Gestern ist YouTube Music offiziell gestartet. Damit unternimmt Google nach Play Music bereits den zweiten Versuch, den Platzhirschen Spotify und Apple Music ein paar Marktanteile abzuluchsen.

Das YouTube jetzt zum vollwertigen Musikservice ausgebaut wird, ist nahe liegend, denn auf der Videoplattform wird ohnehin viel Musik gehört. Und es gibt Unmengen von Remixen, Sessions und Liveaufnahmen. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Die Frage ist natürlich, ob ich mich da als Nutzer dann auch zurechtfinde.

Erster Eindruck: ein weiterer Streamingservice…

Da die ersten drei Monate aktuell kostenlos sind, habe ich mich schnell angemeldet. Nach der Registrierung klickte ich ein wenig auf der Weboberfläche herum, wechselte aber schnell  in den Play Store, um mir die App herunterzuladen. Diese präsentiert sich dunkel und aufgeräumt, und sie scheint mich zu kennen.

… der mich aber schon kennt

Denn YouTube Music greift auf die Daten zu, dich ich bereits seit Jahren beim Videoanbieter hinterlasse. Sowohl meine YouTube-Playlists als auch alle Songs, die ich mit „Gefällt mir“ markiert habe, finde ich in der App wieder.

Auch die mir vorgeschlagenen Künstler, Videos, Playlists und Stimmungen scheinen laufend anhand meiner Gewohnheiten berechnet zu werden. Das muss ich mir aber noch genauer anschauen.

Audio? Video? Was denn nun?

Was mich noch irritiert, ist die Vermischung von Audio und Video-Dateien. Ich habe mir zum Beispiel meine Playlist mit den Songs des Jahres 2018 mit Soundiiz von Spotify zu YouTube konvertiert, und da sind im Prinzip nur die Tonspuren der Videos vorhanden. Die Songs kann ich so natürlich auch hören, aber das ist gerade bei Videos, die auch Soundeffekte beinhalten, etwas irritierend. Allerdings hat Soundiiz hier natürlich auch einen großen Anteil, denn ich bin mir sicher, dass der Dienst noch nicht aktualisiert wurde.

Ich denke, dass diese Unschärfe zwischen reiner Audio-Datei und der Tonspur eines Videos eigentlich ein Vorteil ist, nur muss sich mich da als alter Spotify-Hase noch zurechtfinden.

Musik unterwegs

Natürlich kann ich mir meine Musik auch herunterladen, um diese unterwegs zu genießen. Das funktioniert problemlos und beinhaltet sowohl Audio- als auch Video-Dateien. Man kann die App allerdings nicht wie bei Spotify in den Offline-Modus schalten, sondern es gibt einen eigenen Punkt “Downloads”.

Ich kann aber das Streaming in den Einstellungen nur auf WLAN stellen, so dass ich gegen unfreiwillige Datennutzung geschützt bin. Das ist ein etwas anderer Ansatz, aber das habe ich schnell verstanden.

Die Kosten

YouTube Music ist mit Werbung kostenlos, ohne Werbung kostet der Dienst branchenübliche 9,99 Euro im Monat. Das Angebot YouTube Premium bietet zusätzlich werbefreie Videos und enthält exklusive Serien und Filme (“YouTube Originals”) und kostet 11,99 Euro im Monat. Wie bereits erwähnt, gibt es die ersten drei Monate aktuell kostenlos.

Was noch nicht so toll ist

  • die App stürzt gelegentlich mitten in der Wiedergabe ab
  • ich kann den Speicherort meiner Downloads nicht selbst bestimmen (aktuell nur der interne Gerätespeicher)
  • die Audioqualität ist aktuell auf 128 kb/s beschränkt (AAC in der App, OPUS auf der Weboberfläche), es soll aber demnächst ein Upgrade auf 256 kb/s folgen
  • der Katalog weist noch einige Lücken auf (zumindest laut meinen Stichproben, z.B. fehlt das aktuelle The National-Album)
  • aktuell noch keine Podcasts

Erstes Fazit

YouTube Music macht bereits zum Start einen recht soliden Eindruck. Allerdings kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die drei kostenlosen Monate eher eine großangelegte Betaphase darstellen. Womit ich persönlich aber keine Probleme habe.

Ich muss mich nur an die etwas andere Herangehensweise gewöhnen und mich noch ein wenig zurechtfinden. Dass ich nach Ablauf der drei Monate Spotify den Rücken kehre, glaube ich aktuell aber nicht. Aber das kann ich dann ja im September entscheiden.

YouTube Music

 

3 KOMMENTARE

  1. …dazu kommt noch, dass keine lückenlose Wiedergabe möglich ist. Bei Live-Alben und ineinander übergehenden Stücken, gibt es dicke Pausen. Das ist total störend.

      • Mittendrin einfach stoppen, ist natürlich auch übel…

        Ich hoffe, dass sie das noch auf die Reihe kriegen (um einfach eine gute Alternative für den Notfall zu haben… man weiß ja nie). Im Moment bin ich nämlich bei Spotify. Da ist irgendwie alles eine Stufe professioneller. Bei Google fehlen mir zu viele Interpreten, weil die Firma nicht bereit ist “Spezialverträge” mit einzelnen Künstlern abzuschließen; Rammstein, Peter Gabriel, ganz viel klassische Musik.

        Es fehlt bei Google auch die Möglichkeit der Lautstärkeanpassung. Das Anhören von Radios und Playlisten wird zu einem laut/leise Wechselbad… Ein Client für den Desktop fehlt – und und und. Trotzdem würde ich zuerst (falls Spotify mal was zustößt) zu Google wechseln. Amazon kommt wegen des Werbe-Overkills nicht in Frage. Für Apple bin ich nicht hip genug. 🙂

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