faceAls Musikhörer im Jahr 2007, der seine Einkäufe und Entdeckungen zum größten Teil online macht, ist das Leben nicht immer einfach. Es gibt tolle Angebote wie das Community-Portal Last.fm, es gibt YouTube, eMusic und den Branchenprimus iTunes. Aber das Entdecken und Kaufen von Musik ist oftmals müßig.

Ich lese zum Beispiel etwas über ein neues Album auf einem Blog oder in einem Magazin. Ich schaue mir die Seite der Band an und besuche deren MySpace-Profil. Mit etwas Glück kann ich dort in ein paar Stücke des neuen Albums reinhören. Oder ich besuche den Luisterpaal. Sollte mir das Album gefallen, dann möchte ich es vielleicht kaufen. eMusic hat es noch nicht oder bekommt es auch nie. Tunetribe bietet diesen Künstler nur im WMA-Format, Bleep und Finetunes liefern keine Ergebnisse, akuma hat das Album auch nicht. iTunes hat zwar seit diesem Jahr iTunes Plus, nur leider nicht die Musik dieses Labels. Und wo bekomme ich das Album schließlich ohne Probleme? Als Torrent-Datei oder in einer Tauschbörse. Und das auch noch umsonst. Das ist zwar illegal, aber am Ende einer langen Suche komfortabel und dann auch egal. Die Qualität liegt natürlich auch noch über der in den legalen Shops gebotenen.

Deswegen wünsche ich mir ein ums andere Mal einen richtig guten Onlineshop. Ein Portal für Musik. Wo ich alles von einem und über einen Künstler finde. Mir Musik anhören, weiterempfehlen, entdecken und bei Bedarf auch kaufen kann.

Folgende Punkte sollten meiner Meinung nach für so ein Erlebnis erfüllt sein:

Repertoire

Ganz einfach: alles. Ich weiß, das ist aufgrund der komplizierten Rechteverwertung fast undenkbar, aber das hier ist nur Wunschdenken. Also: ich hätte gerne jedes verdammte Musikstück, das digital verfügbar ist. Von Klassik über Hip Hop bis hin zu Gospel und Weltmusik. Reguläre Studioalben, Livemitschnitte, Bootlegs, Mash-Ups. Alles andere sollte schnellstmöglich digitalisiert werden.

Neue Songs / Alben sollten zeitnah zum Repertoire hinzugefügt werden. Nicht ein halbes Jahr auf einen guten Zeitpunkt warten, bis dahin ist die Platte längst in Tauschbörsen aufgetaucht. Direkt nach dem Mastering ein paar ID3-Tags hinzugefügt und hochgeladen. Die Physische CD für den stationären Handel kommt halt erst 3-6 Monate später, da hängen natürlich ganz andere Abläufe dran. Aber CDs im Laden werden bald nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Nur wer neue Platten schnell online verfügbar macht, der macht illegalen Tauschbörsen Konkurrenz.

Community

Online-Community-Portale wie z.B. Last.fm oder iLike.com haben es längst begriffen: es geht bei Musik auch zu einem großen Teil um das Persönlichkeitsprofil, um Freunde, Musik entdecken und weiterempfehlen, um Gruppenzugehörigkeit. Dies sollte gefördert werden.

Alle Songs des Angebots sollten in voller Länge in guter Qualität streambar sein. So kann man sich komplette Alben in Ruhe anhören und diese weiterempfehlen; man kann sich Playlisten-Widgets zusammenstellen, persönliche Radiostationen oder was auch immer. Diese lassen sich dann selbstverständlich auf die eigene Homepage oder das eigene Blog integrieren. Auf jeden Fall sollte die Musik in ihrer Gänze komplett hörbar sein. Keine 30-Sekunden-Schnipsel mehr.

Charts lassen sich anhand der gehörten und gekauften Songs ermitteln. Hier wären auch Charts nach Musikrichtungen und/oder nach beliebten bzw. persönlichen Tags denkbar.

Videos sehen oft gut aus und werden gerne angeschaut. Darum sollten alle verfügbaren Videos abrufbar sein. Macht YouTube zum Musikvideo-Archiv und schließt eine Vereinbarung mit dem Videoportal. Auch hier gilt: Playlisten, Empfehlungen und Kommentare sind wichtig!

Sehr schön wäre auch ein Zwischenhändler-Modell. Das heißt, ich kann mir einen Shop in Richtung Amazons aStore zusammenstellen und bei Einkäufen über diesen mitverdienen.

