Nach 22 Jahren treuer Dienstzeit bei Atlantic Records markiert die Veröffentlichung auf dem Independent-Label Anti- für Death Cab For Cutie nicht nur einen geschäftlichen Einschnitt.
Das mittlerweile elfte Studioalbum I Built You A Tower befeuert spürbar eine kreative Rückbesinnung auf alte Stärken. Anstatt sich jedoch im nostalgischen Fahrwasser ihres unantastbaren Meisterwerks Plans zu verlieren, wählt Frontmann Ben Gibbard einen deutlich kantigeren Weg.
Zusammen mit Produzent John Congleton hämmerte die Band das Material in gerade einmal drei Wochen ein. Man hört diesem Werk die kalkulierte Dringlichkeit in jeder Sekunde an: Es schielt nicht mehr nach dem Radio, sondern seziert erschöpft, aber aufrecht das Trümmerfeld einer bitteren Scheidung.
Man hört diesem Werk die kalkulierte Dringlichkeit in jeder Sekunde an: Es schielt nicht mehr nach dem Radio, sondern seziert erschöpft, aber aufrecht das Trümmerfeld einer bitteren Scheidung.
Schon der Opener „Full Of Stars“ täuscht mit einer dreiminütigen Akustikgitarren-Idylle Intimität an. Gibbard mischt hier die typische Leichtigkeit seines Gesangs mit perlenden, hellen Gitarren, die sich jedoch wie feine Nadelstiche anfühlen. Es ist ein trügerischer Frieden, der die lauernde Einsamkeit nicht kaschiert, sondern nur umso spürbarer macht.
Der unmittelbare Kontrast folgt auf dem Fuß: Das nervöse, mit Math-Rock- und Post-Punk-Einflüssen spielende „Punching The Flowers“ drückt mit peitschenden Drums und zittriger Grundspannung nach vorn. Gibbard verhandelt hier keine großen romantischen Gesten mehr, sondern verarbeitet seine eigene psychische Belastungsgrenze.
Mein persönlicher Favorit bricht jedoch am stärksten aus dieser Tristesse aus: „Trap Door“ schleicht sich mit einer schimmernden Synth-Pop-Eleganz an, die herrlich quer zum sonstigen, eher schroffen Gitarren-Fundament der Platte steht.
Es ist einer der wenigen Momente, in denen das Album tief Luft holt, getragen von einer der stärksten Zeilen des gesamten Werks: „If only the winners write history, there’ll be nothing on our page“.
Auch das minimalistisch-raue „Stone Over Water“ überzeugt mit verletzlicher Intimität, neigt im Gesamtgefüge durch die melodramatische Wiederholung von Verlustmotiven allerdings dazu, sich ein wenig im eigenen Schmerz zu erschöpfen.
Am Ende findet die Platte aber immer wieder ihren roten Faden. Das grandiose Finale „I Built You A Tower (b)“ entlässt uns mit einer dichten, mächtigen Wand aus verzerrten Gitarren und einem rastlosen Hi-Hat-Groove.
I Built You A Tower ist kein perfektes Album, und manche Passage verheddert sich im eigenen Wehmut. Dennoch beweisen Death Cab For Cutie, dass ein kontrollierter emotionaler Totalschaden die Band davor bewahrt hat, endgültig auf Autopilot zu schalten.
Eine sperrige, aufwühlende Platte, die Trost spendet, indem sie jeden Gedanken an ein glückliches Ende konsequent verweigert.










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