Ich verstehe kein Wort Schwedisch. Trotzdem hat mich selten eine Sprache so schnell abgeholt wie die von Kallsup. Die Stimmen klingen mal zurückgenommen und melancholisch, mal angespannt, und die schwedischen Worte fügen sich ganz selbstverständlich zwischen Gitarren und treibende Rhythmen. Man muss nicht jede Zeile verstehen, um die Stimmung der Songs zu erfassen.
Auf ihrem zweiten Album „Alldeles för nära“, also „viel zu nah“, treffen Nähe und Distanz in zehn Songs aufeinander. Kallsup bewegen sich zwischen Indie Rock, Shoegaze, Dream Pop und Post Punk. Das klingt melancholisch, verträumt und gleichzeitig immer ein wenig unruhig.
Mit „Öppen“ geht es noch zurückhaltend los, doch schon „Kino“ zeigt, was Kallsup auszeichnet: Die Gitarren schweben zwischen Dream Pop und Shoegaze, bleiben dabei aber immer greifbar. Darunter treibt ein kühler Rhythmus, der die Songs davor bewahrt, zu sehr ins Ätherische abzudriften. Genau diese Mischung macht die Platte für mich so stark.
Danach wird die melancholische Seite noch deutlicher. „Undantagshelgen“ und vor allem „Andra höstars spöken“ hüllen mich in dichte Gitarren, die gleichzeitig vertraut und etwas entrückt wirken. Trotzdem begräbt die Band ihre Melodien nie unter den Shoegaze-Flächen. Mit „Min största vän“ wird es wärmer und ruhiger. „Imma“ zieht die Spannung wieder an, bevor „Chimär (GBG)“ stärker in Richtung Post Punk geht.
Mein Favorit ist „Vänd mot mig“. Die Gitarren bauen eine schöne, melancholische Atmosphäre auf, während der Gesang zurückgenommen bleibt. Genau diese Kombination funktioniert für mich hier besonders gut. „Fritt fall“ führt anschließend in die Schlussphase, ehe „Malmavägen“ das Album ruhig ausklingen lässt.
Kallsup müssen das Rad nicht neu erfinden. Sie wissen aber sehr genau, wie sie ihre verschiedenen Einflüsse miteinander verbinden wollen. Dadurch entsteht ein durchgehend stimmiges Album, das zwischen Nähe, Distanz, Erinnerung und Melancholie immer wieder neue Facetten zeigt.










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