), dann sehen wir auch wieder rosigeren Zeiten entgegen.

Am Ende sollten alle glücklich sein: Das Management, weil es für seine Arbeit Geld bekommt, der Künstler, weil er für sein Herzenswerk entlohnt wird und weiter machen kann und der Konsument, weil er Geld gespart hat. Wir finden am Ende nur zusammen einen Ausweg! Sonst bleibt am Ende sogar der Konsument auf der Strecke, weil Künstler es sich nicht mehr leisten können Platten aufzunehmen.

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12mistakes

Infos zu MY ENEMIES XII MISTAKES:

MySpace-Seite der Band

Gegen Eintragung in den Newsletter der Jungs bekommt man einen Link zugeschickt unter dem man sich die 2006’er EP “Fight Yourself” gratis herunterladen kann.

1 KOMMENTAR

  1. Interesanter beitrag, aber hat sich das mit den 3,30€ mal jemand durchgerechnet? Kommt mir arg wenig vor… der interesante gedanke dabei ist das ich glaube ich 4 alben (aber bitte Hardcopy, Platte oder CD) für je 10 euro eher kaufen würde als zwei für insgesamt 35-40 Euro.

  2. Das ist eine super Idee Nico! Ich fand die Interviews zum “Kulturkampf” schon immer interessanter, wo der Träger der Musik zu Wort kommt, nämlich die Musiker! Und nicht die geschliffenen Extreme von Majors und “Piraten”.

    Viel Erfolg bei der Serie, ich bin sehr gespannt!

  3. wie wärs mit MIT aus köln? die entwicklung finde ich echt spannend. am anfang das erste deutsche nu rave monster, was sich dann aber beim ersten album entschließt, innerhalb kürzester zeit erwachsen zu werden. womöglich wären sie mit dem nu rave ding durch die decke gegangen, nun fokussieren sie mit ihrer musik eine viel kleinere zielgruppe. nichtsdestotrotz haben sie sich eine sehr gute fanbase aufgebaut- und das ohne große plattenverkäufe. wie beurteilt eine band so eine entwicklung? werden plattenverkäufe irgendwann von der band überbewertet, wenn es dafür woanders läuft?

    hier findet man den blog/ kontakt vom sänger http://ediwinarni.de/ eigentlich sind die jungs solchen themen immer sehr aufgeschlossen.

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