Ja, mit all diesen Maßnahmen ist es möglich, den lieben langen Tag lang umsonst Musik zu hören. Aber das ist wichtig, um Musikhörer zu potentiellen Käufern zu machen.

Bezahlmodell

Ich wünsche mir 3 Varianten:

Klassisches Downloaden – Bezahlen pro Song
Jeder Song wird einzeln bezahlt, ein ganzes Album ist günstiger zu bekommen. Gerne würde ich ein flexibles Preissystem sehen, ältere Sachen gibt es zum Angebotspreis. Allerdings dürfen neue Alben nie mehr als 9,99 Euro kosten. Das ist die Obergrenze. Die Obergrenze für einen Song sehe ich bei den etablierten 99 Cent, gerne auch darunter.

Abonnement a la Napster
Hier müßte DRM zum Einsatz kommen. Der Nutzer erhält die Möglichkeit, sich soviele Songs wie er möchte auf seine Festplatte zu laden und diese anzuhören, solange er das Abo bezahlt. 10 Euro im Monat sind in meinen Augen ein guter Preis. Die Möglichkeit, die so entstandene Musikbibliothek mit einem mobilen Player abzugleichen, sollte selbstverständlich sein.

Abonnement a la eMusic
Der Nutzer bezahlt sagen wir mal 10 Euro im Monat, und erhält dafür die Möglichkeit, sich 40-45 MP3s herunterzuladen (ca. 3-4 Alben).

Format

Bei den beiden Download-Varianten ist das Format der Wahl MP3. Mindestens 192 kbp/s, gerne auch höher. Am Besten natürlich frei wählbar. Über die Möglichkeit von FLAC-Downloads würde ich mich freuen, auch wenn ich persönlich dafür keine Verwendung habe.

Das zu verwendende Rechtemanagement bei der Napster-Variante ist offen. Es muss ganz einfach folgende Funktionalität erfüllen: solange ich meine monatlichen Beiträge zahle, kann ich mir die Musik auf meinem PC oder mobilen Player anhören, ansonsten sind die Dateien wertlos. Bei Kündigung des Abos wäre es schön, mir zu einem Sonderpreis die Möglichkeit anzubieten, liebgewonnene Songs und Alben zu behalten und somit das DRM zu entfernen.

Physische Tonträger

Sicher, etwas in den Händen zu halten, das ist immer realer als eine Datei auf dem Rechner. Das wünschen sich viele. Und das sollte ebenfalls angeboten werden.

Vinylplatten und -singles sollten einfach zu bestellen sein, ab sagen wir mal 20 Euro auch ohne Versandkosten. Direkt nach dem Onlinekauf kann man sich kostenlos die auf dem Tonträger enthaltene Musik als MP3-Dateien runterladen.

Bei CDs sehe ich das ähnlich, wobei hier eventuelle 2 Varianten angeboten werden könnten. Die klassische CD, im Werk gepresst und gerne in einer schönen Special-Edition. Aber trotzdem zu einem vernünftigen Preis um die 10 Euro. Weiterhin eventuell die Möglichkeit, sich CDs auf Anfrage anfertigen zu lassen. Das heißt, ich klicke bei einem Album auf “Dieses Album als CD (on Demand) bestellen”, ein Dienstleister brennt mir diese auf einen hochwertigen Rohling, druckt das entprechende Cover dazu und schickt mir die CD dann zu. Kann auch gerne personalisiert werden. Auch persönliche Mix-CDs sind denkbar.

Bei Kauf einer klassischen CD gilt natürlich dasselbe wie bei Vinyl: die dazugehörigen MP3s kann ich mir gleich herunterladen.

Redaktionelles

Gerne darf das Angebot auch von redaktionellen Angeboten flankiert werden. Ein Online-Magazin ist hier denkbar, mehrere Blogs von Musikexperten, Rezensionen. Ein Angebot mit Interviews wäre schön, ein “Musiksender” mit Videos ebenfalls interessant.

Künstler und Labels

Auch die Möglichkeit der Künstlerpräsentation darf selbstverständlich nicht fehlen. Hier könnte MySpace als Vorbild dienen, nur in schön (iLike und Facebook gehen da in die Richtung). Auch Labels sollten die Möglichkeit haben, sich und ihre Künstler zu präsentieren. Am besten mit einer Art Baukastensystem, damit die Wiedererkennbarkeit und das Nutzererlebnis gewahrt bleiben.

