Have A Nice Life – Sea Of Worries

Auch auf ihrem neuen Album Sea Of Worry fordern Have A Nice Life ihre Zuhörer wieder heraus. Diesmal sind die Songs allerdings gradliniger und der Sound ist nicht mehr so verwaschen.

Hinter dem optimistisch klingenden Namen Have A Nice Life stecken die beiden Musiker Dan Barrett und Tim Macuga. Ich stolperte vor fünf Jahren zufällig bei Bandcamp über ihr zweites Albums The Unnatural World

Diese Album ist im Gegensatz zum Bandnamen hart, dreckig, kompromisslos, wundervoll, angsteinflössend, laut, aufregend und faszinierend. Es beinhaltet Elemente von Shoegaze, Goth, Post-Punk, Post-Rock und Ambient Drone. Oder anders: es klingt wie eine Mischung aus Joy Division, My Bloody Valentine, Mogwai, Depeche Mode und Appleseed Cast.

Der Bandname ist also eher zynisch gemeint. Das passt gut. Auch auf ihrem neuen Album Sea Of Worry fordern die zwei ihre Zuhörer wieder heraus. Diesmal sind die Songs allerdings gradliniger und der Sound ist nicht mehr so verwaschen. Der Opener und Titelsong klingt ungewöhnlich klar und kraftvoll und erinnert mich an The World Is a Beautiful Place and I Am No Longer Afraid to Die. 

Die Gitarrenarbeit auf dem folgenden Dracula Bells lässt mich sofort an Paul Banks von Interpol denken, das Riff ist eindeutig inspiriert. Nach über vier Minuten grätscht der Bass dann aber so richtig rein und das Stück kippt ein wenig Richtung Free Jazz. 

Mein persönliches Highlight ist Science Beat, ein stoischer Beat in Kombination mit einer klirrenden Melodie, die dem Song nach der Hälfte Magie einhaucht.

Es folgt noch der wuchtige Indie-Rock-Stampfer Trespassers W, bevor das Album in der zweiten Hälfte in die Dunkelheit verschwindet. Everything We Forget ist ein vierminütiges, schwurbeliges Drone-Stück, Lords Of Tresserhorn die Rückkehr zu brodelden Bassläufen und übersteuerten Sounds.

Auch die letzten 13 Minuten des Album gehören den abgründigen Sounds, beginnend mit der beunruhigenden Rede eines fundamentalistischen christlichen Geistlichen, der über die mathematische Gewissheit der Hölle redet.

Sea Of Worry ist trotz der neuartigen Zugänglichkeit in der ersten Hälfte ein schwerer Brocken. Aber ich mag Have A Nice Life gerade dafür, das ich mir ihre Musik ein Stück weit erarbeiten muss.


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