Radio Free Alice – What’s In Between

The Killers, The Smiths und Pulp. Es gibt schlechtere Bands, an denen man sich orientieren kann. Dass eine junge australische Band ausgerechnet diese Einflüsse aufgreift, weckt bei mir natürlich sofort Interesse. Gleichzeitig sind das ziemlich große Fußstapfen, in die man da tritt. 

Radio Free Alice machen auf ihrem Debütalbum What’s In Between allerdings schnell deutlich, dass sie mehr vorhaben, als nur ihre musikalischen Vorbilder zu zitieren. Das Quartett aus Melbourne verbindet Indie Rock und Post Punk mit großen Melodien und einer ordentlichen Portion britischem Gitarrenpop.

Im Mittelpunkt steht Sänger Noah Learmonth, der mit seinen Texten eine ziemlich genaue Beobachtungsgabe beweist. Seine Figuren sind junge Männer, die zwischen beruflichen Erwartungen, gescheiterten Beziehungen und der eigenen Orientierungslosigkeit feststecken. Das klingt nicht unbedingt nach einem großen Vergnügen, wird aber mit erstaunlich viel Witz und Selbstironie erzählt.

Schon der Opener „Crying With You“ zeigt, wohin die Reise geht. Experimentelle Klänge gehen in ein treibendes Schlagzeug über, während sich die Gitarren immer weiter aufschwingen. Ein starker Einstieg, der die Energie der Band ziemlich gut auf den Punkt bringt.

„Undressed“ schlägt zunächst leisere Töne an. Schimmernde Synthesizer und eine eingängige Melodie treffen auf eine Geschichte über unerwiderte Gefühle und die unangenehme Situation, jemandem beim Glücklichsein mit einer anderen Person zusehen zu müssen. Hier blitzt tatsächlich ein wenig der Geist von The Killers durch.

Mein persönlicher Favorit ist „Rule 31“. Der Song zieht mit seinem schnellen Zusammenspiel aus Bass und Gitarre sofort an, bleibt dabei angenehm nervös und entwickelt eine Spannung, die sich nicht in einer großen Geste auflösen muss. Genau diese Mischung aus Tempo, Kante und Melodie macht für mich den Reiz der Band aus.

Auch „Bottleshops“ gehört zu den Höhepunkten. Ein federnder Basslauf und druckvolle Gitarren tragen einen Text über die ernüchternde Erkenntnis, dass das Erwachsenenleben nicht unbedingt hält, was man sich davon versprochen hat.

„Kick in the Shins“ setzt dagegen auf kantigere Gitarren und ein nach vorne treibendes Schlagzeug. Learmonth verpackt seine Frustration in herrlich bissige Beobachtungen.

„Big Ideas“, bei dem Rachel Brown von Water From Your Eyes mitwirkt, bringt zudem eine andere stimmliche Perspektive ins Spiel und sorgt für einen gelungenen Kontrast.

Produzent Peter Katis, der unter anderem mit Interpol und The National gearbeitet hat, verpasst den Songs einen ausgesprochen klaren und breiten Klang. Das funktioniert meistens hervorragend. Gelegentlich hätte ich mir allerdings etwas mehr Rauheit gewünscht.

Gerade im hinteren Teil des Albums wirken manche Arrangements etwas zu glatt, und nicht jede musikalische Erweiterung entfaltet die gleiche Wirkung wie die treibenden Gitarrensongs.

Mit „Waiting“ findet das Album schließlich einen schönen Abschluss. Der zurückgenommene, halb gesprochene Gesang und das fragile Arrangement lassen den zuvor aufgebauten Druck langsam entweichen.

What’s In Between ist ein überzeugendes Debüt, das seine Einflüsse nicht versteckt, sondern selbstbewusst verarbeitet. Radio Free Alice haben ein Gespür für große Melodien, präzise Beobachtungen und Songs, die sofort hängen bleiben.

Noch ist nicht jede Idee gleichermaßen ausgereift. Aber diese Mischung aus jugendlicher Unruhe, Melancholie und britischer Indie-Tradition funktioniert erstaunlich gut. Eine Band, die noch einiges vorhat.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert