DIIV – ZIRP!

Wenn eine Band, die 15 Jahre lang jeder Pop-Geste ausgewichen ist, plötzlich ein „Mainstream-Album” ankündigt, werde ich misstrauisch. Und neugierig. DIIV standen für mich immer für Nebel, Lärm und Untergangsstimmung, nie für Hooks, die man beim Abwasch mitsummt. Mit ZIRP! wollen sie genau das ändern.

Für die Produktion holte sich Zachary Cole Smith A. G. Cook ins Boot, den Mann aus dem Charli-XCX-Kosmos. Das klingt nach Stilbruch, ist in Wahrheit aber eher Hochglanzpolitur. Seit Oshin (2012) haben DIIV ihren Sound verfeinert, verdichtet und auf Frog in Boiling Water verdüstert, nie aber verbogen.

Auch jetzt bleiben die Gitarren dick, verwaschen und melodisch, nur funkeln Glitch-Splitter und Synth-Funken darum herum. Der Opener „The Fountain” ist verzerrt und drückend wie eh und je. „Dare Me” klingt, als hätte jemand Loveless von My Bloody Valentine für heutige Ohren neu verkabelt: schimmernde, übersteuerte Gitarren, durchsetzt von digitalen Störgeräuschen.

Mein Favorit ist „Kid”. Der Song beginnt zart, mit einer Melodie zum Mitsummen, bis mittendrin ein Gitarrenausbruch alles aufreißt. Ein Gute-Nacht-Lied, welches mit voller Wucht gegen eine Wand donnert.

Genau dieser Kontrast trägt das ganze Album. Smith singt vom Verschwinden der Welt, in der man aufgewachsen ist, von Feuer, Überwachung und Medikamenten im Pillenorganizer. Dass seine Familie 2025 beim Brand in Los Angeles das Haus verlor, schwingt mit.

„Trillions” persifliert den Reichtumswahn, mit Vocoder-Stimme und scheinbar harmloser Leichtigkeit. Dazu kommen die Hoffnungsschimmer in „My Star” und „Us Against You”, wo eine einsame Leadgitarre heult, bevor der Refrain sich öffnet.

Ganz ohne Haken geht es für mich trotzdem nicht. Das besagte „Trillions” ist zwar der poppigste Moment, aber die Stimmbearbeitung nervt mich beim wiederholten Hören ein bisschen.

Als Mainstream-Album geht ZIRP! ohnehin nicht durch, dafür ist es zu laut, zu schief und zu schwer. Das spricht allerdings eher für die Platte als dagegen.

DIIV wollten Pop machen und klingen dabei so sehr nach sich selbst wie lange nicht: leuchtend, laut und ein wenig giftig. Der Zuckerguss ist neu, der Stachel darunter der alte.


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