Sechs Jahre nach „Fall To Pieces“ meldet sich Tricky mit einem Album zurück, das deutlich persönlicher und organischer klingt als sein Vorgänger. „Different When It’s Silent“ ist von Trauer geprägt, ohne sich darin zu verlieren. Der Tod seiner Tochter Mazy, die 2019 starb, steht spürbar über der Platte. Tricky macht daraus jedoch kein reines Traueralbum, sondern verwandelt den Schmerz in dunkle, manchmal überraschend schöne Musik.
Schon „I Still See Me There“ macht die Richtung klar. Bass und Synthesizer legen einen schweren Teppich unter Mitch Sanders’ zerbrechlichen Falsettgesang, während sich der Song langsam und beinahe schmerzhaft vorwärts bewegt. Die Musik ist schwer, aber niemals erdrückend. Immer wieder blitzen Melodien und Momente auf, die dem Album eine unerwartete Wärme geben.
Musikalisch hat Tricky die elektronischere Produktion von „Fall To Pieces“ zurückgenommen und setzt diesmal stärker auf Gitarren, Live Schlagzeug und organische Instrumente. Dadurch bekommt das Album eine rauere, stellenweise fast postpunkige Note. „I’m Yours“ ist dafür ein gutes Beispiel: Unter den rauen Verstärkern explodiert Sanders’ Stimme förmlich, während „I Tried“ mit seiner zurückgenommenen Atmosphäre sogar ein wenig an Beth Gibbons erinnert.
Überhaupt ist Sanders eine der interessantesten Entscheidungen des Albums. Tricky selbst hält sich auf weiten Strecken im Hintergrund und überlässt seinem Sänger den Großteil der Arbeit. Das funktioniert erstaunlich gut, auch wenn man gelegentlich seine eigene, knarzende Stimme vermisst. Besonders „Paris Maybe“ zeigt, wie gut sich Sanders’ Falsett mit Trickys eigenwilligen Arrangements verträgt.
Nicht alles sitzt allerdings so sicher. Gerade im hinteren Teil verliert sich Tricky gelegentlich in Experimenten, die eher nach Skizze als nach fertigem Song klingen. „Frontier Town“ wirkt mit seinem Blues Einschlag etwas verloren, „Hengrove Blues“ reduziert sich fast vollständig auf Akustikgitarre und bleibt dabei erstaunlich blass. Auch „Piano“ mit Samantha Rowes Operngesang ist interessant, überzeugt mich aber nicht vollständig.
Dafür gibt es mit „Out Of Place“ einen herausragenden Abschluss. Verzerrte Gitarren, Synthesizer, Streicher und Wut treffen aufeinander, während Tricky selbst endlich wieder das Mikrofon übernimmt. Plötzlich ist diese Stimme wieder da, wegen der man ihn überhaupt erst vermisst hat.
„Different When It’s Silent“ ist nicht Trickys bestes Album und erreicht nicht die Wucht von „Maxinquaye“. Aber es ist ein erstaunlich geschlossenes, mutiges und emotional aufgeladenes Werk. Zwischen Trauer, Experiment und einigen großartigen Songs findet Tricky eine neue Balance. Nicht jeder Ausflug funktioniert, doch wenn er trifft, dann richtig.










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