Wenn ich so etwas oder auch so etwas lese, dann werde ich langsam aber sicher aggressiv. Ich bin so müde und gelangweilt von der ewig gleichen Leier. Ja, Umsatzeinbrüche durch böse Raubkopierer sind ganz schlimm, das habe ich kapiert. Und ja, ich fühle mich nicht sicher, wenn ich eine Tauschbörse benutze, das habt ihr erreicht. Oh ja, und natürlich wird geklagt, geklagt und nochmals geklagt.

Aber wird es nicht langsam mal Zeit, nach vorne zu blicken und Konzepte für eine Käuferschicht zu entwickeln, die eben nicht mehr brav viel Geld für überteuerte Tonträger ausgibt und diese dann in aller Ruhe vor ihrer Stereoanlage in einer Art Gebetshaltung hört? Und ich meine richtig neue Konzpete. Nicht die alten Strukturen ins Internet übertragen (z.B. Einzeltracks wie Singles zu verkaufen. Und kaum läuft es einigermaßen, soll schon wieder an den Preisen geschraubt werden….nach oben natürlich).

Ich wünsche mir, das die großen Player dieser Branche vielleicht statt mit dem erhobenem Finger zu drohen einfach mal folgendes zu ihren jungen Kunden sagen:
Wir sind eine coole Plattenfirma. Ihr kennt unseren Namen und denkt voller Respekt an ihn. Wir sind so angesagt, das ihr vielleicht sogar mal bei uns arbeiten wollt. Und ihr könnt von uns die Musik der angesagtesten und heißesten Künstler der ganzen Welt kaufen. Wie wollt ihr sie haben? Auf euer Handy? Auf euren MP3-Player? Oder lieber auf den PC? Nutzt ihr lieber ein Shopsystem oder doch lieber Bittorrent? Aber vielleicht findet ihr es ja cool, einen hochwertigen Tonträger mit einem atemberaubendem Artwork und einer originellen Verpackung zu erwerben? Zu einem fairen Preis, versteht sich. Alles kein Problem. Wir sind für Euch da und erfüllen euch alle eure Wünsche. Und wenn euch die Musik unserer Künstler gefällt, dann sagt es euren Freunden und gibt die Musik an sie weiter. Sie dürfen sie behalten, ohne Einschränkungen, ist doch klar. Aber nicht vergessen zu sagen, woher ihr die Musik habt. Damit auch eure Freunde coole Checker werden. Und wir vielleicht auch ihnen ein paar unserer tollen Produkte zeigen dürfen. Sie müssen nichts kaufen, wir wollen nur zeigen, was wir ihnen alles bieten. Damit sie euch demnächst auch gute Musik empfehlen können, die sie entdeckt haben. Wir werden sie schon überzeugen, denn wir sind cool. Und wenn nicht, dann waren wir nicht überzeugend genug und werden an uns arbeiten. Versprochen. Denn wir sind für Euch da. Dafür bezahlt ihr schließlich mit eurem guten Geld.

1 KOMMENTAR

  1. Das wäre natürlich die pure Utopie!
    Andererseits muss ich sagen, dass ich nicht denke, dass jemals eine große Plattenfirma so handeln wird. Mit diesem Profil kann man meiner Meinung nach die typischne Twens ansprechen: nicht komplett abgebrannt, aber immer noch an neuen Sachen interessiert.
    Zu viele Leute würden ein solches Angebot ausnutzen, was ziemlich schade wäre. Aber wenn man sich mal anschaut, wie viel Musik man sich von manchem Bands (als Beispiel sei Franz Ferdinand genannt) kostenlos downloaden kann (zwar auch original so auf Platten erschienene Songs, aber vor allem Live- und Akustik-Versionen), ist diese Utopie nicht allzu weit entfernt. Nur komplett wird es sie meiner Meinung nach nicht geben. Leider.

  2. Pure Utopie. Das Urheberrecht garantiert tausend kleine Monopole auf jeden Song, jede Band, jedes Album. Wenn Dich Dein Bäcker abzockt oder anpisst, kannst Du zur Konkurrenz gehen. Wenn Dich die Plattenfirma mit Abspielschutz, Wucherpreisen und Alben mit 90% Füllmaterial nervt, kannst Du das nicht.
    Beim Finanzamt kriegst Du ja auch keinen Service. Die sind das gewohnt, dass Du Deine Kohle auch so ablieferst, also wozu Service. Wer nicht zahlt wird eingeknastet. Und genauso ist das die Musikmafia eben auch gewohnt: Die Kohle kommt so oder so, Konkurrenz gibt es ja nicht, um wem das nicht passt, der ist ein Verbrecher.
    Eine an Kundenzufriedenheit arbeitende Plattenfirma ist so wahrscheinlich wie ein schwitzender Finanzbeamter. Die Gewohnheit, dass mans nicht nötig hat, steckt einfach ganz tief drin. Das ist das eigentliche Problem. Es geht nicht um Brenner und P2P, sondern auf einmal kannst Du Dich der Zwangsbundelung mit Füllmaterial entziehen, Du kannst ausgibig vorhören, Du kannst Dir MP3s besorgen, wenn Dir das Preis-Leistungs-Verhältnis einer CD nicht passt usw. Kurzum: Man kann nicht mehr alles mit Dir machen, und das haben die Herrschaften einfach noch nicht verwunden und werden es auch nicht verwinden. Den Kunden als Kunden zu betrachten, würde eine um 180 Grad gewendete Geschäftskultur erfordern: Auf einmal müsste man was leisten für das Geld der bisherigen Bezahlschäfchen.

