Mit ihrem letzten Album Comedown Machine erfüllten The Strokes ihren Vertrag mit der Plattenfirma RCA, der die Veröffentlichung von fünf Alben vorsah. Zwischenmenschlich war die Situation innerhalb der Band vor  drei Jahren wohl ein wenig kompliziert, und so war das letzte Album für die alte Plattenfirma vielleicht nur eine Pflichterfüllung.

Aber sie machen weiter. Und veröffentlichen auf dem Label Cult Records, welches von Julian Casablancas gegründet wurde, eine neue EP. Das ist insofern ein wenig verwunderlich, da die Band dieses Format seit 2001 links liegen ließ.

Ihre legendäre Debüt-EP The Modern Age erschien in diesem Jahr und schuf die Grundlage für den Erfolg der Band. Wenn jetzt also wieder eine EP mit drei Songs (der vierte ist ein Remix) erscheint, die den Titel Future Present Past trägt, dann dürfen wir vielleicht auf einen Neuanfang hoffen.

Vielleicht ist es nur Zufall, dass die drei Songs den Titel der EP musikalisch wiederspiegeln. Aber wenn ich mir Drag Queen als die Zukunft, OBLIVIUS als die Gegenwart und Threat Of Joy als die Vergangenheit vorstelle, dann ergibt das für mich durchaus Sinn.

Die Zukunft: Drag Queen

Ein schnörkelloser Beat treibt die Zukunft voran und wird von einem Bass flankiert, der an New Order denken lässt. Eine kalte Atmosphäre weht durch diesen Song, welcher auch inhaltlich düster klingt:

I don’t understand, your fucked-up system, messing up the city
Try to sell the water, try to sell the air
Try to sell your daughter, try to sell her hair

Der Einfluss von Casablancas Solowerk ist durchaus spürbar, und für eine Neuausrichtung der Band ist Drag Queen keine schlechte Basis. Aber da ist noch Luft nach oben.

Die Gegenwart: OBLIVIUS

Ein klassischer Strokes-Song steht für die Gegenwart. Gniedelnde Gitarren und einer dieser langgezogenen Refrains von Casablancas bilden das Herzstück von OBLIVIUS. Im letzten Drittel dann noch eine (unbewusste?) Verbeugung vor Aerodynamic von Daft Punk. Mein persönliches Highlight dieser EP.

Die Vergangenheit: Threat Of Joy

Ein Song, der klingt, als hätte ihn die Band schon vor Jahren aus dem Ärmel geschüttelt. Sehr entspannte und abgehangene Rhythmusarbeit, dazu ein nonchalanter Casablancas am Mikro. Und dann noch einer dieser typischen Refrains, die sofort zünden. Ein perfekter Abschluss und ein Blick zurück, der Spaß macht.

Haben The Strokes eine Zukunft?

Ob diese Band eine gemeinsame Zukunft hat, weiß ich nicht. Ich würde es mir wünschen. Und ich bilde mir ein, dass ich da eine positive Chemie im Studio heraushören kann. Aber das ist vielleicht nur Wunschdenken. Ich bin momentan sehr zufrieden mit diesen drei Songs.


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