Seit „Desintegration“ begleitet der Vergleich mit The Cure beinahe jede Besprechung von Klez.e. Damals machten Tobias Siebert und seine Mitstreiter die Referenz sogar zum Programm. Nicht nur der Albumtitel verwies auf Robert Smiths Meisterwerk, auch musikalisch rückte die Band näher an Post Punk, New Wave und die melancholischen Bassläufe ihrer großen Vorbilder heran.
Auf „Einmal mehr mit Dir gegen die Furcht“ sind diese Einflüsse noch immer präsent, wirken mittlerweile aber deutlich selbstverständlicher. Klez.e zitieren nicht mehr, sie sprechen längst ihre eigene Sprache.
Dabei fällt zunächst auf, dass die neue Platte etwas heller wirkt als ihre Vorgänger. Die Melancholie ist geblieben, ebenso die Schwere vieler Themen, doch immer wieder brechen große Melodien durch die Wolkendecke. Klez.e klingen weniger trostlos als zuletzt, ohne dabei ihren Grundton aufzugeben.
Der Opener „Hymnus“ macht das eindrucksvoll vor. Getragene Synthesizer, tiefe Klavierakkorde und ein Rhythmus, der sich langsam auftürmt. Darüber singt Tobias Siebert von Vergänglichkeit, Erinnerungen und dem Wunsch, trotz allem nach vorne zu schauen. Es ist einer jener Songs, die sofort die Stimmung eines ganzen Albums definieren.
Überhaupt kreist „Einmal mehr mit Dir gegen die Furcht“ immer wieder um die Frage, wie man in unruhigen Zeiten miteinander umgeht. Die politischen und gesellschaftlichen Spannungen bleiben dabei stets im Hintergrund spürbar, ohne dass die Songs zu Parolen werden. Stattdessen richten Klez.e den Blick auf Beziehungen, Freundschaften und das Bedürfnis, einander Halt zu geben.
Musikalisch funktioniert das hervorragend. Daniel Moheits melodische Basslinien tragen viele Stücke, während Filip Pampuchs Schlagzeug zwischen stoischer Präzision und kontrollierter Wucht pendelt. Darüber legen sich Gitarren und Synthesizer, die mal kühl flimmern, mal überraschend warm wirken.
Zu den Höhepunkten zählt „La Boum“. Hinter der beinahe beschwingten Oberfläche verbirgt sich ein Song über Unsicherheit und das Gefühl, dass vieles ins Wanken geraten ist. Auch „Melancholia“ überzeugt mit einer der stärksten Melodien des Albums. „Mailied“ wiederum beginnt mit einem langen Gitarrenintro und entwickelt sich zu einem Stück über Abschied und Loslassen.
Besonders gelungen ist die Mitte der Platte. „Call It Love“, „Paradies“ und „Das eine Treffen im Jahr“ verbinden Eingängigkeit und Melancholie auf beeindruckende Weise. Hier zeigen Klez.e einmal mehr ihr Gespür für Melodien, die sofort vertraut wirken und trotzdem lange nachhallen.
„Einmal mehr mit Dir gegen die Furcht“ ist vielleicht nicht das lauteste oder spektakulärste Album der Band. Möglicherweise ist es aber ihr ausgewogenstes. Ein Album voller Schwermut, Hoffnung und großer Songs. Und eines, das gerade in seiner Mischung aus persönlicher Reflexion und vorsichtiger Zuversicht bemerkenswert gut in die Gegenwart passt.










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