Josefin Öhrn + The Liberation – Sacred Dreams

Auf ihrem dritten Album schlagen Josefin Öhrn & The Liberation ein paar neue Wege ein. Einige führen auf sonnenüberflutete Lichtungen, andere auf ausgetrampelte Irrwege

Nach fast dreijähriger Abwesenheit veröffentlichen Josefin Öhrn + The Liberation mit Sacred Dreams ihr drittes Album. Die Zusammenstellung der Band hat sich seit dem letzten Album Mirage stark verändert.

Seitdem Joefin von Stockholm nach London gezogen ist, haben die Bandleaderin und ihr Schreibpartner Fredrik eine ganz neue Gruppe von Mitarbeitern um sich versammelt, darunter Maki (Go Team), Patrick C. Smith (Eskimo Chain), Matt Loft (Lola Colt) und Ben Ellis.

Dieses neue Lineup ist mit Sicherheit auch für den veränderten Sound der Platte verantwortlich. Denn bei Sacred Dreams handelt es sich um die bisher zugänglichste Veröffentlichung der Band.

Der Opener Feel The Sun ist mit seiner übersteuerten Bassline und dem treibenden, perkussiven Rhythmus ein beeindruckender und intensiver Start in die Platte. Hier gibt sich die Band zugänglich und der Sound ist (noch) bekannt. Es folgt ein kurzes Interlude, dann ertönen bei I Can Feel It unerwartete Klänge.

Elektronik spielte schon in der Vergangenheit eine große Rolle in der Musik der Band, aber bei I Can Feel It und Desire steht sie im Mittelpunkt. Eine interessante Entwicklung, gerade wenn ich an den gitarrenorientierten Sound des früheren Materials denke.

Danach weicht der synthiegeladene Teil dieser Platte einem mittleren Abschnitt von Tracks, die uns mit Variationen der psychedelischen Sounds der Vergangenheit versorgen. Die 60er scheinen eine neue Inspirationsquelle für Öhrn zu sein, am deutlichsten wird dies bei Only Lovers, welches an die Doors erinnert.

Hey Little Boy ist für mich allerdings der schönste Moment des Albums. Eine psychisch gefärbte Dream-Pop-Nummer mit wabernden Gitarren und subtilen Effekten, die an Velvet Underground erinnert.

Der letzte Teil von Sacred Dreams ist der fesselndste. Die abschließenden Songs kriechen im Schneckentempo dahin und sind meilenweit vom optimistischen Beginn der Platte entfernt. Viele Gitarrenschichten, Reverb, Hall und Streicharrangements. Das hätte ich nicht erwartet.

Auf ihrem dritten Album schlagen Josefin Öhrn und ihre neuen Mitstreiter ein paar neue Wege ein. Einige führen auf sonnenüberflutete Lichtungen, andere auf ausgetrampelte Irrwege. Eine sehr unterhaltsame Platte, die mich jedoch ein wenig unschlüssig zurücklässt. Mehr von den neuen Sounds oder doch wieder die großartige Psychedelik der Vergangenheit?


DEINE MEINUNG?

Please enter your comment!
Please enter your name here