  3. Ja Gary, und genau das finde ich schade. Denn wie sagt doch Universal so schön: “Es geht um Musik.” Und die sollte doch Spaß machen, oder? Dieses blöde Geschachere um irgendwelche Rechte an Werken, deren Urheber ganz Andere sind, das nervt.
    Die sollen gefälligst dafür sorgen, das mir die Musik der teilweise wirklich großartigen Künstler zugänglich gemacht wird. Und zwar so, das ich mir auswählen kann, wie und wo ich meine Musik hören will. Ohne Beschränkungen auf spezielle Abspielgeräte, Betriebssysteme, Browser oder was auch immer. Ich bezahl auch dafür, ehrlich.
    Denn ich bin kein Raubkopierer, ich liebe Musik.

  4. Tja naja, wär schon ganz lustig, wenn eine Plattenfirma mal die Courage aufbringen würde um dies zu machen. Das die aus Arroganz und Macht ihre derzeitige Position ausnutzen ist natürlich auch klar, da gebe ich dir Recht Gary. Andererseits stell ich mir das eigentlich gar nicht mal so schwer vor, wie es klingen mag (naja, wenn man mal das von dem an die Freunde weitergeben unter den Teppich kehrt, wie absurd ist das denn?):

    Eine Plattform so ähnlich wie iTunes (ohne DRM und sonstigen SchnickSchnack), bei der man gleichzeitig eine Lizenz zum Plattenkauf erhällt (sagen wir mal die Tracks jeder 60-70 cent (kenn mich da nicht aus) und dann die Platte für 4 €), sollte eigentlich gar nicht so unrealistisch sein.

    Aber naja, die Plattenfirmen brauchen das nicht, kriegen ja eh ihre Kohle (ich hoffe ihr seht die Ironie^^), und alle labern um den heißen Copyright-Brei.

    Welcome to the brave new world…

  5. Das an Freunde weitergeben, nennen wir es einmal Friend to Friend (F2F), ist meines erachtens ein wichtiger Aspekt im Musikmarketing. Man muss nur mittel- und langfristig denken können. Was sich mit Strukturen von AGs und kurzfristigem A&R leider nicht verträgt.

  6. f2f?

    jaja und nochmals ja, wie oft hoert man doch im freundeskreis eine scheibe, saugeil, die muss ich auch haben. wunderbar, fuer 5 euro wird vermutlich jeder in den laden laufen und sie sich selber besorgen, als original, weils eben einfach schoener ist.

    das ist besseres marketing als jede anzeige oder jeder clip!!!

    nur wenn ich dann in den laden geh, neulich geschehen, eine platte in die hand nehme, dafuer 16,99 latzen soll, das cover der art “ne schlechtere copie” ist, weder songtexte noch irgendwas anderes nettes drann ist, ne, bin ich bekloppt, die scheibe habe ich direkt wieder ins regal gestellt.

    das kann doch echt nicht so schwierig sein CDs zum “sinnvollen” preis anzubieten? was kostet denn der silberling in der herrstellung?

    mann mann ist die industrie “schei*e” sorry fuer das wort, aber die sind echt so dermassen saudoof, bescheuert, schei*e…

    ahhhhhhhhh, da muss man sich doch mal aufregen! und wir sollen dann daran schuld sein, man, echt wie die kinder, nein, mama, der hat doch angefangen… buhä…

    so, sorry, dass musste jetzt mal raus…

  7. Warum f2f absurd ist? Naja würdest du deine Hose an deine Freunde verteilen, nur wei sie den Stoff geil finden? Natürlich ist es leichter eine Kopie von einer CD anzufertigen (als es Platten gab kam auch niemand auf die Idee seine Kopie davon an andere zu geben, vielleicht mit mcs, die bei weitem eine schlechtere quali hatten und bei weiten länger dauerten zu ‘produizeren’), aber darum bedeutet es noc lange nicht, dass man deshalb so oft man will die scheibe an andere verteilen darf.

    Klar, gibt viel promo der Band, aber legal find ichs trotzdem nicht…

    Eine Privatkopie ist imho eine Möglichkeit seine Kaufversionen zu schonen. Ich find es halt einfach mal zum k*tz*n, dass ich mich strafbar mache, nur weil ich nicht andauernd meine Originale neu kaufen möchte. Es ist also eine Kopie, für den privaten Zweck. Kopien für Freunde sind zu recht illegale Duplikate.

  8. Der Gedankenansatz: “Privatkopie legal / Preis für die CD deutlich runter” halte ich für durchaus bedenkenswert. Auch für die MI. Wo liegt den der entscheidende Unterschied zwischen dem mp3 File und der Original CD? Der liegt für die wenigsten in der Klangqualität. Der Unterschied ist der haptische/optische Aspekt. Die CD ist vorzeigbar. Fassbar. Das ist die Kopie der CD natürlich auch, aber wer bitte macht sich bei der Privatkopie die Mühe ein vernünftiges Cover auszudrucken plus Print auf der CD-R? Der “Hey, will ich auch haben” Faktor bei der privat Gebrannten ist deutlich geringer. Tim Renner war davon überzeugt das 10 Euro für eine Original CD okay und akzeptabel wäre. Ich bin überzeugt: es geht auch unter 10 Euro profitabel und akzeptabel.

  9. Kleine Einwurf in die Runde. Haben sich nicht schon ca. 70% der Mainstream CD-Käufer an den CD Preis gewöhnt?????
    Sollten die Plattenfirmen den Preis senken , bleibt die Frage ob der Einzelhändler oder der Plattenhändler eures Vertrauens nicht den Preis nimmt, an den sich seine Kunden
    gewöhnt haben, denn die denken sicherlich kurzfristig und denen sind ein paar Leute wie wir hier, eh egal.
    Einzige Lösung wäre doch ein neuer Vertriebweg mit evtl. Mehrwert oder Neunutzung, und dies bitte auf direkten Wege
    zum Endkunden.

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