Chelsea Wolfe – The Dark

Nach dem elektronisch geprägten „She Reaches Out To She Reaches Out To She“ schlägt Chelsea Wolfe auf „The Dark“ wieder deutlich organischere Töne an. Gitarren, Bass und Schlagzeug stehen stärker im Mittelpunkt, dazu kommen Piano, Streicher und immer wieder elektronische Elemente. Das Album wirkt dadurch weniger kalt als sein Vorgänger, ohne die düstere Atmosphäre aufzugeben, die Wolfes Musik seit Jahren prägt.

Schon „Cold“ zeigt diese neue Balance. Akustische Gitarre, Piano und zurückhaltendes Schlagzeug bilden einen beinahe zerbrechlichen Untergrund für Wolfes Stimme. Erst nach und nach wächst der Song, bleibt dabei aber erstaunlich zurückgenommen.

Mein persönliches Highlight ist das folgende „Seethe“. Der Song entwickelt einen enormen Sog und verbindet die Schwere ihrer früheren Arbeiten mit der größeren Offenheit des neuen Albums. Gerade hier zeigt sich, wie gut die verschiedenen Seiten von „The Dark“ zusammenpassen. Die Musik bleibt dunkel und schwer, verliert sich aber nicht in dieser Schwere. Immer wieder schälen sich großartige Melodien aus dem dichten Klangbild heraus.

Überhaupt ist der Wechsel zwischen leisen und schweren Momenten eine der großen Stärken des Albums. „Swallower“ führt die Gitarren zurück in Richtung Doom und Gothic Metal, bevor „Halo“ wieder auf beinahe flüsternden Gesang und zerbrechliche Akustik setzt. Diese Gegensätze wirken nie wie Brüche. Sie gehören zum Konzept einer Platte, die immer wieder zwischen Dunkelheit und Hoffnung pendelt.

Besonders gelungen ist auch „The Dark“. Der Titeltrack beginnt als folkige Ballade und wächst langsam zu einem großen, fast theatralischen Finale. Streicher, Elektronik und Post Rock Elemente erweitern den Song, ohne seine melancholische Basis zu überdecken. Auch „Death Is Not The End“ funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip: zunächst reduziert und akustisch, entwickelt sich der Song schließlich zu einem wuchtigen, dissonanten Höhepunkt.

„Dancer In The Sky“ gehört ebenfalls zu den stärkeren Momenten. Piano und Streicher verleihen dem Song eine ungewohnte Größe, ohne dass Wolfe ihre melancholische Grundstimmung verliert. Im Vergleich zu „Seethe“ wirkt er auf mich allerdings etwas zu glatt. Gerade die raueren und widersprüchlicheren Momente stehen diesem Album besser.

Ganz ohne Schwächen kommt „The Dark“ deshalb nicht aus. Einige Songs ähneln sich in ihrer bewussten Langsamkeit, und nicht jeder atmosphärische Moment entwickelt die nötige Spannung. Trotzdem bleibt die Platte über weite Strecken bemerkenswert dicht und stimmig.

„The Dark“ ist kein radikaler Neuanfang, sondern eine konsequente Weiterentwicklung. Chelsea Wolfe verabschiedet sich nicht von der Dunkelheit, sondern verändert ihren Blick darauf.

Ein reifes, zugängliches und emotional intensives Album, das besonders dann überzeugt, wenn Wolfe ihre dunklen Seiten nicht zurücknimmt, sondern ihnen Raum gibt.


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