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Fast keine der hier genannten Techniken oder Features sind Utopie. Nur leider liegen die Angebote weit verstreut im Netz herum. Es gibt keine zentrale Anlaufstelle um Musik zu entdecken, zu hören und zu kaufen. Die größten Probleme sind sicherlich das Vervielfältigungs- und das Aufführungsrecht. Aber mal ehrlich: kann es so schwer sein, die Künstler gerecht zu entlohnen, wenn ich genau protokollieren kann, wann welches Lied gehört wurde, welches Album zu welchem Preis gekauft und wann welche Platte bestellt wurde? Kann ich mir nicht vorstellen.

Ich denke, das man diesen Onlineshop mit noch mehr Features vollstopfen kann, oder mir das ein oder andere Bezahlmodell nicht eingefallen ist. Deswegen die Frage an euch: wie sieht euer Traum-Musikshop aus?

1 KOMMENTAR

  1. Mein Traum-Online-Shop? Bezahlsystem von eMusic, Repertoire-Umfang von Audiogalaxy (RIP), DRM-freie MP3s in Spitzenqualität, Möglichkeit zum Download von Cover-Art und sonstigen Gimmicks für meinen MP3-Player (wie wäre es mal mit einem vernünftigen Lyrics-System?). Auf On-Demand-CDs bin ich noch gar nicht gekommen, prima Idee, aber für mich nicht zwingend erforderlich!

    Redaktionelles muss nicht unbedingt in den Shop, vielleicht genügt eine Schnittstelle “Folgende Blogs schrieben über dieses Album” – und natürlich ein Kundenbewertungssystem. Labelfenster wären gut – die Formulierung “MySpace, nur in schön” merke ich mir mal! 😉

    Tja, Wunschdenken… wird Zeit, dass sich amazon mal richtig der Sache annehmen.

  2. Eigentlich genau so, nur will ich kein DRM für das Abo. Das kann auch ruhig 25€/Monat oder mehr kosten, aber wenn ich mir ein Zeitschriftenabo besorge, muss ich die ja auch nicht mehr zurückgeben (ich weiß, das Vergleich hinkt), wenn ich das Abo kündige.
    Der Shop muss international verfügbar sein, insbesondere auch in kleinen Ländern wie Luxemburg, usw. Und für ein Album/eine Single darf es nur ein Releasedate geben, keine 25 verschiedenen.

  3. Wenn man träumen darf, kann man ja auch mal von einer Kulturflatrate träumen… Wird zwar nie kommen können, weil der Großteil der Musik nicht unter deutsches Recht fällt, aber hey… 🙂

    Vielleicht werden dann PVCs sogar wieder günstiger! 😉

  4. Endlich mal wieder ein richtig toller, richtig langer Artikel zum Kaufen von Musik im Netz!
    Also, ich hab mir wie du auch einige Gedanken gemacht, hier sind sie:

    Repertoire – Stimme ich dir voll zu, da brauche ich also keine weiteren Worte verlieren

    Community
    Ich mag dieses ganze „Wir sind eine große Gemeinschaft“-Krimskrams nicht so wirklich. Last.fm schreckt mich – obwohl ich dort Mitglied bin – immer ein bisschen ab, die Seite ist groß, eher langsam und gerne mal zugespammt. Will man das? Ich nicht wirklich…
    Was ich statt dessen will: Ein kleines Profil anlegen, bei dem ich etwas über mich sagen kann. In das Album hinein-, es aber nicht ganz hören. Ich habe sowieso nicht die Nerven, mir konzentriert 45min Musik am Stück anzuhören, wenn ich vor dem Rechner sitze und so viele andere Sachen machen könnte. Musik höre ich konzentriert auf meinem iPod. Also lieber zwei, drei Songs von jedem Album komplett anhören und in den Rest 30sec lang hineinhören, um in etwa zu erfahren, ob sie ähnlich sein könnten oder nicht. YouTube als Videoarchiv ist okay. Bei den Charts gehe ich noch eine Ecke weiter: Ich finde es spannend, wenn man sich seine persönlichen Charts generieren kann, indem ich sage, dass ich bestimmte andere Benutzer als Maßstab nehme. Ich klicke mir also eine Liste von Freunden/geschmackvollen Menschen zusammen und bekomme so eine sehr individuelle Hitliste… Zwischenhändler-Modell ist sehr, sehr gut. Was du meiner Meinung nach noch übersehen hast: Rezensionen. Ab und zu schreibe ich die gerne, nicht bei jedem Album, das ich mir kaufe, aber wenn ich meine, dass ich etwas zu sagen habe, dann schon.

