Ich mag Spotify. Der Streaminganbieter aus Schweden bietet mir für schlappe 10 Euro im Monat Zugriff auf knapp 30 Millionen Songs. Ich lade meine Musik auf mein Smartphone herunter und höre sie unterwegs. Das funktioniert seit Jahren einwandfrei und ohne größere Probleme. Dafür bin ich dankbar. Dafür zahle ich gerne den monatlichen Beitrag.

Aber es gibt da auch immer dieses bohrende Gefühl, dass an diesem Modell irgendetwas nicht stimmt. Das ein Modell, bei dem nur 15 Millionen Abonnenten weltweit zahlen und die restlichen 45 Millionen die Musik umsonst genießen 1, nicht genug für die Künstler abwirft, ist mir ein Dorn im Auge. Die eingeblendete Werbung spült nur einen Bruchteil der Einnahmen durch die Abonnenten in die Kasse, und so bleibt am Ende eine Zahl:

0,00521 US-Cent per Stream 2.

Das Problem

Das ist entscheiden zu wenig, und wenn ich den diversen Berichten zu diesem Thema Glauben schenke, dann wird auch dieses “Einkommen” nicht gerecht verteilt. Aber das ist ein anderes Thema. Wie könnte man aber dafür sorgen, dass die Künstler durch das Streaming ihrer Musik bei Spotify mehr verdienen? Brandon Shaw hat sich Ende letzten Jahres dazu einige Gedanken gemacht:

For $10 a month I have access to almost any song I want, whenever I want, wherever I want. As a consumer of music, this is a fantastic deal. I haven’t bought an album in months, because, why would I if I can listen to it on Spotify? The math in the Spotify equation is off. It’s a great deal for consumers, and a terrible deal for musicians. Let’s take a look at how we can solve this problem.

Die Lösung

Hier seine Lösung des Problems in drei Schritten in einer Infografik:

The Spotify Problem

Noch einmal zusammengefasst ergibt das folgende drei Schritte:

  1. Aktuelle Musik, die in den letzten 6 Monaten erschienen ist, ist nicht auf Spotify verfügbar.
  2. Einschränkung der werbefinanzierten Konten durch Reduzierung des Angebots und exklusive Musik im Premium-Abo (Beispiel Netflix).
  3. Spotify VIP: für 10 Euro im Monat extra bekommt man Zugriff auf die neuesten Veröffentlichungen der selbst definierten Top 5-Künstler. Diese bekommen dann mehr Geld.

Interessanter Ansatz

Für mich ein äußerst interessanter Ansatz, der vielleicht sogar funktionieren könnte. Mit einer Einschränkung: ich als Musikblogger hätte nur noch eingeschränkten Zugriff auf die Neuerscheinungen. Das würde mich persönlich treffen.

Deswegen befürworte ich den Ruf nach einer Anpassung des Geschäftsmodells von Spotify, denke aber, dass der Vorschlag von Cuepoint der bessere ist.

In diesem Ansatz geht es darum, dass die Aufteilung der Einnahmen nach den eigenen Hörgewohnheiten aufgeschlüsselt wird.

Höre ich einen Monat lang nur Carter The Unstoppable Sex Machine, so gehen die 7 Euro, die nach dem Anteil von Spotify übrig bleiben, direkt an die Band bzw. ihre Plattenfirma.

Höre ich im nächsten Monat Arcade Fire, Viet Cong, Frightened Rabbit, Kevin Drew, Pop Will Eat Itself, Aphex Twin und Plaid, so werden die 7 Euro auf die 7 Künstler aufgeteilt, und jeder erhält jeweils einen Euro.

Ziemlich simpel, ziemlich fair. Das komplette Modell wird hier näher erläutert.

Fazit

Spotify, rdio oder Deezer sind für mich als Musikkonsument großartige Angebote, die nur einen entscheidenden Nachteil haben: sie zahlen den Künstlern zu wenig.

Es gibt Möglichkeiten, dass zu ändern.

Oder wie seht ihr das?

1 = 15 for ’15!
2 = The Streaming Price Bible – Spotify, YouTube and What 1 Million Plays Means to You!

7 KOMMENTARE

  1. Ich vertraue mal drauf, dass das Modell von Cuepoint halbwegs stimmig ist – das wäre für mich auch der bessere Weg.
    An erstere Lösung gefällt mir schon nicht, dass das Modell der Filmindustrie auf die Musik übertragen wird. Da liegen meiner Meinung nach ganz andere Konsumverhalten und Verwertungsketten zugrunde.

  2. Also, diese Logik ist eine die wieder schön klingt, aber mehrere grundsätzlichen Haken hat. 1,50 Dollar soll Spotify laut dieser Rechnung behalten, 8,50 unter Musikern verteilen. Allein diese Verteilung ist unrealistisch, denn natürlich werden Spotify und all jene, die bisher Geld reingepumpt haben, sich nicht mit 15 Prozent Eigenanteil zufriedengeben. Stichwort: Serverkosten und Mitarbeiter und Expansion. Den Optimismus, dass man über eine pure Masse an Usern viel Geld einstreichen kann, teile ich nicht. Wäre Spotify nicht gratis, würde es nur von einem Bruchteil genutzt werden.

      • Ich glaube nicht, dass man von einem Wirtschaftsunternehmen wie Spotify Fairness verlangen kann. Natürlich wird Sony für seine Musiker immer einen besseren Deal aushandeln als ein kleines Label. So wie Edeka oder Spar bessere Konditionen beim Firmen bekommen als der Tante-Emma-Laden um die Ecke. Und selbst wenn User diese faire Verteilung pushen und durchsetzen würden, müsste sich nur Universal querstellen und Spotify könnte einpacken. Und da bisher ja auch nie Kunden dagegen protestieren, dass der Tante-Emma-Laden schlechtere Kondition bei Firmen hat als etwa Lidl, warum sollten sich nun ausgerechnet Musikhörer auf die Hinterbeine stellen? Die Ansätze, die wiedergibst, sind durchaus am Papier richtig, aber letztlich leider utopisch. Das ist eigentlich traurig.

        • Ja, du hast sicherlich recht. Und es ist wirklich traurig. Aber ich hoffe trotzdem, dass es irgendwie möglich ist, eine bessere Vergütung durch Streaming zu erreichen.

          • Ich glaube, es geht tatsächlich vor allem über Preiserhöhungen. Und seien wir bei Spotify ehrlich, es gibt kaum vernünftige Werbung. Die meiste Werbung ist doch von der Musikindustrie geschaltet, also kann diese Werbung natürlich auch kein Geld in die Kasse spülen, weil es ja von den Werbeetats abgeht. Es wäre also wichtig, dass Spotify bessere Werbepartner hätte. Dann könnte auch kostenloses Streaming sich für Musiker rentieren. ABER: Lies dir mal die Bewertung von Apps im Google Store durch, sobald eine App sich über Werbung finanziert, gibt es einen meinungstrommelnden Teil, der lauthals über Werbung stöhnt. Werbung ist im Internet auch nach 20 Jahren noch nicht akzeptiert (Stichwort: Ad-Blocker) und das fällt auch Spotify und Co. auf den Kopf.

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