Vor ein paar Monaten schrieb ich über ein Album, das laut gehört werden will. Verzerrte Gitarren, ein Schlagzeug, das nach vorn drängt, Get Well Soon als Rockband im Proberaum.
Ich dachte, Konstantin Gropper hätte sich damit endlich die Jugend zurückgeholt. Jetzt, nur wenige Monate später, dreht er sich einmal um die eigene Achse und lässt auf Séance die Gitarren im Schrank.
Statt Wucht gibt es elektronische Klangflächen, getragene Arrangements und Samples, die wie Geister durch die Stücke ziehen. Das Album ist ein Spukhaus, und das mit Absicht: Gropper hat sich von der Hauntologie inspirieren lassen, der Idee, dass die Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirkt.
Seine Pointe: Auch eine KI, die Technologie der Zukunft, speist sich nur aus dem, was schon einmal gesagt wurde. Eigentlich wollte er mit ihr Musik machen, war vom Ergebnis aber nicht überzeugt. Also hat er ein Album über sie gebaut, nicht mit ihr.
Den Titel verstehe ich als doppelte Anspielung: Wer einer KI Fragen stellt, sitzt ein bisschen wie bei einer Séance am Tisch und wartet, was aus dem Unbekannten zurückkommt.
Wie bei Minus The Magic schwebt auch hier die vertraute Handschrift darüber, nur mit anderen Mitteln. „The Wreck Of Deutschland“ beginnt mit Möwengeschrei, als würde man an einer Küste aus dem Nebel treten. Dann setzt das Akkordeon ein und zieht den Song in Richtung Filmmusik: ein bisschen französisches Chanson, ein bisschen Western, staubig und weit, obwohl der Text von Deutschland handelt. Gropper fragt darin, ob wir aus der Geschichte überhaupt etwas gelernt haben.
Mein Favorit ist „Siri, What Ruined The West“. Gropper hat sich in der App Hello History mit KI-generierten historischen Figuren unterhalten und dieses Gespräch in Verse gegossen. Auch Kurt Cobain, oder besser: sein digitales Abziehbild, kommt darin zu Wort. Bass und Synthies geben dem Stück einen Drive, den ich auf dieser Platte zuerst nicht erwartet hatte.
Fast gleichauf liegt der Schluss: Für „You Need Me“ gab Gropper einer KI den Prompt, ein Gedicht darüber zu schreiben, warum er sie braucht. Es blieb der einzige Text, bei dem sie überhaupt mitschrieb, und er musste den Entwurf deutlich überarbeiten. Beunruhigende Streicher tragen das Ergebnis, und genau das ist unbequem: Ein Mensch leiht einer Maschine seine Stimme, damit sie ihre Unentbehrlichkeit beschreibt.
Séance macht es einem nicht leicht. Gegenüber dem direkten Vorgänger ist es das sperrigere, anspruchsvollere Album, und es verlangt mehr Geduld. Dafür belohnt es mit einer dichten Atmosphäre, ungewöhnlichen Ideen und großen Arrangements.










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