love in october

So schnell geht das manchmal. Da entdeckt man eine Band, schreibt kurz einen Artikel über sie und verlinkt ein paar MP3s. Und zwei Tage später hat man ein Interview im Kasten. In diesem Fall mit den in Minnesota beheimateten Exilschweden Erik und Kent Widman und ihren beiden Mitstreitern Charlie Abbott und Chresten Hyde. Zusammen sind sie Love In October. Woher der Name kommt, warum sie Schweden verließen und warum sie sich selber eher als Künstler denn als Musiker sehen, das erfahrt ihr in folgendem Interview.

nicorola: Hallo. Danke, das du dir die Zeit nimmst, mir einige Fragen zu beantworten. Kannst du dich bitte kurz vorstellen?

Erik: Mein Name ist Erik G. Widman und ich singe und spiele Gitarre, Piano, Moog in der Band Love In October.

nicorola: Was ist dein musikalischer Hintergrund?

Erik: Ich habe im Alter von 10 Jahren Klavierunterricht genommen. Aber den mochte ich nicht. Ich wollte viel lieber Cello oder Gitarre spielen, aber meine Eltern ließen mich nicht. Zu der Zeit habe ich Musik nicht verstanden, Noten waren für mich nur Tinte auf Papier. Wenig später dann, so mit 12 oder 13, passierte irgendetwas mit mir und auf einmal verstand ich das Piano und wurde richtig gut. Ich konnte meinen Bruder überreden, mir eine elektrische Gitarre zu kaufen, und kurz danach startete ich meine erste Nirvana-Coverband (Ambush). Später lernte ich dann noch Schlagzeug zu spielen und zu singen.

nicorola: Du und dein Bruder habt Schweden im Jahr 2000 verlassen. Warum?

Erik: Zu der Zeit gefiel mir das politische Klima in Schweden nicht. Ich bin halb Schwede / halb Amerikaner, und ich hatte immer Schwierigkeiten, richtig dorthin zu passen. Die Leute waren eigentlich sehr nett zu mir, aber ich sah keine Zukunft für mich in diesem Land. Jetzt vermisse ich Schweden allerdings, und eines Tages werde ich bestimmt zurück gehen.

nicorola: Ihr habt Love In October im Jahr 2006 gegründet. Was passierte in der Zeit dazwischen?

Erik: Ich und mein Bruder gingen in Michigan aufs College und wir spielten in einer Band namens Zambonie. Mit der Musik war es uns in der Zeit nicht sonderlich ernst. Nach dem Abschluss waren wir uns aber sicher, das wir in einer Band sein wollten, also machten wir uns nach Minneapolis auf und gründeten Love In October. Das war schon ein wenig durchgeknallt, denn wir kannten dort niemanden, aber irgendwie hat alles geklappt.

nicorola: Wie kamt ihr auf den Bandnamen?

Erik: Jedes Bandmitglied hat sich im Monat Oktober eine Geschlechtskrankheit eingefangen, deswegen fanden wir den Namen recht passend. 🙂

nicorola: Wie würdest du eure Musik beschreiben?

Erik: Schlechter Polka mit einer Prise Elvis Presley.

nicorola: Euer Debütalbum erscheint heute. Wie fühlst du dich? Nervös, erleichtert, zufrieden?

Erik: Sehr zufrieden. Wir haben sehr lange an dem Album gearbeitet und ich bin mit allen Songs sehr glücklich. Ich denke, das es eines dieser Alben ist, das man nicht beim ersten Durchhören fassen kann. Aber nach dem dritten oder vierten Durchgang wird es Klick machen und die Hörer werden es lieben. Diese Platten sind meine Lieblingsplatten. Aufgenommen haben wir sie bereits letzten Sommer, und wir arbeiten bereits an der nächsten. Ich schaue immer nach vorne und selten zurück.

nicorola: Auf eurer Homepage steht folgendes: “I see LiO venturing into other artistic areas over the years. I want us to be known as creators, not musicians.” Abseits der Musik, was sind die anderen künstlerischen Ambitionen der Bandmitglieder?

Erik: Wir haben viele Talente, wir sind Wissenschaftler, Ingenieure, Filmemacher, Aktivisten und Maler. Wir bauen unsere eigenen Effekt-Pedale und Verstärker, wir lieben es, Videos und Filme zu drehen, wir glauben an den Kampf für soziale Gerechtigkeit, und immer wenn wir Zeit haben, machen wir Kunst. Ich denke, das wir in Zukunft einen Film drehen werden und mit anderen Künstler zusammen arbeiten, vielleicht veröffentlichen wir ein Album zusammen mit einem Buch. Wer weiß? Ich mag es, neue Sachen auszuprobieren.

nicorola: Vor ein paar Tagen wart ihr in Los Angeles um das Video für den Song “Petrula the Destroyer” zu drehen. Wie waren die Dreharbeiten?

Erik: Es war sehr lustig. Der Regisseur Behn Fannin ist unheimlich talentiert und hat eine großartige Fantasie. Ein aufstrebendes Regietalent. Ich möchte hier nichts über die Story des Videos verraten, aber wir mögen Musikvideos, die eher wie Kurzfilme funktionieren. Außerdem war es nett in LA, weil es dort so warm ist. 21 Grad im Vergleich zu -15 Grad in Minneapolis. Der Winter nervt…

nicorola: Ab wann kann ich das Video sehen?

Erik: Mitte Februar.

nicorola: Du hast mir geschrieben, das es keine Pläne für eine weltweite CD-Veröffentlichung gibt (Anm.: man kann die CD allerdings auf der Homepage für $10,- bestellen). Gibt es Pläne für eine digitale Veröffentlichung?

Erik: Ja, das Album ist in allen wichtigen Onlinestores verfügbar (iTunes, Rhapsody…).

nicorola: Was denkst du als Künstler über die momentane Situation der Musikindustrie?

Erik: Eigentlich mache ich mir darüber recht wenige Gedanken, aber wir hatten letztens ein wenig Probleme mit Filesharing. Die Leute sprechen immer davon, den Plattenlabels Schaden zuzufügen, aber in Wirklichkeit trifft es am ehesten kleine Indie-Künstler wie uns. Aber ich bin nicht gegen Filesharing an sich, ich denke, das sich viele Tauschbörsennutzer das Album sowieso nicht gekauft hätten. Aber wenn sie es dann hören und unsere Musik mögen, dann ist das für mich in Ordnung, denn dafür machen wir Musik.

nicorola: Gibt es Pläne, in Europa zu touren?

Erik: Es gibt Planungen für diesen Sommer, wenn das nicht klappt, dann spätesten Anfang nächsten Jahres.

nicorola: Was sind deine Ziele für die nahe Zukunft betreffend Love In October?

Erik: Musik zu machen die den Hörer inspiriert, genau wie mich andere Musiker mit ihren Songs inspiriert haben.

nicorola: Möchtest du meinen Lesern noch etwas sagen?

Erik: Danke fürs Zuhören / Lesen.

nicorola: Danke für das Interview.

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MP3s:
Petrula the Destroyer
Circa 1989
I Dream Of Marie Antoinette

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Das Album für $10,- bei der Band bestellen

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