    Bezahlmodell
    Ich denke, dass hier eine Reduzierung auf zwei Modelle sinnvoll ist: Zum einen das herkömmliche Kaufen von Musik, man zahlt pro Song. Und zum zweiten ein neuartiges Modell, eine Art Flatrate mit Erweiterung: Man zahlt einen monatlichen Betrag, um alle Musik hören zu können. Zahlt man nicht mehr, verschwindet alle Musik – mit einer Einschränkung: man kann Musik „freikaufen“, also unabhängig von der Flatrate machen. Diese kann ich auch nach der Kündigung der Flatrate noch überall hören. Ich denke, jeder hat Phasen, in denen man mehr oder eben auch weniger Musik hört – und für diese Phasen lohnt eine Flatrate nicht. Man kann sich also gezielt seine Favoriten sichern – und bei mehr Interesse wieder problemlos auf die Flatrate aufstocken.

    Format
    MP3 ist in Ordnung. Wenn es denn DRM sein muss, dann sollten sich wirklich alle Plattenfirmen gemeinsam mit den Online-Stores und den MP3-Player-Produzenten auf einen gemeinsamen Standard einigen. Wichtig dabei ist auch, dass dieser Standard auch wirklich überall umgesetzt werden kann – ich will meine Musik auch auf einem Linux-System hören können, die entsprechenden Programme wie Amarok müssen die Möglichkeit bekommen, diese DRM-geschützte Musik auch abspielen zu können – natürlich nur innerhalb des erlaubten Spielraums durch den Kopierschutz.

    Physische Tonträger – Sehe ich genau so wie du.

    Redaktionelles
    Meine kurze Meinung hierzu: Lieber kein „Musiksender“, dafür gibt es ja YouTube. Dafür viele Redakteure, die über Musik schreiben. Unabhängig von den Plattenfirmen! Ohne ein Interesse, die Musik zu verkaufen!

    Künstler und Labels
    Ich kann mit MySpace gar nichts anfangen, das ist mir viel zu verwirrend und uneinheitlich. Ich bin dafür, dass ein Label sich präsentieren darf – mit eingeschränkten Möglichkeiten wie abgeänderter Farbauswahl und sich nicht zu extrem unterschiedlichen Designs. Dass sich ein Künstler wirklich selbst in einem Shop präsentieren muss, glaube ich nicht. Dann lieber ein Blog von der Band/dem Musiker, da sind die irgendwie besser aufgehoben.

  5. Vielen Dank Max!

    Zu deinen Anmerkungen:
    – wieso nicht alle Songs in voller Länge hören können? Dann kannst du doch selbst bestimmen, welche Songs du wie lange hören möchtest

    – die Idee der “Freundes”-Charts finde ich sehr gut!

    – das mit den Zahlarten sehe ich ja ähnlich wie du, nur das bei dir statt des Napster-Modells eine Art Kulturflatrate zum Einsatz kommt. Das Ergebnis wäre meiner nach dasselbe, wobei eine Flatrate eigentlich vorzuziehen wäre (wobei ich mir über die zu verwendende Technik im Unklaren bin, deswegen in meiner Ausführung auch DRM). Das eMusic-Modell möchte ich allerdings auch nach wie vor gerne sehen.

    – Format: absolut deiner Meinung

    – stimmt, der Musiksender ist nicht zwingend notwendig. Das mit den unabhängigen Redakteueren sehe ich genauso!

    – ein Künstler muss sich nicht in einem Shop präsentieren, er sollte aber können. Ich sehe die ganze Geschichte auch eher nicht als klassischen Shop, sondern eher als Musikportal, auf dem man die Musik auch kaufen kann.

  6. Betreff: Mein Traum: Musik online hören und kaufen

    Hallo Nico und Freunde in Community,

    Wir haben schon an etwas angefangen das eure traum b.z. wünsche vorgehen. Die seite wird momentan offline programmiert von 7 Personen. Die Einzehlheiten können wir euch leider momentan nicht erzählen. Was ich nur sagen kann die oben geschriebenen punkte werden auch mit sein. Wenn es so weit ist dann könnt ihr sogar japanische leider hören. 😉

    Bis Dann.

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